Die Krokusse sind die Vorboten für den Frühling. Besonders prächtig blühen sie auf Wiesen in Bad Teinach-Zavelstein. Das hat seine Gründe.
Es gab Zeiten, da wurden die Krokusblüten in Zavelstein immer weniger. Dann beschloss die Stadt Bad Teinach-Zavelstein im Jahre 2009 etwas gegen den Schwund zu tun. Sie tat sich mit Landwirten zusammen und vereinbarte mit ihnen eine Änderung beim Bewirtschaften von Wiesen. Das Ziel war, dass es mit den Beständen des Krokus nicht weiter bergab, vielleicht sogar wieder bergauf geht.
Zahl der Blüten Diplomforstwirt Karl-Eugen Schroth beobachtet im Auftrag der Stadt im Naturschutzgebiet Zavelsteiner Krokuswiesen, wie sich die Änderungen beim Bewirtschaften von Wiesen auf die Bestände des Krokus auswirken.
Und siehe da, die Bemühungen haben Erfolg. „Man sieht schon, dass es was gebracht hat“, stellte Schroth in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates von Bad Teinach-Zavelstein zufrieden fest. Schroth schätzt jedes Jahr grob die Zahl der Blüten. Er räumt ein, dass es dabei zu Fehlern kommen könne. Da er jedes Jahr aber die gleiche Methode anwende, seien die Zahlen vergleichbar. Und wie sieht die Entwicklung aus? Zählte Schroth 2010 noch rund 850 000 Blüten, waren es 2025 etwa 1,98 Millionen – circa eine Verdoppelung in 15 Jahren: „Der Trend ist eindeutig.“
Zahl der Blüten verdoppelt sich in 15 Jahren
Maßnahmen für den Krokus Die mit den betreffenden Landwirten vereinbarten Maßnahmen zeigten ihre Wirkung, machte Schroth deutlich. So werde auf einigen Flächen abwechselnd Heu und Silage geerntet, auf anderen Flächen dagegen sogar nur Heu. Schroths Zahlen zeigen, dass dies gut für den Krokus ist.
Der Diplom-Forstwirt teilte mit, dass er im vergangenen Jahr am 17. Februar die ersten Blüten gesehen habe. Anfang März habe die Vollblüte begonnen und bis Ende März gedauert. Die Heuernte war im vergangenen Jahr Mitte Juni, berichtete Schroth. Den Landwirten kam dabei zugute, dass es lange trocken blieb, das Heu also nicht verregnet wurde.
Ursprünglich aus Italien
Forschungen Schroth berichtete in der jüngsten Gemeinderatssitzung auch von Forschungsergebnissen über den Krokus. So hätten Wissenschaftler kürzlich herausgefunden, dass der wilde Zavelsteiner Krokus zur Gattung des „Crocus neglectus“ gehöre. Der lateinische Ausdruck „neglectus“ bedeutet so viel wie „vernachlässigt“ oder „übersehen“. Lange wurde geglaubt, dass der Zavelsteiner Krokus eine andere Art ist. Nach Schroths Worten kommt der „Crocus neglectus“ aus der Region um Mittel- bis Nordwestitalien.
Außerdem werde der Krokus älter als bisher bekannt sei, berichtete Schroth. Es gebe zudem Hinweise, dass Wühlmäuse keine Gefahr für den Krokus seien. Die Pflanze sei ein „Leckerli für Tiere“.
Alleinstellungsmerkmal Bürgermeister Markus Wendel bezeichnete den Krokus als „wertvolle Blume“ für Bad Teinach-Zavelstein. Sie sei ein „Alleinstellungsmerkmal“. „Die Entwicklung kann sich sehen lassen“, sagte der Rathauschef zu den von Schroth vorgelegten Zahlen.
Von Generation zu Generation weitergeben
Kosten Die Stadt lasse sich die Pflege der Krokuswiesen 6000 bis 8000 Euro im Jahr kosten, berichtete der Bürgermeister im Gemeinderat. „Es bringt was“, sagte er zu dieser Investition. Es werde sich immer ein „Eckle“ im Haushalt für dieses „tolle Projekt“ finden, versicherte Wendel: „Wir bleiben dran.“ Es gelte, diese Besonderheit von Generation zu Generation weiterzugeben.
Vermarktung Der Krokus ist auch sonst in der Stadt Bad Teinach-Zavelstein präsent. So heißt die Grundschule Krokusschule.
Auf den Ortsschildern von Zavelstein steht die Zusatzbezeichnung Krokusstadt. Das Innenministerium von Baden-Württemberg genehmigte im Jahre 2022 diese Bezeichnung für den Stadtteil Zavelstein.