Michael Papenhoff experimentiert mit der Farbe an sich. Dabei ist er frei von jeglicher Gegenständlichkeit und Darstellung.
Ein nüchternes Stillleben, großartige Landschaften oder gar ein schönes Porträt? Das findet man auf den Kunstwerken von Michael Papenhoff nicht. Man sollte es auch gar nicht erst suchen. Wer verblüfft vor einer großen Leinwand steht und sich fragt, wann der Künstler auf diesem Hintergrund das scheinbar „Wesentliche“ aufbringen wird, der kann lange warten.
Denn diese auf den ersten Blick einfarbigen Flächen sind bereits das Kunstwerk. Wenn der Betrachter allerdings mit fragendem Gesichtsausdruck vor der Leinwand verharrt, dann geschieht, was eigentlich geschehen soll. Dann ergründet er die Tiefe, die Struktur, die Farbe. Dann erschließt sich ihm das Wesentliche.
Und genau darum geht es dem Ebinger Künstler, der sich seit vielen Jahren mit Farbpigmenten auseinandersetzt. Den meisten Albstädtern ist Michael Papenhoff als engagierter Lehrer an den Grundschulen in Truchtelfingen und später in Tailfingen bekannt. Zu jener Zeit hat sich der heute 74-Jährige privat überwiegend mit Radierungen auseinandergesetzt. Und das schon sehr früh in seinem Leben.
Eine Radierpresse selbst gebaut
Mit gerade einmal 14 Jahren hat sich Michael Papenhoff eine Radierpresse selbst gebaut und dazu eine alte Walze eines Schuhmachers hergerichtet und mit einer Kurbel versehen. Erst sehr viel später hat er sich dann eine große Presse gekauft.
Inzwischen lagern unzählige Radierungen in vielen Aufbewahrungskartons. Alle geordnet nach jeweiligen Serien. Und beim Anblick dieser Werke wird jedem sehr bewusst, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, Farbe abzubilden. Mal sind Senkrechte oder Waagrechte zu erkennen, mal setzen sich die Werke aus einzelnen Punkten zusammen. Mal ist die Farbintensität stärker, mal liegen Farben übereinander und hinterlassen einen ganz eigenen Eindruck. Und auch hier wird deutlich: Man muss sich mit dem Kunstwerk auseinandersetzen. Ein bloßes Erfassen mit dem Auge im Vorbeigehen wird dem Ganzen nicht gerecht. Das wird sicher auch gegenständlicher Kunst nicht gerecht, aber doch erfasst man das Wesentliche in einer Darstellung auch beim flüchtigen Hinsehen.
Vom Druck zur Malerei
„Jegliche gegenständliche Darstellung oder Assoziation beabsichtige ich zu vermeiden“, verdeutlicht der pensionierte Lehrer und erklärt weiter: „Meine Malerei konzentriert sich auf das für mich Wesentliche – auf die Farbe. Die Farbe dient nicht als Darstellungsmittel, sondern ist ausschließlicher Darstellungsgegenstand.“ Auch wenn manchmal Betrachter meinen, einen Gegenstand oder ähnliches in den Drucken oder Malereien zu erkennen. Das mag für den Einzelnen vielleicht so sein, ist aber keineswegs gewollt oder beabsichtigt.
Mit den Drucken hatte Michael Papenhoff schon einige Ausstellungen – unter anderem auch im Kunstmuseum Albstadt oder in der Michaelskirche in Burgfelden, wo ganze Folgen von Ätzradierungen zu Waagrechten zu sehen waren. Durch verschiedene übereinandergelegte Drucke wurden in diesen Werken immer neue Variationen erzielt. „Nach einer Zeit der Auseinandersetzung mit der Radierung bildete sich der Wunsch, die gewonnenen Erfahrungen auch in der Malerei anzuwenden“, blickt der in Kiel geborene Künstler zurück.
Tiefdruck und Malerei sind vertraute alte künstlerische Techniken
Dabei geht es nicht nur um die Entstehung des einzelnen Werkes an sich, sondern um die Gewinnung der jeweiligen Farbe. „Tiefdruck und Malerei sind vertraute alte künstlerische Techniken. Nun aber wollte ich mit Pigmenten, Bindemittel, Reibstein, Lufer, Papier, Leinwand und Pinsel malen. Jegliche Fertigprodukte aus Farbtuben oder ähnliches fanden keinen Zugang in mein Atelier.
Die eigene Herstellung meiner Farben war die erneute Herausforderung. Keine Streckmittel. Nur das reine Pigment. Nur Ei--Öl-Harzemulsionen in vielen Variationen und mit diversen Leimen“, erklärt Michael Papenhoff die Faszination. Außerdem arbeitet er ohne jegliche Fotovorlage, digitale Bildunterstützung oder künstliche Intelligenz. Er konzentriert sich auf das Wesentliche.
Das reine Pigment
„Der Sinn liegt in dem Erleben der Malerei und ist nicht zu trennen von seiner Materialität. Die Malerei verweigert sich somit einer raschen Vereinnahmung. Meine Malerei zeugt von der Abkehr der erzählerischen Darstellung hin zu den Ursprüngen, dem Prozess des Malens“, erklärt der Künstler. Und genauso wenig wie man seine scheinbar einfarbigen Leinwände in einem kurzen Augenblick erfassen kann, entstehen diese Schichten aus eigens hergestellten und sorgfältig ausgewählten Farben „auf die Schnelle“. Auch dieser Prozess kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen, in denen sich der Künstler intensiv mit seinem Werk auseinandersetzt.
Eine Ausstellung dieser Werke hat es bislang noch nicht gegeben. Was unter anderem auch daran liegt, dass es großer weißer Wände und eine ruhige Umgebung bedarf, um sie richtig zur Geltung kommen zu lassen. Falls es einen solchen Ausstellungsraum gibt, ist Michael Papenhoff nicht abgeneigt, seine neueren Werke auch einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen.