Eine leckere Tradition ist das Filderkrautschneiden bei der Familie Hugger-Wolf in Hechingen. Auch am Samstag, 25. Oktober, kommt der über 70 Jahre alte Krauthobel zum Einsatz.
D as Filderkrautschneiden hat in der Familie von Margret Hugger-Wolf eine große Tradition . Bereits in der vierten Generation wird immer im Herbst die imposante – und dementsprechend schwere Krauthobelmaschine – zum Leben erweckt. So auch wieder am Samstag, 25. Oktober.
Für die Krautfans rund um Hechingen ist die Schneideaktion zu einer festen Veranstaltung im kulinarischen Terminkalender geworden – und in der näheren Umgebung inzwischen eine Rarität. Die Pfadfindergruppe schaut regelmäßig vorbei, die Kunden staunen, wie das geschnittene Kraut mit einem großen Schaber unter der Maschine hervorgezogen wird. Ein echtes Erlebnis für Jung und Alt: Von 9.30 bis 13.30 Uhr läuft der große Krauthobel an diesem Samstag in der Prager Straße 30.
Bis dahin, gilt es noch einige Vorbereitungen zu treffen. Die Maschine, die in der Garage der Familie steht, wird nach vorne gerückt, geputzt und desinfiziert. Die Krautköpfe von den Fildern werden im Laufe des Freitags vom Krautbauer aus Esslingen geliefert. 1000 Kilogramm – sprich eine Tonne – Kraut werden mit einem Lastwagen nach Hechingen transportiert.
Perfekte Teamarbeit
„Wir hoffen natürlich, dass alles verkauft wird“, sagt Margret Hugger-Wolf im Gespräch mit unserer Redaktion. Falls nötig, könne die Familie das übrige Kraut aber auch wieder zurückgeben, doch „wir haben lieber etwas mehr da, damit wir alle Kunden bedienen können.“
Das Filderkrautschneiden ist echte Familienteamarbeit. Nach dem Tod von Josef Hugger ziehen nun dessen Tochter Margret Hugger-Wolf mit Ehemann Rolf Wolf sowie deren Sohn Marc Stenzel die Fäden. Der Enkel von Josef Hugger steht dabei an der Krautmaschine, Rolf Wolf entfernt den Krautköpfen vor dem Schneiden den Strunk per Bohrmaschine und Margret Hugger-Wolf kümmert sich um die Kasse.
Die Zeichen für eine erfolgreiche Krautschneide-Aktion stehen in diesem Jahr gut. Die Krauternte sei ertragreich verlaufen, die Regenperioden im Sommer hätten dem Gemüse gut getan, berichtet Margret Hugger-Wolf. Ganz anders sei es vor zwei Jahren gewesen. Damals habe das Innere des Krautkopfes teils nicht verwendet werden können.
Doch wie kam die Filderkraut-Tradition der Familie Hugger überhaupt nach Hechingen? Margret Hugger-Wolf ist im Obstgroßhandel groß geworden. Die Hechinger Familie war deshalb viel unterwegs, beispielsweise auf dem Großmarkt in Stuttgart. So kam auch der Kontakt zum Krautbauern zustande.
Maschine ist Baujahr 1952
Als Josef Hugger in den Ruhestand ging, brachte er die Krautmaschine in der Garage unter – und so findet bis heute die Hobelaktion statt. Die Maschine ist übrigens Baujahr 1952, die Zahl ist aufwendig in die Maschine eingraviert. „Bisher war sie noch nie kaputt“, berichtet Rolf Wolf. Er wertet das als Indiz für die hohe Qualität des Hobelinstruments.
Die Kunden freut’s: Manche, so berichtet die Familie, nehmen zehn Kilo, manche 50 Kilo Kraut in ihren Behältern – die sind mitzubringen – mit nach Hause.
Im Herbst hat Kraut ohnehin kulinarische Hochsaison. Margret Hugger-Wolf selbst kocht derzeit mindestens einmal die Woche Sauerkraut mit Schupfnudeln. Aber auch als Bayrisch Kraut, lediglich als Krautsalat sowie als Beilage zu Leberwurst oder Schlachtplatte schmecke das Filderkraut, das im Vergleich zu anderen Krautsorten besonders weich ist.
Wer sich nicht die Mühe machen will, selbst das Kraut einzulegen, für den stehen bei der Schneideaktion fertig zubereitete Becher mit ein und zehn Kilo Sauer-Filderkraut bereit.
Ob aufwendig oder schnelle Küche: Das Filderkrautschneiden in der Prager Straße hält für jeden einen Gaumenschmaus bereit.