Kuratorin Susanne Huber-Wintermantel ist im April 2021 verstorben. Ihre Stelle wird nicht wieder besetzt. Foto: Rademacher

In den Bereichen Kultur und Tourismus wird gehörig eingedampft. Das hat der Gemeinderat in seiner vergangenen Sitzung so beschlossen. 

Bräunlingen - Aber worum geht es dabei genau? Hintergrund sind die Diskussionen um die Haushaltsstruktur. Dabei hat der Rat entschieden, dass angesichts der Haushaltslage bis Ende 2022 keine Stelle automatisch wiederbesetzt werden soll. Zuvor soll geprüft werden, ob sie denn auch notwendig ist – oder ob Optimierungen denkbar sind.

Zwei Fälle stehen zur Diskussion

Und prompt sind zwei solche Fälle zu diskutieren. Die langjährige Kuratorin des Kelnhof-Museums, Susanne Huber-Wintermantel, ist verstorben, und die Leiterin des Amtes für Tourismus, Kultur und Sport, Anna Welke, hat auf Ende September gekündigt. Schon mehrfach haben sich die Räte zu dem Thema – und zum Stellenwert von Tourismus und Kultur in der Stadt ausgetauscht – meist in nicht-öffentlicher Sitzung.

Ebenfalls nicht-öffentlich wurde schließlich auch die zukünftige Marschroute in diesen Bereichen formuliert. Und das dem Vernehmen nach wesentlich energischer und heftiger als in den öffentlichen Sitzungen, die sich mit dem Thema beschäftigten. Bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen folgten die Räte schließlich einem Konsens-Vorschlag: Die Kuratoren-Stelle im Kelnhof-Museum wird nicht wiederbesetzt. Stattdessen soll es ein Budget über 5000 Euro für Sonderausstellungen geben. Die Funktion der Kuratorin war bisher keine Personalstelle, sondern lief unter Sachkosten.

Für Anna Welkes ehemalige Stelle der Amtsleitung soll es weniger Geld geben: Sie wird von der Entgeltstufe elf auf Entgeltstufe zehn gekürzt, im Schlüssel von 1,0 auf 0,8. Den Bereich des Hallenmanagements will man intern übergeben, die Eingruppierung soll aufgrund der höherwertigen Tätigkeit angepasst werden. Zudem soll das Sachgebiet Tourismus, Kultur und Sport (TKS) nur noch 2,4 anstatt 2,6 Personalstellen umfassen. Und wer soll das Team leiten? Bis zu einer Entscheidung erfolgt dies als vorübergehende Tätigkeit. "Es ist uns wichtig, dass es hier nicht zum Kahlschlag kommt", formulierte Bürgermeister Micha Bächle. Das Sachgebiet umfasse wichtige Aufgaben. Es bestehe Handlungsbedarf und es gebe entsprechende Vorschläge, um in diesem Bereich Einsparungen vorzunehmen. Nicht-öffentlich habe es zum Sachgebiet TKS einen Konsens gegeben. Im Gemeinderat habe man beschlossen, zuerst über die Aufgaben zu diskutieren, bevor neu besetzt werde.

Leitungen für Bürger besonders wichtig

"Wir haben es nichtöffentlich so beschlossen und ich kann damit leben", sagte Ursula Gehringer von der Gruppe 84, "aber ich bin davon nicht überzeugt. Ruckzuck ist Dezember – und wie geht es dann weiter? Man wird sehen, wie es sich weist." Zum Thema habe es im Gemeinderat eine Umfrage durch die Stadtverwaltung gegeben.

Thema wurde heiß diskutiert

Dabei kristallisierte sich wohl heraus, dass dem Rat vor allem Leistungen wichtig seien, die dem Bürger zugute kommen, wie etwa die Vermietung der Hallen, digitale Dienstleistungen und die Unterstützung der Vereine. Allerdings, so sagte Berthold Geyer, Fraktionssprecher der Gruppe 84, hätten aus dem Rat nur zehn Mitglieder überhaupt an der Umfrage teilgenommen. "Es wurde deutlich, dass jene Leistungen, die dem Bürger etwas bringen, hervorgehoben werden sollten", sagte FDP-Stadträtin Lisa Fritschi. Mit den Vorschlägen habe man "einen guten Kompromiss", die "Einsparungen tun dem Haushalt gut." Die Kürzungen seien vertretbar: "Dass das Tourismusbüro weniger lang offen hat, das werden die Bürger nicht so spüren." Man könne den Vorschlag mittrage und sehe dadurch "eine positive Entwicklung."

"Offensichtlich ist die Euphorie groß. Das Thema wurde heiß diskutiert. Der Weg dorthin hat mich jedoch enttäuscht", so Berthold Geyer. "Aus meiner Sicht hätte man die Diskussion mit dem Personal des TKS vorher diskutieren sollen. Sicher hätte man selbes erreichen können, aber nicht auf diese Art und Weise." Man dürfe etwa nicht vergessen, dass der Kelnhof städtisch sei: "Wir müssen uns dann überlegen, ob wir nicht irgendwann nur einmal im Vierteljahr öffnen." Die geplanten Sonderausstellungen "tun dem Museum gut." Das Hallenmanagement sei "absolut notwendig" und ein Weg, den man brauche. "Wir können nicht eine Halle für sieben Millionen Euro bauen und dann sagen: Mit Kilbig und Fasnet reicht es ja dann auch." Beim Straßenmusik-Sonntag werde man sehen, wie es zukünftig laufe. "Ich werde dagegen stimmen", erklärte Geyer zum Beschluss-Vorschlag.

"Wir müssen den Bürgern hier doch etwas bieten", sagte Ursula Gehringer und brachte ihren Unmut über die Entwicklung zum Ausdruck. "Wir sind doch für den Bürger da. Wir müssen was tun." Bei den Diskussionen habe es unterschiedliche Strömungen gegeben. "Mir ist wichtig, dass mit dem Ergebnis das Sachgebiet noch existent ist", so der Bürgermeister. Man könne was für die Bürger anbieten. "Am Ende ist es ein Kompromiss." 14 Räte stimmen schließlich dafür.

In einer Ratssitzung im Frühjahr stand das Amt für Tourismus, Kultur und Sport schon einmal im Fokus der Stadträte. Damals präsentierte die damalige Amtsleiterin Anna Welke das Aufgabenspektrum des Amtes. Mit im Saal: Etliche Gastronomen und Touristiker aus Stadt und Umland, die der Diskussion lauschten. Dass man mit der Art und Weise, wie der Tourismus in der Stadt unterstützt werde, auf dem richtigen Weg sei, davon zeigten sich damals die Ortsvorsteher von Unterbränd und Mistelbrunn überzeugt. "Wir sind hier auf dem richtigen Weg. Es wäre falsch, hier den Rotstift anzusetzen", so Winfried Klötzer, Ortsvorsteher von Unterbränd. "Ich denke, der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für die Gastronomie. Gerade in Zeiten des Lockdowns", so Norbert Knöpfle aus Mistelbrunn. Dadurch, dass man die Kurtaxe erhöht habe, erwarten die Gäste auch eine Gegenleistung: "Was habe ich davon? Das fragen sie sich." Die Bemühungen sollten in dem Umfang beibehalten werden, so Knöpfle.