„Geschlossen“ heißt es am Weiler „Josefstüble“, das 13 Jahre lang erfolgreich vom Ehepaar Steimle geführt wurde. Foto: Beatrice Ehrlich

Nach 13 turbulenten und erfolgreichen Jahren geben Michael und Ivonne Steimle das „Josefstüble“ in Weil am Rhein auf. Ein neuer Pächter ist bereits gefunden.

13 Jahre haben Michael Steimle und seine Frau Ivonne das „Josefstüble“ mitten in einem Wohngebiet in der Weiler Robert-Koch-Straße geführt.

 

Nun haben die beiden beschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen. Rund um die Uhr waren die Steimles für das „Josefstüble“ im Einsatz, die Personalgewinnung gestaltete sich stets schwierig und schließlich machten sich die Strapazen auch gesundheitlich bemerkbar, begründet Michael Steimle diesen Schritt.

Er freut sich nun auf mehr freie Zeit mit seiner Frau und darauf, seinen vielfältigen weiteren Interessen nachzugehen.

Samstag war der letzte Öffnungstag: Michael Steimle ist ganz gerührt, wenn er von den Reaktionen der vielen langjährigen Stammgäste auf seinen Abschied berichtet. Nicht nur, dass sein Gasthaus mit 60 bis 80 Plätzen jeden Abend „rappelvoll“ war.

Auch kleine Geschenke hat er bekommen, etwa ein liebevoll gestaltetes Fotoalbum, dass die „Trüblizupfer“ für ihn gestaltet haben. Hier hat sich die Weiler Fasnachtsclique, die es früher schon einmal gab, neu formiert, hier hatte sie ihr Stammlokal.

Das Inventar wird abgehängt

Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit, als er nun das Inventar Stück für Stück einsammelt, darunter selbstgestaltete Bilder mit amerikanischen Musik- und Filmstars wie Elvis und James Dean und die kleine Musikinstrumentensammlung rund um den Stammtisch.

Geschenke und Rekord-Ansturm zum Abschied

Die Instrumente haben treue Gäste dem Wirt geschenkt, der neben der Gastronomie auch für Musik und Kunst viel übrig hat. Beim Schlagerwettstreit in Zell stand er in jungen Jahren ganz oben auf dem Siegerpodest.

Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Michael und Ivonne Steimle. Foto: zVg/Michael Steimle

Dass das Lokal sehr bekannt und immer gut besucht war, hat einen Grund: Nicht nur, dass es ein Quartiers-Gasthaus wie dieses nur noch selten gibt. Auch die Preisklasse sei nur mit wenigen vergleichbar, vielleicht am ehesten mit der „Alten Zunft“ oder der „Chläbi“, sagt Steimle.

Cordon Bleu war seine Spezialität. Zwölf verschiedene Sorten hatte er davon im Angebot, dazu neun verschiedene Schnitzelvarianten, erzählt der Weiler, der zwar erst auf Umwegen zum Wirt wurde, aber familiär einschlägig vorbelastet ist.

Wirtepaar mit Liebe zum Detail

Und auch sonst zeichnete sich das Wirtepaar durch viel Liebe zum Detail aus: Die Spätzle wurden selbst gemacht, das Brot selbst gebacken, Michael Steimle machte die Dips fürs Rinderhüftsteak vom heißen Stein, Ivonne Steimle die Meringuen zum Nachtisch selbst.

Liebevoll gestaltetes Geschenk von Gästen: ein Fotoalbum Foto: Beatrice Ehrlich

Der Weg des gebürtigen Weilers in die Gastronomie war nicht vorgezeichnet, ergab sich aber doch recht früh: Bei seinem Onkel stieg er nach ersten Schritten als Gipser, Stuckateur, Maler und Straßenbauer im „Caprice“ in Lörrach ein und blieb dabei.

„Kupferkännle“ und „Immehüsli“

1984 folgte er seinem Onkel ins „Kupferkännle“ in Otterbach, damals nach seinen Worten „das Tanzlokal in der Region“. DJ, Alleinunterhalter, Geschäftsführer – Steimle arbeitete sich in alle Bereiche ein, was ihm später im „Immehüsli“, das er vier Jahre betrieb, und eben im „Josefstüble“ zugute kam.

Neuer Pächter will so weitermachen

Der neue Pächter des „Josefstübles“ ist nach Angaben der Inhaberin Susanne Kammerer Ömer Durmaz aus Weil am Rhein. Er will das Gasthaus zusammen mit seinem Cousin Ahmet Durmaz führen.

Steimle zufolge habe er angekündigt, vom Konzept her ähnlich wie bisher weitermachen zu wollen. Was diesem im Hinblick auf seine Stammgäste, davon viele aus der Schweiz, den Abschied etwas leichter macht.