Mit ihrem Projekt „Kulturfrauen“ macht die Künstlerin Silke Panknin verborgene Spuren der Nachkriegszeit im Schwarzwald sichtbar – zwischen Kunst, Geschichte und Waldumbau.
Silke Panknin, die zwischen Berlin und Horb pendelt, setzt derzeit den sogenannten Kulturfrauen, auch die „Trümmerfrauen des Waldes“ genannt, mit ihrem gleichnamigen Projekt ein künstlerisches Denkmal.
In der Bundeshauptstadt betreibt die Künstlerin nach wie vor ihr Atelier, im Schwarzwald ist sie im Staatswald von Pfalzgrafenweiler auf der Suche nach Waldbildern, die noch Spuren der riesigen Kahlschläge in deutschen Wäldern, die durch die Kriegswirtschaft der Nationalsozialisten und die späteren Reparaturleistungen, die die Deutschen an die Alliierten zu zahlen hatten, entstanden sind und die durch raschwachsende und leicht vermehrbare Fichten- und Kiefersämlinge eben von den Kulturfrauen wieder aufgeforstet wurden.
„Diese Monokulturen sind inzwischen recht selten zu finden, da sich der Wald ja im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat“, wusste sie über den ständig fortschreitenden Waldumbau zu berichten.
Mit der früheren 50 Pfennig-Münze, deren Rückseite eine Eichen-Pflanzerin zeigte, und das einzige Bildnis einer Frau auf einer Münze oder einem Geldschein zu DM-Zeiten war, würdigte die Bundesrepublik die Kulturfrauen. „50 Pfennig waren damals der Stundenlohn für diese extrem harte Arbeit“, erklärte die Künstlerin ergänzend.
Sie möchte Grenzlinien in den Waldabteilungen aufzeigen Mit ihrem Projekt „Kulturfrauen“, das im Übrigen bereits namhafte Unterstützer wie die Oberschwäbische Elektrizitätswerke, den früheren Landrat Klaus Michael Rückert, die Alfred-Töpfer-Stiftung und den tangierten Forstämtern hat, versucht sie, diese Grenzlinien in den Waldabteilungen aufzuzeigen, fotografisch zu dokumentieren und in einer späteren Publikation festzuhalten.
Orientieren kann sie sich bei ihrer Flächensuche an einer Forstkarte von 1992, die die besonders betroffenen Gebiete der als F-Hiebe bezeichneten Zusatzhiebe, die von der französischen Militärregierung in den Jahren 1946 bis 1950 angeordnet wurden, im Bereich der Gemeinden, Dornstetten, Freudenstadt, Grömbach, Pfalzgrafenweiler, Seewald und Wörnsberg aufzeigt.
Keine einfache Suche nach Waldbildern Für die Künstlerin ist diese Suche nach Waldbildern mit der entsprechenden Monokultur nicht wirklich einfach. Sie bekommt zwar Unterstützung vom früheren Forstamtsleiter Friedrich Haug, der ihr Tipps geben kann, wo sie vielleicht noch Monokulturen findet, doch in der Regel fährt sie mit dem Zug von Horb aus nach Dornstetten und dann mit dem Fahrrad (oder E-Bike) über Hallwagen hoch in die Waldgebiete. Oft geht es für sie auch zu Fuß durch unwegsames Gelände, um eine für sie interessante Stelle zu finden. Eine selbstgestellte Aufgabe, die viel Enthusiasmus für die Sache fordert. Und Zeit, die sie als Horber Künstlerhaus-Bewohnerin jedoch hat. Seit Anfang 2025 ist sie nun in Horb und wird bis Dezember 2027 bleiben. So zumindest der Plan.
Erste künstlerische Arbeit ist fertig Ihre erste künstlerische Arbeit zu diesem Projekt, das die logische Fortsetzung ihrer in Berlin begonnen „Borderline“-Reihe ist, ist inzwischen auch fertig und wurde bei der Ausstellung „Narrative Moments“ im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus gezeigt.
Es handelt sich um neun Flächen, festgehalten auf neun ausgewählte Fotos im Format 70 Mal 90 Zentimeter. Analog mit einer Hasselblad-Mittelformat-Kamera aufgenommen, jedoch digital ausgedruckt. „Ich habe jetzt jedoch in einem Stuttgarter Atelier die Möglichkeiten, meine Bilder großformatig analog zu entwickeln, was sie wesentlich brillanter macht, als die digitalen Abzüge“, freut sie sich über einen zu erwartenden Qualitätsfortschritt.
Das ist ihr Erkennungsmerkmal Die Bilder selbst zeigen Flächen, auf denen sie die Rinde der Bäume mit weißer Kalkfarbe, die lasergestützt alle die gleiche Höhe und Maße haben, markiert hat. „Es gilt, horizontale Linien zu schaffen“, erklärt sie. Das ist ihre Signatur, ihr Erkennungsmerkmal. Auch hat sie ihr „Einzugsgebiet“ inzwischen auf den Nationalpark Schwarzwald erweitert. In den Rangerinnen, die dort arbeiten und zulassen, dass sich der Wald und die Natur so entwickeln darf wie im großen Plan vorgesehen, sieht sie ein Art Nachfolgerinnen der „Kulturfrauen“. „Auch sie führen Aufbauarbeit aus“, ihr Credo.
Künstlerin sucht nach weiteren Informationen
Geschichten zur Wiederaufforstung
Silke Panknin, die, um ihre Arbeit in Horb finanzieren zu können, zweimal die Woche in der freien, aktiven Schule in Tübingen unterrichtet, ist mit ihrem Projekt zwar schon ein Stück weitergekommen, doch noch immer sucht sie Menschen, die noch Geschichten aus jener Zeit der Wiederaufforstung kennen. „Zeitzeugen werde ich kaum noch finden“, bedauert sie, hofft jedoch, dass sie Nachkommen jener Kulturfrauen findet, die vielleicht noch alte Bilder haben, die zum Beispiel zeigen, wie früher der Wald nach den Kahlschlägen aussah. „Alle Infos in diesem Zusammenhang sind wichtig und können mir in meiner Arbeit weiterhelfen“, ist sich die Künstlerhausbewohnerin sicher. Sie möchte diese Erinnerung in ihrem aktuellen Kunstprojekt, auch im Kontext mit dem Nationalpark Schwarzwald, wieder zurückholen und in der geplanten Publikation für die Nachwelt erhalten. Für sie ist daher wichtig, dass sie weitere Informationen auf ihre Fragen bekommt: Wo wurde hier im Schwarzwald am meisten abgeholzt? Wo war der Raubbau am gravierendsten? Wo sieht man die Verläufe der alten Aufforstungen aus den Jahren 1945 bis 1949 noch irgendwo im Vergleich zu neuen Beständen und wo kann ich diese Verläufe für eine Bildreihe fotografisch festhalten? Ein Projekt, das sich nicht in ein paar Monaten realisieren lässt. Gut, dass ihr der Förderverein Künstlerhaus bis Dezember 2027 die Räume in Horb zur Verfügung stellt. Weitere Informationen: www.silkepanknin.com / mail@silkepanknin.com