Hochschulen reagieren auf die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und weiten ihr Angebot auf diesem Gebiet aus. Allerdings werden in Deutschland nach wie vor zu wenig neue KI-Unternehmen gegründet.
Künstliche Intelligenz gilt als Zukunftstechnologie, die sich auf fast alle Lebensbereiche auswirken wird – von der Schule über das Gesundheitswesen bis zur Arbeitswelt. Wer heute ein Studium mit KI-Bezug beginnt, hat danach vermutlich sehr gute Chancen auf einen gut bezahlten Job. Doch wo finden Studienanfänger das größte Angebot an passenden Studiengängen? Eine Studie der Berlin School of Business an Innovation (BSBI) gibt Antworten.
Baden-Württemberg vor NRW
Demnach liegt Baden-Württemberg im Vergleich der Bundesländer mit 113 Studiengängen aus den Bereichen Datenwissenschaft und Künstlicher Intelligenz auf dem ersten Platz. Auf Platz zwei kommt knapp dahinter das deutlich bevölkerungsreichere Nordrhein-Westfalen mit 111 Studiengängen, gefolgt von Bayern (89 Studiengänge), Niedersachsen (67) und Thüringen (38). Schlusslicht ist die Hansestadt Hamburg mit neun Studiengängen mit KI-Bezug. Berücksichtigt wurden bei dem Vergleich beispielsweise Fächer wie Informatik, Datenwissenschaft oder auch Mathematik. Im Städtevergleich liegt Stuttgart mit 30 KI-Studiengängen knapp hinter dem Spitzenreiter Berlin, der auf 31 kommt. München liegt mit 24 Studiengängen auf Platz drei, gefolgt von Hannover (19) und Iserlohn (16) auf den Rängen vier und fünf. Am Tabellenende stehen mit jeweils nur einem KI-Studiengang Frankfurt an der Oder, Bonn und Wildau. Dem vergleichsweise großen bundesweiten Angebot an Bachelor- und Masterstudiengänge stehen der Studie zufolge allerdings nur zehn Studiengänge gegenüber, in denen man berufsbegleitend seine KI-Kompetenzen erweitern kann.
Schwieriger Transfer in die Praxis
In der Grundlagenforschung seien deutsche Hochschulen und Unternehmen gut aufgestellt, sagt Daniel Abbou vom KI Bundesverband. Das Problem sei häufig der Transfer in marktgängige Produkte und Dienstleistungen. So oder so ähnlich ist es hierzulande schon bei vielen neuen Technologien gelaufen – beispielsweise beim digitalen Musikstandard MP3. Eine wichtige Rolle für kürzere Wege zwischen Forschung und Praxis spielten Start-ups mit Bezug zu Universitäten, heißt es beim KI-Bundesverband. Und die seien in Deutschland nach wie vor rar, sagt Stefanie Baade, die im Verband für Baden-Württemberg zuständig ist. Nur rund zweieinhalb Prozent aller neu gegründeten Unternehmen stammten hierzulande aus dem universitären Umfeld.
Immerhin: Knapp die Hälfte der Start-ups mit Uni-Bezug käme mittlerweile aus dem Bereich der KI, sagt Baade. Ein Problem sei auch, dass viele Investoren in Deutschland das Risiko einer Investition in ein Start-up scheuten. Dabei gebe es durchaus erfolgreiche Neugründungen. Baade nennt drei positive Beispiele aus dem Südwesten. Aleph Alpha aus Heidelberg hat ein Sprachmodell entwickelt, das von vielen als deutsche Antwort auf ChatGPT gehandelt wird. Die KI-Software von Vialytics aus Stuttgart erkennt automatisch Straßenschäden. Und DeepVA aus Freiburg entwickelt KI-Modelle für die Analyse von Fotos und Videos.