Der damalige Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK), Dag Baehr Foto: dpa/Franziska Kraufmann

Im Verfahren um die Rolle des früheren KSK-Kommandeurs Markus Kreitmayr sieht ein Zeuge die Verantwortung für die Missstände bei dessen Vorgängern. Er benannte in der Verhandlung konkret Dag Baehr.

Wegen seiner Rolle in der „Munitionsaffäre“ steht der frühere Kommandeur des Kommando Spezialkräfte (KSK), Markus Kreitmayr, vor dem Tübinger Landgericht. Obwohl es dabei um die von Kreitmayr ermöglichte straffreie Rückgabe von durch Soldaten gehortete Munition geht, wirft der Prozess ein Licht auf den Umgang mit Munition in der Elite-Einheit. Verschiedene Zeugen berichteten davon, dass Fehlbestände bei den Munitionsinventuren vor 2019 passend gemacht wurden.

 

Ein Zeuge wurde deutlicher. Er war in Kreitmayrs Zeit Kommandant der Unterstützungskräfte des KSK und Kommandant der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw. Dort ist das KSK stationiert. Er sah Kreitmayr als Aufklärer und die Schuld für den laxen Umgang mit Munition bei dessen Vorgängern. Er benannte in der Verhandlung konkret Dag Baehr. Der heute 58-Jährige war von 2013 bis 2017 KSK-Kommandeur und ist seit Herbst Vizepräsident des BND und wurde mittlerweile zum Zwei-Sterne-General befördert. Er war der erste auf diesem Posten, der selbst ausgebildeter Kommandosoldat ist. Baehr wollte sich auf Nachfrage zu den Aussagen des Zeugen nicht äußern - auch nicht zu den Fragen, ob er von geschönten Inventuren wusste oder diese gar veranlasst hatte.

Der frühere Kasernenkommandant belastete auch höhere Stellen. Es habe in der Kaserne Besuche von Prüfgruppen gegeben. Alle hätten von den Problemen beim KSK gewusst. „Da nehmen die sich raus“, sagte er zur Verantwortung der höheren Ebenen. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums verweist auf Nachfrage auf den Abschlussbericht der Arbeitsgruppe KSK aus dem Juni 2021. Die hatte nach den Skandalen beim KSK einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Dabei ging es auch um den nicht regelkonformen Umgang mit Munition. Der sei 2019 erkannt worden und nun behoben, heißt es im Bericht. Über Baehrs Zeit als Kommandeur macht der Bericht in Bezug auf den Umgang mit Munition keine Angaben.

Auch Generalinspekteur Eberhard Zorn gerät in die Kritik

Der Zeuge kritisierte vor Gericht auch den früheren Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn. Der habe bei einem Besuch des KSK nach Bekanntwerden und Aufklärung der Munitionsaffäre diese Bemühungen konterkariert. „Macht euch keine Sorgen. Das wird für das KSK wieder flexibel geregelt“, habe Zorn laut dem Zeugen zum Umgang mit Munition zu den Soldaten gesagt. Auf Nachfrage beim Verteidigungsministerium äußerte sich Eberhard Zorn, der mittlerweile im einstweiligen Ruhestand ist, nicht zu den Vorwürfen.