Calws Oberbürgermeister Florian Kling (von links), KSK-Kommandeur Alexander Krone und Landrat Helmut Riegger demonstrierten Einigkeit. Foto: Bundeswehr/KSK

Beim Neujahrsempfang des Kommando Spezialkräfte betonen die Redner in aller Regel den Wert des Zusammenhalts und versichern sich gegenseitig Verbundenheit. So auch dieses Mal. Eine der Ansprachen überraschte dann aber doch ein wenig.

Drohnen-Krieg, die Ausbildung ukrainischer Soldaten, der neue Schwerpunkt Landes- und Bündnisverteidigung: Alexander Krones Alltag befasst sich mit Realitäten, die etliche Menschen am liebsten ausblenden.

 

Keine Frage: Die Aufgabe des Brigadegenerals, als Kommandeur des in Calw stationierten Kommando Spezialkräfte, ist kein Job wie jeder andere.

Krone könnte vieles berichten, etwa von den Leistungen und Fähigkeiten seiner Soldaten, von deren Bedeutung für die Sicherheit von Land und Bündnis. Er könnte mahnen, könnte warnen vor einem möglicherweise drohenden Krieg, der vielleicht sogar schon begonnen hat.

Beim traditionellen Neujahrsempfang des KSK in dieser Woche entschied er sich offensichtlich bewusst dagegen. Ein markanter Unterschied. In den vergangenen beiden Jahren hatten sich die Beiträge zu einem großen Teil um die Krisenherde dieser Welt gedreht.

Das sagt der Brigadegeneral

Keine politische Rede wolle er halten, betonte der Brigadegeneral entsprechend, sondern „auf uns und unsere Partner schauen“. Ein Blick auf die Gemeinschaft.

Auf die vielen Nationen, mit denen das KSK und Deutschland verbunden sind, von denen auch zahlreiche Vertreter dem Empfang beiwohnten. Auf ehrenamtlich Engagierte. Auf „exzellente Menschen“, mit denen er in seiner Spezialeinheit zusammenarbeiten darf. „Sie machen es mir leicht“, würdigte er seine Soldaten.

Krone hob die Bedeutung aller hervor, die Sicherheit gewährleisten, äußere wie innere – also etwa auch die Polizei. „Uniformträger stehen zusammen“, meinte er.

Generell betonte er die Bedeutung des Miteinanders zwischen Zivilgesellschaft und Militär. In Calw fühle er sich, fühle das KSK sich gut aufgehoben. „Schön, dass wir an einem Strang ziehen“, sprach er direkt Calws Oberbürgermeister Florian Kling an.

Im Sommer 2022 waren Stadt und Kreis Calw eine Patenschaft mit dem Kommando Spezialkräfte eingegangen – ein Akt der gegenseitigen Freundschafts- und Verbundenheitsbekundung.

An Althengstetts Bürgermeister Rüdiger Klahm gewandt, unterstrich der Brigadegeneral, das KSK und die Gemeinde seien „ja nun wirklich Nachbarn“ – und „Nachbarschaft ist uns wichtig“.

Die geplante Erweiterung des Kasernengeländes auf Althengstetter Gemarkung wolle er, gemeinsam mit seinem Stellvertreter Oberst Peter Küpper, transparent begleiten und informieren. Denn „nichts ist schlechter als Gerüchte“. Ein Verband mit mehr als 1500 Angehörigen brauche Platz. „Deswegen werben wir eben auch für Verständnis“, sagte Krone.

Das sagt der Oberbürgermeister

Politischer äußerte sich Oberbürgermeister Kling. „Stell dir vor es ist Krieg und keiner will ihn sehen“ – diese Schlagzeile habe er vor Kurzem in einer österreichischen Veröffentlichung entdeckt. Deren Inhalt: die Gefahren des hybriden Krieges, wie er nach Ansicht vieler Experten bereits seit geraumer Zeit gegen den Westen ausgebrochen ist – in Form von Cyberangriffen, Sabotageakten, Spionage oder Desinformation.

„Unsichtbar, aber doch allgegenwärtig“, nannte Kling die Bedrohung. Die Demokratie „befindet sich zudem in einem Stresstest“. Die Gesellschaft brauche in solchen Zeiten dasselbe wie das KSK: „klare Werte, Mut und Standhaftigkeit“.

Da der Neujahrsempfang zufällig auf den internationalen Lego-Tag fiel, zog Kling auch eine Parallele zu den bunten Bausteinen, die als Symbol für Aufbau und Zusammenarbeit gelten dürften.

Großes könne nur Stück für Stück gebaut werden. Und „ab und zu kommt auch mal ein böses Kind vom Nachbartisch vorbei“ und zerstöre, was errichtet wurde. Dann werde gemeinsam wieder alles neu aufgebaut.

Das sagt der Landrat

Landrat Helmut Riegger erinnerte an den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, an dem sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 80. Mal jährte. Wer sich auskennt, wisse: „Das hat ganz viel mit uns zu tun.“

Mit dem Werk Zedakah mit Sitz in Bad Liebenzell gebe es immerhin eine Organisation im Landkreis, die sich seit Jahrzehnten für Holocaust-Überlebende einsetzt. Und die wiederum wurde unter anderem von Friedrich Nothacker gegründet, der als Sanitäter bei der Wehrmacht eingesetzt war – und bei Fahrten durch das Warschauer Ghetto Dinge erlebte, die ihn nie wieder losließen.

Die Erinnerung daran gelte es wach zu halten, damit „so etwas nie, nie, nie wieder auf unserem Boden passiert“.

Riegger betonte den Wert internationaler Verbindungen. Gerade in Zeiten, in denen die Friedensordnung in Europa durch den Angriff Russlands auf die Ukraine erschüttert wurde. „Europa muss mehr Verantwortung übernehmen“, unterstrich der Landrat, die Rolle und Bedeutung der Bundeswehr müsse herausgestellt werden.

Soldaten setzten ihr Leben ein, um Werte und Demokratie zu verteidigen. Das sei keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Entscheidung. „Sie wissen, dass der Landkreis an Ihrer Seite steht“, betonte Riegger. Sei es bei weniger angenehmen Angelegenheiten wie der geplanten Erweiterung, aber auch, indem die Infrastruktur gestärkt werde, die auch den Soldaten zugute komme – namentlich etwa die Hesse-Bahn oder der Gesundheitscampus.