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Krone in Lautlingen Wo Stauffenbergs einst gastfreundlich waren

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Die Sanierung der "Krone" Lautlingen nähert sich dem Ende. Die Familien Bodmer und Hetges haben unter anderem wieder alle Fenster des Herrschaftszimmers im ersten Stock (links, vordere Ecke) eingesetzt.  Foto: Kistner

Im April war sie baden-württembergisches Baudenkmal des Monats – weshalb, das konnte man, solange sie komplett eingerüstet war, nur erahnen. Jetzt ist das Gerüst größtenteils verschwunden, und die Lautlinger "Krone" zeigt sich in ungeahnter Pracht. Ihre reiche Geschichte lesen Sie in in unserem (SB+)Artikel.

Albstadt-Lautlingen - Jahrhundertelang war sie das erste Haus am Platz. Die Stauffenbergs, seit 1637 Ortsherren, hatten es 1697 bauen lassen, nicht zuletzt um des Status willen: Der Bau einer repräsentativen Gaststätte und Umspannstation für die Fuhrleute am Fuß von Meßstetter Tal und Europäischer Wasserscheide war eine Vorbedingung für ihre Grafung. Das neue Haus dürfte ein älteres, weniger ansehnliches ersetzt haben; das ist der Schluss, den die Existenz eines gewölbten Kellerraums aus den Anfangsjahren des 17. Jahrhunderts zwingend nahelegt.

Nach dem Bau des neuen Hauses wurden die Wirte angewiesen, "sich auf alle weis ahngelegen sein, das die wirthschaft durch das ganze jahr mit aller Nottdurft wohl versehen seye [...] , damit die Reisente und jedermann lust bekomme allda einzukehren".

An der Lust, einzukehren, fehlte es in der Folgezeit nicht; die "Krone" entwickelte sich alsbald zum Brennpunkt des Dorflebens und zum Schauplatz von Hochzeiten, Taufen, Tanzvergnügungen, Vereinsveranstaltungen und nicht zuletzt Stammtischen. Den Stauffenbergs diente sie zudem lange Zeit als repräsentative Herberge, in der sie hochgestellten Gästen standesgemäßes Logis gewährten. 1904 wurde die "Krone" Post- und Telegrafenstelle, in den Wirtschaftswunderjahren stand einer der ersten Lautlinger Fernsehapparate in der Gaststube und machte sie zum multiplen Nachrichtenumschlagplatz.

Gasthaus soll wieder Ortsmittelpunkt werden

Das Haus befand sich zu dieser Zeit schon seit annähernd 100 Jahren im Besitz der Familie Alber, deren fünfte und sechste Generation – die Namen lauten mittlerweile Hetges und Bodmer – die "Krone" nach einer Phase des zeitweiligen Niedergangs wieder zu dem machen wollen, was sie früher war: Ortsmittelpunkt und "gute Stube" Lautlingens. Seit zwei Jahren ist die Sanierung im Gange; ihr Ziel ist es, das mächtige Haus aus dem Barock von baulichen Zutaten späterer Zeit zu befreien und, so weit es geht, wieder dem Urzustand anzunähern.

Der Brandschutz setzt der Kreativität Grenzen

Dem Projekt sind allerdings Grenzen gesetzt. Dass Küche, sanitäre Einrichtungen, Heizung und die datentechnische Ausstattung der Konferenzräume im ersten Stock den Standards des 21. Jahrhunderts entsprechen müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. Schwerer fallen die Erfordernisse des Brandschutzes und der Statik ins Gewicht. Die hölzernen Pfosten und Deckenbalken der Gaststube dürfen nicht frei liegen, sondern werden unter sogenannten Fireboard-Platten" verschwinden: 30 Minuten "Abbrandrate" sind Vorschrift, erläutert Monika Bodmer, zusammen mit ihrem Bruder Stefan Hetges Bauherrin des Sanierungsprojekts; die Decke muss eine halbe Stunde lang dem Übergreifen eines Feuers auf das nächsthöhere Geschoss widerstehen können.

