Der Komiker Helge Thun trat bei Kultur am Dobel auf und machte unter anderem Scherze über das sogenannte postheroische Zeitalter.
„Held der Komik“ stand unübersehbar auf der großen Leinwand im Schweizersaal im Stadthaus. Dorthin hatte Kultur am Dobel eingeladen zu einem Abend und einem Wiedersehen mit dem Komödianten Helge Thun.
Dieser rief umgehend das „postheroische Zeitalter“ aus. Postheroisch, weil es heutzutage auch gewöhnliche Helden nicht mehr leicht hätten, da Superhelden wie Spider- und Superman in die Kinderzimmer eingezogen seien. Und warum überhaupt „Held“? Er habe schon als kleiner Bub empfunden, dass Helge Thun so ähnlich wie Heldentum klinge, gestand der Komiker. So zerstört man Heldensagen.
Verdrehte Buchstaben
Aber irgendwie war es dann doch heldenhaft, wie Thun die zwei Stunden geistreiche Albereien auf der Bühne gestaltete. Er setzte seine Zuhörer gnadenlos wahren Kaskaden von Wortspielereien aus, einem Freistil von verdrehten und verwechselten Buchstaben, schrägen Kalauern und äußerst mutigen bis tollkühnen Schüttelreimen.
Seiner Verseschmiede entsprangen Liebesschwüre an Sommerreifen, er reimte in Hochdeutsch und Schwäbisch, wobei er sich bei Letzterem regelmäßig den Mund verrenkt. Helge Thun schreckte auch davor nicht davor zurück, seine bescheidene Sangeskunst zu demonstrieren.
Seine Hände blieben dabei nicht untätig, sie beherrschten immer wieder aufs Neue verblüffende Tricks – mit einem endlosen Seil, mit fliegenden Spielkarten, handfesten Ringen oder einem rätselhaften Zauberkasten.
Bei allem Spaß an der Freud‘ und am reinen Unsinn hat Helge Thuns erneuter Besuch in Freudenstadt wieder Klasse und Stil. Er unterhielt mit einer satten Mischung aus feinem Humor, Spontanität, Charme und Bühnenroutine. Sein Publikum dankt es ihm mit herzlichem Applaus. Es kann den Komödianten wieder sehen bei der Gartenschau. Am 20. Juni liest Thun aus seiner sogenannten Gedichterstattung „Radio Reime“ mit Sandra Müller vom Südwestfunk um 18.30 Uhr im Spiegelzelt in Freudenstadt.