Jayantha Gomes vor den Federzeichnungen für den Kunstkalender 2023. Foto: Gomes

Waren die Menschen früher klüger als früher? Auf den Gedanken kann kommen, wer durch den Kalender 2023 von Jayantha Gomes blättert.

Calw - "Über den Nationen steht die Menschheit", steht da. Dieser Satz stammt von Johann Wolfgang von Goethe. Da kann man schon ins Grübeln kommen, wenn man auf die Klimakrise, den Krieg in der Ukraine und das Ausbreiten autokratischer, nationalistischer Regierungssysteme schaut.

Nun weiß man, dass die Menschen diese Weisheit des deutschen Dichterfürsten (1749-1832) in den vergangenen rund 200 Jahren beileibe nicht immer beherzigt haben. Wie dem auch sei. Gomes’ Kalender hat mittlerweile Tradition und entsteht stets nach der selben Konzeption. Der Künstler verwendet Zitate oder Aphorismen berühmter Persönlichkeiten und setzt sie in seine filigranen Federzeichnungen um. Es entstehen, wie Gomes im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt, zunächst etwa 20 Bilder, von denen zwölf Blätter dann den Weg in den Kalender finden.

An die denken, die jetzt geboren werden

"Bei meiner Arbeit rückt für mich der Mensch immer mehr in den Vordergrund", sagt der in Calw lebende Künstler. Früher waren es eher Tiere und Pflanzen. Das liegt an dem Krieg mitten in Europa und an der Klimaproblematik. Und natürlich beschäftigt Gomes die schwere wirtschaftliche und politische Krise, unter der sein Heimatland Sri Lanka leidet. "Jetzt müssen wir an die Menschen denken, besonders an die, die jetzt geboren werden", sagt er.

So heißt es auf dem Februar-Blatt: "Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind", ein Zitat der Schriftstellerin Gertrud von le Fort (1876-1971). "Das Herz bleibt ein Kind", heißt es bei Theodor Fontane (Juni).

Dass die Menschheit vor großen Schwierigkeiten steht, scheint nicht Neues zu sein. "Alles Leben ist Probleme lösen", heißt es im August bei dem Philosophen Karl Popper (1902-1994). Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) wird im November zitiert: "Was alle angeht, können nur alle lösen." Die drohende Klimakatastrophe dürfte der Schweizer Schriftsteller allenfalls geahnt haben. Es bleibt "Das Prinzip Hoffnung", Hauptwerk des Philosophen Ernst Bloch: "Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen", heißt es im Mai.

Traditionelle Rhythmen

Die Zitate bekommt Gomes von Freunden, Bekannten und Kunden zugeschickt. Zu all diesen Leuten hat er stets engen Kontakt. Denn, so seine Überzeugung, auch der bildende Künstler und nicht nur der Sänger oder Musiker, der auf der Bühne steht, braucht sein Publikum.

Zusammen mit anderen Künstlern stellt Gomes ab 5. Dezember im Landratsamt und vom 26. November bis 26. Februar bei der "Kunst in zwei Häusern" in der Bergvogtei sowie im Rathaus Neubulach aus. Gomes ist nicht nur Maler, Zeichner und Schriftsteller, sondern auch Musiker: "Neben der Kunst nehme ich mir viel Zeit, um die sehr alten traditionellen Rhythmen der Tempeltrommeln von Sri Lanka zu lernen und zu üben."

Der Kunstkalender, der in einer limitierten Auflage erscheint, kostet 16 Euro und ist bei der Buchhandlung Koehler in Stammheim oder der Buchhandlung Osiander in Calw oder unter E-Mail jayantha.gomes@t-online.de erhältlich.