Auch die Verlegung von Wasser- und Kälteleitungen, Heizungsrohren und Kabeln erfordert zusätzlichen Aufwand: Kabelbündelung, um nur ein Beispiel zu nennen, ist nicht möglich; es sollte nach Möglichkeit alles auf Putz gelegt werden.

Bei der Statik gibt es ähnliche Schwierigkeiten. Die "Krone" hat 320 Jahre und so manche seismische Kalamität überstanden; als 1911 die Erde bebte und die Kirche so stark beschädigt wurde, dass sie abgerissen werden musste, blieb die "Krone" stehen – äußerst bemerkenswert für ein Gebäude, das laut Architekt Daniel Hotz von Anfang an die Grenzen des statisch Vertretbaren ausgereizt hatte. Künftig ist das nicht mehr möglich; deshalb wurde ein mächtiger Stahlträger in die Decke eingezogen und die Außenwände von innen, im Sockelbereich auch von außen verstärkt. Zwei der drei Speichergeschosse unter dem weit hin­untergezogenen Dach müssen durch zahlreiche Holzbalken ausgesteift werden. Was bedeutet, dass sie für eine Nutzung, etwa als Lager, nicht mehr in Betracht kommen.

So sah Trockenbau vor 300 Jahren aus

Was wird unter diesen Umständen aus dem Anliegen, die Ursprünge wieder sichtbar zu machen? An einigen Stellen im ersten Obergeschoss sind sie zu sehen – etwa in Gestalt des Geflechts aus Haselnussstangen und Lehm, aus dem die alten Innenwände im ersten Stock bestehen und das stellenweise unter dem Putz sichtbar wird: So sah vor 300 Jahren Trockenbau aus.

Und dann ist da noch das "Herrschaftszimmer" an der Nordostecke des Hauses, das den Stauffenbergs noch bis in die 1950er-Jahre zur Verfügung stand, eine repräsentative originalgetäfelte Stube, die auf der anderen Seite der dort partiell verrußten "Rauchwand" beheizt wurde, damit die Bediensteten die hohen Herrschaften nicht stören mussten. Die zwölf Fenster, die sie einst besaß – die halbhohen Andreaskreuze des Fachwerks bezeugen es – sind inzwischen wiederhergestellt; die Facetten der Holzdecke werden trotz Abbrandvorschriften sichtbar bleiben: Die Isolierung wird ein Stockwerk höher, im untersten Speicher, aufgebracht.

Der eiserne Ofen ist Zeuge der Vergangenheit

Weitere Spuren einer weit zurückliegenden Vergangenheit: der eiserne Ofen in der Gaststube mit seiner kronenartig verzierten Oberkante, die Räucherkammer unterm Dach und der bereits erwähnte Keller mit dem vier Meter hohen Tonnengewölbe und dem originalen Steinplattenboden – hier wird künftig der Wein gelagert. Und dann ist da noch die Krone der "Krone": Die gewaltige schmiedeeiserne "Galionsfigur" der Gaststätte ist derzeit beim Restaurator – in Zukunft, erwägt Monika Bodmer, könnte sie einen Ehrenplatz im Biergarten finden. Aufhängen wird man sie wohl nicht mehr; sie ist halt doch recht schwer.

Ein Projekt von solchen Dimensionen hat natürlich seinen Preis: 3,2 Millionen Euro lassen die Geschwister Bodmer und Hetges sich die Wiederherstellung der "Krone" kosten. 200.000 davon finanziert das Land aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum, jeweils 100 000 schießen die Denkmalstiftung Baden-Württemberg und der Denkmalschutz zu. Die Kosten liegen derzeit im Rahmen; die Zeitplanung ist durch Corona ein wenig durcheinander geraten. Eigentlich wollte man Ende 2020 fertig sein; jetzt wird es halt 2021 werden. Tragisch ist das nicht: Der Hofladen, den Monika Bodmers Sohn Benedikt nebenan errichtet hat, ist fertig und am Laufen, desgleichen die Hotellerie in den Geschossen überm Laden. Die "Krone" aber wird warten, bis die Pandemie vorüber ist. Bei 320 Jahren kommt es auf ein paar Monate mehr oder weniger nicht an.

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