Karlsruhe gegen Liverpool: Die Fans feierten. Lang, lang liegen die europäischen Auftritte der Badener zurück. Foto: Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank

Das hatte sich Jürgen Klopp anders vorgestellt: Der tapfere Zweitligist KSC hätte den Giganten FC Liverpool fast zu Fall gebracht.

Klopp kommt! Diese Worte elektrisierten die Fans in Karlsruhe und Umgebung – und in Donaueschingen, wo der Kulttrainer Jürgen Klopp aus Glatten (Kreis Freudenstadt) mit seinem FC Liverpool derzeit sein Trainingslager aufgeschlagen hat. In Rekordzeit war das neu umgebaute Schmuckkästchen des Zweitligisten Karlsruher SC, das sich jetzt BBBank Wildpark nennt, in drei Raten ausverkauft (Dauerkarteninhaber/Mitglieder/offener Verkauf), und am Mittwoch war es dann so weit: Klopp kommt!

Wie gegen die TSG Balingen

Der 19-fache englische Meister FC Liverpool wurde von der gleichen Mannschaft empfangen, die am Samstag gegen den Regionalligisten TSG Balingen 4:0gewonnen hatte, also mit Neuzugang Lars Stindl, der sich aus familiären Gründen und unter deutlichen Gehaltseinbußen entschieden hat, das Grün-Weiß von Borussia Mönchengladbach wieder mit den badischen Farben zu wechseln.

Außerdem liefen die beiden weiteren Neuzugänge Patrick Drewes und Robin Bormuth auf. Und in der Spitze setzte KSC-Trainer Christian Eichner nach dem Abgang der umstrittenen Oliver-Kreuzer-Verpflichtung Simone Rapp auf Youngster Tim Rossmann. Bei den Reds stand unter anderem Neuverpflichtung Dominik Szoboszlai in der Startelf, der zuletzt für 70 Millionen Euro von RB Leipzig nach Liverpool gewechselt war.

Klopps Team zeigt, wo der Hammer hängt

Allerdings zeigten die Reds gleich einmal, wo der Hammer hängt, denn es waren noch nicht einmal drei Minuten gespielt, da spielten Superstar Mo Salah und David Núñez die Karlsruher Abwehr schwindlig, und Núñez zeigte, was im Trainingslager beim SV Aasen hinter verschlossener Tür trainiert worden war: Aus fünf Metern drückte er den Ball über die Linie – 0:1.

Und vier Minuten später zappelte der Ball schon wieder im Karlsruher Netz, Ibrahima Konaté hatte per Kopf getroffen. Doch der Treffer wurde zurückgenommen: Konaté hatte sich aufgestützt. Der KSC bekam wenig Zugriff auf das Spiel, Klopps Truppe ließ den Ball geschmeidig durch die eigenen Reihen laufen. Doch der KSC glaubte mutig an sich und seine Chance, presste hoch – und wurde fast belohnt: Lars Stindl hielt drauf, der Ball wurde abgefälscht, und Liverpools Keeper Caoimhín Kelleher lenkte den Ball gerade noch über die Latte.

Das Stadion kocht!

Das Stadion kochte noch mehr, als Marvin Wanitzek einen Freistoß millimetergenau auf Lars Stindl zirkelte, der volley abzog, und der Ball von der Unterkante der Latte den Weg ins Tor fand – 1:1 nach 39 Minuten. Klopp war wenig begeistert, peitschte sein Team noch einmal nach vorn, doch Neu-Keeper Drewes parierte gegen Mo Salah und David Núñez.

Klopp wechselt einmal durch

Zur Halbzeitpause wechselte Klopp einmal komplett durch. Das tat der Anfangs-Dominanz keinen Abbruch, doch diesmal traf nicht das Team von der Merseyside, sondern es klingelte auf der anderen Seite. Stindl zeigte seine individuelle Klasse, ließ die teure Liverpooler Hintermannschaft per Heber alt aussehen, und Außenverteidiger Sebastian Jung – eine Zeichen für das mutige Auftreten der Karlsruher – hämmerte den Ball ins Netz (50.).

Neu-Keeper Drewes gegen alle

Die Verzweiflung über seine hilflose Defensive war Klopp anzusehen. Und dem FC Liverpool anzumerken, denn Angriff auf Angriff lief Richtung KSC-Tor. Joel Matip, Diogo Jota, Calum Scanlon (ein U18-Spieler, der mit nach Donaueschingen durfte) – alle verzweifelten an KSC-Keeper Drewes, ehe es dem 50-Millionen-Mann Cody Gakpo doch noch gelang, den Zerberus, für den der KSC keinen einzigen Euro nach Sandhausen überweisen musste, zu überwinden (69.).

Nun war für Christian Eichner die Zeit der Experimente gekommen. Gegen die weiter wild angreifenden Gäste wechselte er (fast) komplett durch, und auch die neuen Leute warfen sich in die Liverpooler Angriffswellen. Merkwürdigkeit der Partie: Erst als sich die Gemüter weitgehend beruhigt hatten, passierte doch noch was: Diogo Jota kam in der Nachspielzeit (90.+2, 90.+4) zweimal durch und brachte die tapfer kämpfenden Karlsruher doch noch um ihren Lohn.

Karlsruher SC – FC Liverpool 2:4 (1:1)

KSC: Drewes – Heise (72. Herold), Franke (72. Beifus), Bormuth, Jung (72. Thiede) – Gondorf (80. Burnic), Nebel (72. Brosinski), Wanitzek (80. Öztürk), Stindl (72. Arase) – Schleusener (72. Marino), Rossmann (72. Zivzivadze)

FC Liverpool: Kelleher (46. Jaros) – Robertson (46. Tsimikas), van Dijk (46. Quansah), Konaté (46. Matip), Alexander-Arnold (46. Gomez) – Szoboszlai (46. McAllister), Bradley (46.McConnell), Clark (46. Scanlon/78. Koumas) – Diaz (46. Gakpo), Salah (46. Doak), David Núñez (46. Jota)

Tore: 0:1 Núñez (3.), Gakpo (68.), Jota (90+2., 90+3.) / Stindl (42.), Jung (47.)