Bevor der Haigerlocher Gemeinderat über eine Machbarkeitsstudie für "Himmelsterrassen" entscheidet – dabei handelt es sich um eine Aussichtsplattform in der Oberstadt – will erst der Haigerlocher Ortschaftsrat darüber diskutieren. Deshalb wurde eine Entscheidung, ob man das Projekt weiterverfolgen soll oder nicht, erst einmal aufgeschoben. Foto: AGB.H

Ein kühnes Projekt für die Kernstadt Haigerloch muss derzeit in der Warteschleife verharren. Ob und in welcher Form es mit den "Himmelsterrassen", einer Aussichtsplattform gegenüber dem Gasthaus Krone weitergeht, bleibt momentan offen.

Haigerloch - In der letzten Gemeinderatssitzung im alten Jahr wurde eine Diskussion über das Projekt nämlich kurzerhand von der Tagesordnung genommen. Man entsprach damit dem Wunsch des Haigerlocher Ortsvorstehers Michael A.C. Ashcroft, der das gefordert hatte.

Das Thema, so begründete er seinen Antrag, hätte zuvor in den Haigerlocher Ortschaftsrat gehört, damit dieser Stellung zu dem Projekt hätte beziehen können.

AGB.H hat das Projekt bereits im Juli 2021 im Gemeinderat präsentiert

Diesem Argument wurde mit großer Mehrheit gefolgt und Gemeinderätin Heike Letmathe von der Liste "Aktive Gesamtstadt-Bürger Haigerloch" (AGB.H) nahm das Versäumnis auf ihre Kappe. "Es war mein Fehler, ich habe vergessen, vorher den Ortschaftsrat zu informieren."

Sie und Martin Sprissler – Vorsitzender von "Haigerloch Aktiv" und ehemaliger AGB.H-Gemeinderat – hatten bereits im Juli 2021 die Idee der "Himmelsterrassen" im Haigerlocher Gemeinderat vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine dreiteilige Aussichtsplattform in der Oberstadt, die auf der Straßenseite gegenüber der "Krone" ein ganzes Stück über den Steilhang hinausragt und dadurch einen atemberaubenden Panoramablick auf die Unterstadt ermöglicht.

Befürworter sehen touristischen Mehrwert fürs Städtle

Der Bau von "Himmelsterrassen" böte sich aus ihrer Sicht an, weil der Landkreis an dieser Stelle ohnehin das marode Stützbauwerk auf dem die Straße aufliegt sanieren muss. In einem Aufwasch könnte man dabei die Aussichtsplattform und damit einen echten touristischen Mehrwert im Städtle schaffen.

Was Letmathe und Sprissler im vergangenen Sommer dem Gemeinderat jedoch schuldig bleiben mussten, waren konkrete Aussagen zur Finanzierung der Plattform. Aufgrund eines Vergleiches mit ähnlichen Projekten gingen sie von knapp 1,2 Millionen Euro aus. Diese Zahl war aber allenfalls geschätzt und hatte keine konkrete Kostenberechnung zur Grundlage. Ihnen schwebte aber eine Mischfinanzierung vor aus Mitteln der Stadt, Fördergeldern und Beiträgen von Sponsoren, Firmen oder Bürgern, die man über eine Genossenschaft generiert.

Machbarkeitsstudie kostet rund 28 000 Euro

Ob das Projekt an dieser Stelle statisch, geologisch und kostenmäßig überhaupt realisierbar ist, könnte eine Machbarkeitsstudie ermitteln: dafür liegen der Haigerlocher Stadtverwaltung inzwischen Angebote von drei Ingenieurbüros vor. Die Kosten für die Studie belaufen sich laut Stadt auf rund 28 315 Euro und über deren Beauftragung sollte der Gemeinderat im Dezember eine Entscheidung treffen. Doch dazu – siehe den Anfang des Artikels –­ kam es eben nicht.

Einer der wenigen, die die Absetzung der Entscheidung von der Tagesordnung etwas bedauerte, war der Sprecher der Freien Wähler, Matthias Deppert. Eine Abstimmung über die Beauftragung eines Gutachtes hätten ihm zufolge Sinn gemacht, weil man den Betrag ja in den neuen Finanzhaushalt für 2022 aufnehmen muss.

Skeptiker halten andere zu bewältigende Aufgaben für wichtiger

Dass sich in der Stadtverwaltung und in Teilen des Gemeinderats die Begeisterung für das Projekt in Grenzen hält, ist ein offenes Geheimnis. Das war schon bei der Projektpräsentation letzten Juli erkennbar.

Aufgrund vieler Pflichtaufgaben und fehlender Finanzmittel tendieren die Skeptiker dazu, das Projekt eher nicht weiterzuverfolgen. Dabei argumentiert man auch mit den Folgekosten, die der Unterhalt eines solchen Bauwerks produziert.