Der „Endspurt“ in der Hechinger Kultkneipe steht an: Am heutigen Samstag, 28. September, öffnen Sandy Hirlinger und Pe Gantenbein-Mayer letztmals zu den üblichen Öffnungszeiten. Auch wenn noch Veranstaltungen geplant sind, kullert das ein oder andere Tränchen.
S eit dem Jahr 1878 ist das Fecker in Hechingen eine Gaststätte . Mit dem urigen Kachelofen, einer Theke aus „früheren Zeiten“ und der dunklen Holzverkleidung hat die Kneipe unter dem Wirtinnen-Duo Sandy Hirlinger und Pe Gantenbein-Mayer nicht nur an der Fasnet Kultstatus erlangt. Am heutigen Samstag, 28. September, ist der letzte reguläre Öffnungstag; zum Jahresende hören die beiden Ur-Hechinger ganz auf. Was dann mit dem Fecker passiert, ist derzeit unklar.
Abschied von Stammgästen
Wie sehr die Kneipe in der Oberstadt den Hechingern fehlen wird, zeigt sich an der Reaktion der Stammkundschaft. „Viele Stammtischler kommen zu uns in die Küche, verabschieden sich von uns. Das ist schon sehr rührend“, berichten Hirlinger und Gantenbein-Mayer unserer Redaktion.
„Es ist schon ein komisches Gefühl zu wissen, dass wir in einem Vierteljahr den Schlüssel abgeben.“ Denn: Die beiden Wirtinnen haben nun seit zehn Jahren ihre Gäste mit guter Laune und leckerem Essen beglückt. „Besonders nach unseren Schnitzeln und dem Wurstsalat sind die Leute verrückt“, erzählen die beiden.
Die Fecker-Bands treten auf
Daher wird es in den kommenden drei Monaten auch nochmal jeweils einen Schnitzel-Abend geben. Weitere Höhepunkte sind das Lichter-Glänzle im Biergarten mit Livemusik von „Together Again“ am 23. November sowie der Abschied mit der Kultband „SchorlePur“ am 21. Dezember und die Livemusik mit „CheatBox“ am 25. Oktober. Endgültiger Abschluss ist am 24. Dezember mit dem „Heiligen Morgen“ mit Weißwurst. „Da haben wir auch schon einige Reservierungen.“
Ohnehin empfehlen Hirlinger und Gantenbein-Mayer bei den ausstehenden Events zu reservieren. „Gerade in den vergangenen Wochen haben wir einen regelrechten Ansturm erfahren. Viele wollen einfach Abschied nehmen.“ Vor allem die Stammtische, die über die ganzen Jahre dem Fecker die Treue gehalten haben, wollen ein „letztes Mal“ ihre Kultkneipe besuchen. „Viele Stammgäste sind uns an Herz gewachsen. Da sind Freundschaften entstanden“, blicken die Wirtinnen mit einem weinenden Auge zurück. In jüngerer Vergangenheit sei das Publikum aber durchaus auch jünger geworden – und sogar aus Tübingen gekommen. „Schwäbische Küche ist eben selten geworden.“ Und auch der klassische Biergarten sei ein Lockmittel in lauen Sommernächten gewesen.
Lärm könnte zu Ärger führen
Doch gerade dieser habe mit den Anstoß gegeben, zum Jahresende im Fecker aufzuhören. Denn: Die Bauprojekte am Marktplatz schreiten voran. Balkone der dort entstehenden Wohnungen werden zeitnah in Richtung Biergarten ragen. „Das kann nur zu Ärger führen“, ist sich das Wirtinnen-Duo sicher. Schließlich sorge eine Kneipe – eine solch urige und entsprechend isolierte wie das Fecker besonders – für ordentlich Lärm. Und auch die Corona-Pandemie habe Spuren hinterlassen. „Das war eine harte Zeit. Auch wenn wir das Fecker wieder richtig gut ins Laufen gebracht haben.“
Keine Personal-Fluktuation
Mit Personalproblemen – bei vielen Gastronomen ein Grund fürs Aufhören – hätten die beiden nie zu kämpfen gehabt. „Unsere sechs Kolleginnen machen einen tollen Job – und das schon seit zehn Jahren. Wir hatten null Fluktuation.“ Bis zum Schluss halten die Angestellten dem Fecker die Treue. „Da sind richtige Freundschaften entstanden.“
Sandy Hirlinger und Pe Gantenbein-Mayer wissen noch nicht, wie es im Fecker nach dem Jahresende weitergeht. Doch das Betreiben eines gastronomischen Betriebs werde nicht leichter: „Es gibt immer neue Auflagen, der Mindestlohn setzt kleinen Gaststätten zu und man findet kaum Personal“, so die Wirtinnen.
Für die beiden selbst beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Hirlinger wird weiterhin selbstständig sein, aber nicht in der Gastro; Gantenbein-Mayer hat ein paar Jobangebote, die sie sich ansehen will. „Mit einem Bein will ich aber in der Gastro bleiben, aber nicht selbstständig.“
Fecker-Souvenirs sichern
Für die Gastronomie in Hechingen, die sich laut Hirlinger ohnehin in einer „desolaten Situation“ befinde, ist das Aus der beiden ein harter Schlag. „Sorgen haben wir, dass unsere Stammtische keine Alternative finden.“
Noch ist aber nicht Schluss: Fecker-Fans sollten sich den 10/11. und 19/20. Oktober rot im Kalender anstreichen. Dann kann nämlich bei den Flohmärkten auf Fecker-Souvenir-Jagd gegangen werden. Ob Aschenbecher oder Schnapsglas – da findet sicher jeder was.