2023 der Tiefpunkt: Abstieg, verlorene Stars. Heute: 40 Nachwuchsringer, Platz drei, neuer Trainer. Wie der KSV Trossingen den Neuanfang wagte – und was andere lernen können.
Gegründet wurde der KSV Trossingen bereits 1910, er ist mit 116 Jahren einer der ältesten Vereine in Trossingen und zählt rund 180 Mitglieder.
Dass er in all den Jahren nicht nur große Erfolge verbuchen konnte, sondern auch „durch tiefe Täler gegangen ist“, weiß Vorstandsmitglied Michael Rubach nur zu gut. Doch „der KSV Trossingen definiert sich nicht nur über sportliche Erfolge, sondern vielmehr darin ein Umfeld zu schaffen, in dem auch der Nachwuchs durch das Vermitteln moralischer Werte lernt, füreinander einzustehen. Kameradschaft, Verständnis und Mitgefühl sind für uns besonders wichtig“, erklärt er.
Nachwuchs feiert Erfolge
So ist der KSV in Zeiten, in denen immer mehr Vereine aussterben aufgrund mangelnder Bereitschaft sich zu engagieren, besonders stolz auf eine große Anzahl von Helfern.
Ringer anzuwerben, führt zwar kurzfristig zum Erfolg, aber: „Die Folgen für den Verein sind jedoch meist eine zunehmende Entfremdung von Fans, Gönner und Vereinsmitglieder gegenüber dem Wettkampfgeschehen.“ Die Identität gehe verloren. „Viele Vereine können bei einem derartigen Wettrüsten nicht dauerhaft standhalten“, so Rubach. Zudem gehe der Fokus verloren, eigene Sportler zu fördern. „Es bleibt aber leider nicht aus, dass an unsere eigenen jungen ausgebildeten Talente immer häufiger finanziell attraktive Angebote herangetragen werden, um den Verein zu wechseln.“
Dennoch habe man es in der Vergangenheit geschafft, durch gezielte Förderung und Forderung, insbesondere im Jugendbereich, Talente in den eigenen Reihen zu behalten. „Wir waren die Talentschmiede für die Jugend und waren in Trossingen immer der Verein mit den meisten Ehrungen bei der jährlichen Sportlerehrung.“ So haben die jungen Ringer mehrere Deutsche-, Landes-, und Bezirksmeistertitel geholt.
Derzeit seien die erfolgreichsten Schülerringer Georgeos Kiryadidis als Württembergischer Meister mit Nominierung für die Deutsche Meisterschaft, sowie als Bezirksmeister David Sarkisijan, sowie Ben und Danny Haas.
Steinigen Weg gegangen
„Wir sind im Jahr 2019 mit der ersten Mannschaft in die Verbandsliga aufgestiegen, waren dort zwei Jahre, um unseren eigenen sehr guten Ringern wie Adrian Rubach und Daniel Ehler die Möglichkeit zu geben, im Heimatverein zu ringen.“
Es wurde ein kompletter Schnitt gemacht. „Unsere Ringer Adrian Rubach und Daniel Ehler haben uns verlassen.“ Aus heutiger Sicht sei alles eine gute Entscheidung gewesen, „wir haben jetzt eine komplett neue erste Mannschaft, zum größten Teil sind es Anfänger mit viel Talent und im Training haben wir oft 40 Ringer in unserer eigenen Ringerhalle“. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Die erste Runde in der Bezirksklasse haben wir 2025 bereits mit dem dritten Platz abgeschlossen.“
Zusammenhalt wird spürbar
Das Ziel sei, dass die eigenen Ringer, so wie früher, von den Bambini bis in die erste Mannschaft hineinwachsen.
Viele junge Ringer stehen im Kader – mit wenig Erfahrung, aber großem Potenzial. Genau hier setzt das neue Konzept an: eine schlagkräftige Mannschaft aus eigenen Reihen entwickeln. Der neue Trainer Andreas Krannich betont „Zusammenhalt und Entwicklung haben mich überzeugt.“
Ausschlaggebend für seinen Wechsel nach Trossingen sei die Mischung aus Tradition und Perspektive gewesen. „Der Verein hat eine große Tradition im Ringen und schafft es gleichzeitig, junge Leute einzubinden und weiterzuentwickeln“. Besonders hebt er den Teamgeist hervor. „Man spürt den Zusammenhalt im Verein.“
Personalien
Andreas Krannich
mit ihm übernimmt ein erfahrener Trainer zum 1. Mai die erste Mannschaft. Der Verein setzt damit bewusst auf Kontinuität, Nachwuchsförderung und eine klare sportliche Linie. Krannich bringt eine umfangreiche Vita mit. Stationen beim TSV Musberg, der Sportvereinigung Rommelshausen, dem VfL Kaltenbach/Heslach, der KG Wurmlingen/Tuttlingen und zuletzt beim SV Dürbheim belegen seine Erfahrung im Ringersort. Auch als Aktiver stand er selbst schon sehr erfolgreich auf der Matte.
Frank Renner
fungiert als Jugendtrainer und wird mit Krannich die Schülermannschaft begleiten und den Übergang zu den Aktiven gezielt fördern. Auch die Interimstrainer Kirill Fadeew und Adrian Rubach sind noch mit an Bord.