Breitbeinig und behäbig gibt Rolf Miller kluge Stammtischweisheiten von sich. Foto: Kuhnert

Kabarettist Rolf Miller eröffnet das neue Halbjahresprogramm bei „Kultur am Dobel“.

Viel besser kann der Start in ein neues Halbjahresprogramm kaum ausfallen als dieser bei „Kultur am Dobel“: ein ausverkaufter Saal für einen Künstler, der seine Zuhörer dem Dauerlachen aussetzt.

 

„Wir hätten glatt die doppelte Zahl an Karten verkaufen können“, sagte Vorsitzender Ralf Günther angesichts der gut 100 Gäste, die in den Schweizer-Saal des Stadthauses strömten.

Dies musste wohl auch keiner bereuen. Mit Rolf Miller stand – besser: saß – ein Kabarettist auf der Bühne, der nicht auf den schnellen Lacher spekuliert, sondern mit scharfzüngigen Halbsätzen in einem schauerlichen Dialekt seine Welt, seinen Kosmos, entblättert. Er braucht dazu nur einen Stuhl, ein Mikrofon und die Wasserflasche, aus der er ständig nuckelt.

Weisheiten haben es in sich

Wenn sich der Zuhörer diese Flasche als Bierhumpen vorstellt, ist das Bild von einem Solo am Stammtisch perfekt. Breitbeinig fläzt sich Miller in kurzen Hosen in den Sessel, lehnt sich bräsig zurück und gibt Weisheiten von sich, die es in sich haben. Was der Zuhörer nicht mal im Insgeheimen, im stillen Kämmerlein zu Ende denken mag, spricht Miller ungeniert an. Aber er spricht es nicht aus, sondern endet in einem Halbsatz. Das klingt in etwa so: „Ein Atomkrieg ist das Ende der Menschheit ... könnte auch Nachteile...“. Nein, das Ende der Welt beschwört er nicht allzu oft.

Es geht zunächst um Alltägliches wie das autogene Audifahren. Fußball „mit beinrasierten Wollmützenträgern“ darf nicht fehlen. O-Ton Rolf Miller mit höhnisch meckerndem Lachen: „Fußball ist schwer. Sehr schwer. Für unsere unlösbar. Aber jetzt haben sie ja mal gewonnen. Aus Versehen.“

Pünktlich auf die Minute begonnen, gönnt er seinen Zuhörern nach genau 40 Minuten eine Pause. Die haben sie redlich verdient. Rolf Miller bedeutet nämlich konzentriert zuhören und „erfolgreich mitdenken“, wie eingangs Bernhard Förderer von „Kultur am Dobel“ empfohlen hatte. Und trotzdem muss der Zuhörern ständig befürchtet, vor lauter Lachen die nächste Pointe schon wieder verpasst zu haben.

Schlag auf Schlag

Die kommen Schlag auf Schlag, denn zuweilen hat der preisgekrönte Kabarettist „kein Gefühl für ein Gespür“. Dann haut er Sätze raus wie „Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem“ oder er fragt: „Ist Korruption heute eigentlich noch bezahlbar?“ Miller will halt „keine Panik vermeiden“. Denn, so hat er für sich entschieden: „Das Leben ist kein Pony ... äh ... Ding ... kein Ponyschlecken.“ Pünktlich auf die Minute macht er Schluss, und von Zugaben hält Rolf Miller auch nicht viel.