Eva Eiselt „schärfte“ den Blick mit „nachhaltiger Unterhaltung“, wie sie im Programm ankündigte, zu der auch ein Striptease mit Thrombosestrümpfen beitrug. Foto: Baumgartner

Eva Eiselt präsentierte im Rahmen des Theater-Rings ihr Programm „Jetzt oder sie“ – ein Abend voller Sprachwitz und unbequemer Wahrheiten über Rollenbilder.

Die Einen Abend zum entspannten Zurücklehnen hatte Kabarettistin Eva Eiselt ihrem Publikum auf der Subiaco-Bühne nicht versprochen – und dieses Versprechen hielt sie konsequent ein. Mit ihrem Programm „Jetzt oder sie“ lieferte sie im Rahmen des Theater-Rings keine einfachen Antworten, sondern forderte zum genauen Hinsehen auf – auch dort, wo es unbequem wird.

 

Statt leichter Unterhaltung setzte Eiselt auf Tempo, Sprachwitz und gedankliche Schärfe. Männer wie Frauen nahm sie gleichermaßen ins Visier, humorvoll, aber mit deutlicher Schlagkraft. Ihr Stil: ein dichtes Geflecht aus Wortspielen, gedanklichen Sprüngen und pointierten Beobachtungen, vorgetragen in atemloser Geschwindigkeit. Wer gedanklich nicht Schritt hielt, musste schnell aufholen – oder ließ sich vom Wortgewitter überrollen.

Zentrale Botschaft

Selbstironisch diagnostizierte die Kabarettistin bei sich eine „Wortspielunverträglichkeit bei gleichzeitiger Wortwitzzwangsstörung“ – und bewies diese eindrucksvoll auf der Bühne. Dabei verband sie Alltagsbeobachtungen mit philosophischen Gedanken: Perspektivwechsel und Standpunkte wurden ebenso hinterfragt wie vermeintliche Gewissheiten. „Wer nur den Blickwinkel ändert, aber nicht den Standpunkt, verändert nichts“, lautete eine ihrer zentralen Botschaften. Auch musikalisch zeigte Eiselt ihre Vielseitigkeit. Mit Synthesizer und Stimme verwandelte sie Sprachbilder in Klanglandschaften und spielte mit Bedeutungen und Assoziationen. Ihre Texte bewegten sich dabei zwischen Poesie und Analyse, zwischen Leichtigkeit und Tiefgang.

Inhaltlich spannte sie den Bogen von Geschlechterrollen über Generationenkonflikte bis hin zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Ob Freiheit im Wohnmobil, Modefragen zwischen Müttern und Töchtern oder das Verhältnis zwischen Männern und Frauen – Eiselt sezierte alltägliche Situationen mit scharfem Blick. Die Reaktionen im Publikum schwankten zwischen herzhaftem Lachen und nachdenklichem Schweigen. Oft blieben die Pointen nicht nur im Zwerchfell, sondern setzten sich tiefer fest.

Überraschendes Bild

Zum Abschluss setzte die Kabarettistin ein ebenso überraschendes wie vieldeutiges Bild: ein Striptease – allerdings rückwärts gedacht. Statt sich zu entkleiden, zog sie sich an und schlüpfte schließlich in Thrombosestrümpfe. Ein augenzwinkernder Perspektivwechsel, der den Blick schärfen sollte – ganz im Sinne ihres Programms. Mit ihrer Mischung aus Humor und intellektueller Herausforderung gelang Eva Eiselt ein Abend, der weniger auf schnelle Lacher als auf nachhaltige Wirkung zielte. Ein Kabarettprogramm, das fordert – und gerade deshalb in Erinnerung bleibt.