Säfte und Most direkt aus der Region sowie Weine bietet Jürgen Wetzel in seiner „Alte Küferei“ an der Gutleuthausstraße in Hechingen an. Eine Motivation für ihn ist die Familientradition. Foto: Klaus Stopper

Saftig geht es zu in der Alten Küferei von Jürgen Wetzel. Mit seiner großen Maschine presst er die Äpfel vieler Hechinger. Seine Eigenproduktion heißt „Süßer Spatz“ .

„Regionaler geht’s kaum“, sagt Jürgen Wetzel mit strahlendem Gesicht und schaut auf seine Saftflaschen. „Süßer Spatz“ steht auf dem Etikett, und „die Äpfel haben Landwirte oder private Streuobstfreunde beispielsweise bei Boll aufgesammelt.“ Die bringen im Herbst die aufgelesenen Äpfel in seinem Betrieb an der Gutleuthausstraße vorbei, wo sie zu Saft gepresst, durch Pasteurisierung haltbar gemacht und vor Ort in Flaschen oder Beutel abgefüllt werden.

 

Viele nehmen den eigenen Saft dann gleich mit nach Hause. Ein hochwertiges Naturprodukt, mit eigener Hände Sammelarbeit aus der Wiese geklaubt, regional, nachhaltig, „und das schmeckt man auch“, versichert Wetzel.

„Süßer Spatz“ mit ausgewählten Äpfeln hergestellt

Besonders gilt das für den Saft, den er unter dem Namen „Süßer Spatz“ selber herstellt und in Flaschen mit hübschem Etikett verkauft, die weit über Hechingen hinaus als „etwas Feines“ gelten und gern auch mal in Geschenkkörben landen.

Für die Äpfel hat er bewährte Lieferanten rund um Hechingen, und vor dem Mosten sortieren zwei Helfer aus allen Lieferungen nochmal das Faulobst raus. Dann noch die richtige Apfelmischung.

Und weil es ein Naturprodukt ist, das vom Wetter abhängt, „schmeckt der Saft jedes Jahr ein wenig anders“, so Wetzel. Er vertraut darauf, dass der aktuelle Trend zu regionalen Lebensmitteln weiter zunimmt, deshalb baut er derzeit ein neues Betriebsgebäude bei der Walkenmühle. Aktuell ist die Küferei in einer Sackgasse mitten im Wohngebiet, die Mostmaschine ist laut, die enge Zufahrt mühsam anzusteuern für Autos mit Anhänger. „Und das geht hier ja so von Mitte September bis Anfang November“, erklärt Wetzel. Schon dieses Jahr wird im neuen Gebäude gemostet, das so regional und nachhaltig sein wird wie die Äpfel, die hier gepresst werden. Holzbauweise, von einem Hechinger Handwerksbetrieb aufgestellt, die Solaranlage wird einen Großteil der Energie für die Mostmaschine liefern.

Bandsäge und Werkzeug bei Weinverkostungen dabei

„Die alte Bandsäge und das Werkzeug nehme ich natürlich mit, die kommen in den neuen Laden“, versichert er. Diese Werkstattrelikte erinnern daran, dass der Verkostungs- und Verkaufsraum aktuell noch in der alten Werkstatt von Opa Hermann Armbruster untergebracht ist. Der hatte in der Nachkriegszeit hier seinen Küferei-Betrieb eröffnet, mit der massiven Bandsäge die Fassdauben hergestellt, aus denen bis in die 80er-Jahre Fässer gebaut wurden, die in die ganze Region, teilweise aber auch ins Ausland bis in die USA geliefert wurden.

Eine Mosterei und ein Weinhandel kamen bald dazu, die Fassproduktion endete in den 80er-Jahren. Dann führten die Eltern die Firma, und vor 25 Jahren übernahm Jürgen Wetzel. Eine seiner ersten Investitionen war im Jahr 2001 der Kauf einer modernen Mostpresse, in der der Apfelsaft direkt auf 78 Grad erhitzt wird, damit alle Keime absterben.

„Da war ich weithin der Einzige, der so etwas hatte“, erzählt er stolz. Das zog viele Kunden an, die keine Lust hatten, ihren Saft weiterhin mühsam durch Abkochen zu Hause haltbar zu machen. Und Jürgen Wetzel hat dann auch den Betriebsnamen von „Mosterei Wetzel“ auf „Alte Küferei“ geändert. „Wir verkaufen hier ja auch gute Weine, veranstalten Verkostungen, da passte der Begriff Mosterei nicht so gut“, erklärt er. Und die Küferei sei ja der Ursprung seines Betriebs.

Neben seinen ausgesuchten Weinen, die aus ganz Deutschland und den europäischen Weinländern kommen, bietet Jürgen Wetzel noch eine regionale Besonderheit an: alkoholfreie Weine, die er von einem Produzenten aus Göppingen bezieht. Ob man das möge, sei Geschmackssache, räumt er ein. Man müsse das einfach mal probieren. Aber zumindest für festliche Anlässe, wo nicht jeder Alkohol trinke, seien die perlenden Getränke in den hübschen Flaschen eine feine Sache.