Freude bei der Übergabe des Nachlasses (von links): Kreisarchivar a.D. Bernhard Rüth, Christine Sigle, Kreisarchivar Johannes Waldschütz, Landrat Wolf-Rüdiger Michel und Reinhard Sigle. Foto: Siegmeier

Christine Sigle übergibt den Nachlass ihres Vaters Romuald Hengstler an den Landkreis Rottweil. Dessen Sammlung wird um vielfältige Arbeiten bereichert.

Er zählt zu den Gründervätern der modernen Kunst im oberen Neckarraum und hat als Mitglied der „Viererbande“ – gemeinsam mit Erich Hauser, Franz Bucher und Felix Schlenker – den Kunstraum Rottweil in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt: der Deißlinger Künstler Romuald Hengstler. Ein Teil des Nachlasses von Romuald Hengstler, der im Jahr 2003 gestorben ist, wurde jetzt als Schenkung in die Kunstsammlung des Landkreises Rottweil übernommen – ein wahrer Schatz und ein repräsentatives Konvolut seines gesamten künstlerischen Schaffens.

 

Jetzt wurde im einstigen Wohnhaus des Künstlers die Schenkungsurkunde im Beisein von Landrat Wolf-Rüdiger Michel, Kreisarchivar Johannes Waldschütz und Kreisarchivar a.D., Bernhard Rüth, unterzeichnet.

Ein krönender Abschluss

Die Entscheidung sei ihr nicht leichtgefallen, gibt Christina Sigle, die Tochter von Romuald Hengstler zu. „Aber ich freue mich, dass dieser Prozess der ganzen Überlegungen nun einen krönenden Abschluss für das Werk meines Vaters nimmt“, so Sigle sichtlich erleichtert. Vor drei Jahren habe man erste Überlegungen angestellt, wie man mit dem Nachlass umgehen wolle. „Man habe alles dokumentiert und katalogisiert – immerhin Arbeiten aus gut 50 Jahren künstlerischen Schaffens. Mehr als 300 Bilder, unendlich viele Zeichnungen und die beeindruckenden Bildtagebücher. 109 Werke und 164 Bände der Bildtagebücher, zählen jetzt zur Kunstsammlung des Landkreises.

Arbeiten sollen öffentlich zugänglich sein

„Uns war es wichtig, dass die Arbeiten nicht unter Verschluss bleiben, sondern öffentlich zugänglich sind“, erklärt Christina Sigle und dankt Bernhard Rüth und Rainer Pohler, die viel Zeit für die Sichtung investiert und schließlich die Auswahl getroffen haben.

Landrat Wolf-Rüdiger Michel dankte der Familie Sigle für ihre Entscheidung. Durch die Schenkung könne man einen großen zusammenbleibenden Querschnitt durch den Nachlass bewahren. „Und wir sind inzwischen durchaus erfahren mit Nachlässen und sind damit nicht nachlässig“, sagt er mit einem Augenzwinkern und betonte, dass man die Arbeiten keinesfalls nur im Magazin verschwinden lassen, sondern in Ausstellungen damit „arbeiten wolle“.

Dank für Unterstützung

Häufig seien ja Kunst- und Kultur die ersten Posten, bei denen in finanziell knappen Zeiten der Rotstift angesetzt werde. „Wir haben hier im Landkreis Glück, dass wir mit der Kreissparkasse Rottweil und den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) zwei Partner im Boot haben, die weitgehend konjunkturunabhängig sind und uns finanzielle Mittel für Kunst zur Verfügung stellen“, würdigte Michel die Unterstützung.

Die Kunstsammlung des Landkreises beeindruckt, und die Vielzahl namhafter Künstler verleiht ihr musealen Rang. Mehr als 720 Einzelwerke und Werkgruppen umfasst die Sammlung, die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts beinhaltet und gut und gerne ein komplettes Museum füllen könnte. Bedauerlich, dass es keine dauerhafte museale Präsentation der Sammlung gibt. Doch das ist ein anderes Thema.

Nachdem sich die Familie Sigle entschlossen hatte, den Nachlass zu übergeben, erteilte auch der Kreistag der Schenkung grünes Licht, und mit der Vertragsunterzeichnung ist nun alles perfekt. „Wir haben wirklich einen tollen Fundus, aus dem wir jetzt schöpfen können“, betonte Kreisarchivar Johannes Waldschütz mit Blick auf mögliche Präsentationen in Rottweil oder im Wasserschloss in Glatt.

Rüth würdigt Schaffen

„Romuald Hengstler war ein Spitzenrepräsentant der Zweiten Moderne in unserem Kulturraum“, würdigte Bernhard Rüth das Schaffen Hengstlers. In der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst hatte Romuald Hengstler eine Bildsprache, oder vielmehr eine Bildschrift von zeichenhafter Ausdruckskraft entwickelt. „Hengstlers künstlerischer Aufbruch, der mit dem Jahr 1962 einsetzte, vollzog sich im Zeichen der skripturalen Malerei. Mit der Zeit perfektionierte er die von ihm angewandte Methode der Schichtung. So entstanden aus gitterartigen Strukturen komplexe Farbräume mit ungeahnten Tiefendimensionen“, so Rüth. Man darf sich also jetzt schon auf die Präsentation der einen oder anderen Arbeit bei einer Ausstellung im „kunst raum rottweil“ freuen.