Der Auftritt von „Rhinwaldsounds“ war ein riesiger Erfolg. Titel wie „Wurschtsalat“, „Schorlis" oder der aktuelle Hit „Genau so bled wie Mir“ sorgten für Begeisterung.
Wenn eine Band den Nerv ihrer Heimat trifft, ist das meist ein Garant für gute Stimmung. Wenn diese Band jedoch am 5. Januar im Rahmen der Lahrer Rockwerkstatt auftritt und den Schlachthof bis auf den letzten Platz füllt, wird daraus ein Triumphzug. Die „Rhinwaldsounds“ haben am Montagabend eindrucksvoll bewiesen, dass ihr Charme längst über die Grenzen des heimischen Rieds hinausstrahlt.
Der Schlachthof meldete „ausverkauft“ – mehr als 350 Besucher drängten sich in die Halle, die Erwartungshaltung war greifbar. Wer die „Rhinwaldsounds“ bisher vornehmlich als charmantes Trio kannte, rieb sich verwundert und erfreut die Ohren. Die Stammbesetzung um Sänger und Gitarrist Dominik Büchele, Patrik Lehmann und Dominik Binning hatte sich für diesen Abend prominente Verstärkung geholt.
Mit Julian Erhardt am Schlagzeug und Robert Scheffert am Bass erhielt der sonst eher akustisch geprägte „Lagerfeuer-Sound“ ein solides rhythmisches Fundament, das den Songs den nötigen Druck für die große Bühne verlieh. Eine besondere Rolle kam dabei Mirko Büchele zu: Er erweiterte nicht nur den ohnehin schon starken dreistimmigen Satzgesang um eine vierte harmonische Ebene, sondern setzte am Keyboard entscheidende Akzente. Besonders wenn er seinem Instrument Akkordeonklänge entlockte, verlieh dies den Stücken jene volkstümliche, aber nie altbackene Note, die den Stil der Band so einzigartig macht. Diese Erweiterung vom Trio zum Sextett war der Schlüsselmoment des Abends: Aus einer gemütlichen Session wurde ein vollwertiges Rock-Konzerterlebnis, das auch jene mitriss, die sich nicht zum engeren Kreis der Hardcore-Fans zählten.
Inhaltlich blieben die Rhinwaldsounds ihren Wurzeln treu – und genau dafür wurden sie gefeiert. Ihre Texte sind Liebeserklärungen an den Alltag im ländlichen Ried rund um Kappel, gewürzt mit einer Prise Selbstironie.
Das Publikum feierte die kulinarischen Hymnen der Band: Bei Titeln wie „Wurschtsalat“, „Speck und Bier“ und der Ode an das „selber backtes Brot“ bekam man fast so viel Appetit wie Durst. Letzterer wurde musikalisch mit Gassenhauern wie „Weizestand“ oder dem fast schon tragischen „De ganze Obend alkoholfrei gsoffe“ thematisiert.
Die Zuschauer kennen die Texte und singen mit
Doch die Band kann mehr als nur Party. Mit viel Augenzwinkern verhandeln sie die großen Dramen der Provinz: den Verlust eines langjährigen Kumpels – erst an die Freundin, und dann schlimmer noch, an die „große“ Nachbarstadt „Äddene“ (Ettenheim). Auch moderne Probleme kamen nicht zu kurz, etwa die philosophische Betrachtung der Einsamkeit in „ohne Handy ufm Klo“. Es ist diese greifbare Authentizität, die das Publikum so fest an die Band bindet.
Die Stimmung im Schlachthof kochte schnell über. Was als Mitsingen begann, entwickelte sich im Lauf des Abends zu einem lautstarken „Gröl along“. Der Schlachthof wurde zeitweise zum 350-stimmigen Chor, der mit einer verblüffenden Textsicherheit durch das gesamte Repertoire feierte.
Dass dieser Abend nicht nur musikalisch, sondern auch atmosphärisch ein Highlight war, ist auch den Technikern der Rockwerkstatt zu verdanken. Sie betteten die Performance in einen hervorragenden Sound und setzten das Geschehen auf der Bühne mit einer stimmigen Lichtperformance perfekt in Szene.
Als das reguläre Set endete, war an ein Gehen nicht zu denken. Die Menge forderte frenetisch Zugaben und bekam, worauf viele gewartet hatten: Der viral gegangene Hit „Genau so bled wie Mir“ brachte die Halle endgültig zum Beben – ein Song, der sicher auch den ein oder anderen neuen Besucher an diesem Abend in den Schlachthof gelockt hatte.
Ganz zum Schluss wurde mit „Schorli“ musikalisch die Fasentszeit eingeläutet, ein passender Rausschmeißer für ein Publikum, das an diesem Abend sicher nicht zum letzten Mal mit den Rhinwaldsounds gefeiert hat. Die zahlreichen alten und neuen Fans hoffen inständig, dass die selbstverordnete Konzertpause der Rhinwaldsounds nicht zu lange dauern wird.