Nicht zuletzt als Gestalter des Binsdorfer Platzes am Stadtbrunnen sind Kati Kanniga und Matthias Klose-Kanniga bekannt. Hauptberuflich arbeitet das Ehepaar als Landschaftsgärtner, nun machen die beiden auch mit Kunst auf sich aufmerksam.
Zeichnen gehört nicht zur Gärtnerausbildung, sagen die Eheleute, die sich in ihrer Ausbildungszeit kennengelernt haben. Aber wenn sie einen Garten gestalten, wollten sie vorher zeigen, wie ihr Konzept baulich und farblich einmal aussehen soll.
Von dieser praktischen Anwendung zur Kunst war es mit eigenem Interesse und Kursen kein großer Schritt mehr. Dass sie nicht nur ein Faible, sondern auch Talent dafür haben, sieht man ihren Bildern an.
Erstmals öffentlich zu sehen waren diese im Rahmen der Aktion „Kunst im Depot“ im Kreisarchiv Meßstetten im Februar. Bernhard Jung vom Balinger Verein „Freiraum kreativ“ kannte die beiden Wahlbinsdorfer, wusste, dass sie auch malen und lud sie ein, mitzumachen – als einzige Neulinge unter 27 Ausstellenden. „Dabei hatte er noch kein Bild von uns gesehen.“
Bereut haben wird Jung seine Einladung vermutlich nicht: Für ihre erste Ausstellung überhaupt legten sich die beiden ins Zeug. Sie schufen ein sechs Meter hohes Bild, das den Weg von Ameisen zum Licht darstellt. Und sie gestalteten mit bunten Tüchern eine Installation zum Thema „Toleranz, Respekt, Liebe“.
Die Schau zwischen den noch leeren Regalen des neuen Archivs sahen sie als Chance, mit Kunst etwas auszudrücken: „Für Artenvielfalt und ein besseres Weltverständnis.“
Dieser ambitionierte Ansatz gefiel den Besuchern der „Kunst im Depot“: „Es war ein Erlebnis, mit den Menschen in Kontakt zu kommen“, erinnern sich die Künstler. Zuvor hatten sie Bilder und Zeichnungen lediglich für sich selbst oder für Freunde angefertigt.
Matthias Klose-Kanniga arbeitet eher gegenständlich, insbesondere mit Acryl und Kreide. Kati Kannigas Arbeiten gehen „in Richtung Aquarell und bunt“, sagt sie. Beides kommt zusammen und wird in vielfältigen Techniken umgesetzt.
„Wir sind schon immer kreativ“, sagt das Paar. Für die Ausstellung im Februar arbeiten sie erstmals direkt nebeneinander und gemeinsam unter Zeitdruck. Das sei eine gute Paartherapie, sagt Kati Kanniga und lacht. So entstanden Werke, die auch für die breite Öffentlichkeit gedacht sind.
Ein richtiges Atelier haben sie allerdings nicht: Konzipiert wird am Küchentisch, ausgearbeitet dann gemeinsam im Wohnzimmer.
Ihre Bilder sind aber weniger für den Verkauf gedacht, sondern eher zum Verleihen. Und die erste Ausstellung in Meßstetten soll nicht die letzte bleiben: Gerne wollen die Eheleute wieder ausstellen und zu vorgegebenen Themen etwas schaffen.
„Es macht Spaß, wenn die Leute erstaunt sind und sich darüber freuen“
„Es macht Spaß, wenn die Leute erstaunt sind und sich darüber freuen“, sagt Kati Kanniga. Ihr Mann ergänzt: „Wir wollen etwas schaffen, das zum Nachdenken anregt.“
Die nächsten Projekte sind bereits in Planung: Über den Verein „Freiraum kreativ“ soll diesen Sommer ein Stromverteilerkasten am neuen Royan-Platz auf dem ehemaligen Gartenschaugelände gestaltet werden. Wie? „Das ist noch ein Geheimnis“, sagen sie.
Außerdem überlegen sie, sich bei der Artothek in Hechingen zu bewerben. Dem Kreisarchivar Uwe Folwarczny, über den dies läuft, sind sie dank der „Kunst im Depot“ ja schon ein Name. Aber falls jemand anderes anbieten würde, ihre Arbeiten auszustellen, würden sie auch nicht „nein“ sagen.
Und an der Kunst werden sie sicher noch lange Freude haben: „Unsere Ideen reichen für drei Leben“, sagt Kati Kanniga.