Auch Erdkröten sind in Neuried zu Hause. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Frösche und Kröten machen sich derzeit auf in Richtung ihrer Laichplätze – auch in Neuried. Um sie vor dem Straßenverkehr zu schützen, ist die BUND-Ortsgruppe aktiv.

Der Winter neigt sich dem Ende zu und der Frühling rückt näher. Das bedeutet auch: die Amphibien begeben sich auf ihre Wanderung zu den Laichplätzen. Im Ried hat die Amphibienwanderung schon seit etwa drei Wochen begonnen.

 

Ein besonders beliebtes Laichgebiet für Frösche und Kröten ist der Wassergraben „Schütterle“, der sich zwischen Altenheim und Goldscheuer durch die Rheinebene zieht. Um zu dem Gewässer zu gelangen, nehmen die Tiere einen gefährlichen Weg auf sich – über die vielbefahrene L 75.

Um die Amphibien vor der tödlichen Gefahr des Straßenverkehrs zu schützen, engagiert sich seit vielen Jahren die BUND-Ortsgruppe Neuried. Siegfried Schaub ist seit langem für die Ortsgruppe aktiv und erklärt, wie sich die Situation für die Tiere entwickelt hat.

Straßenbauamt stellt den Schutzzaun für die Amphibien auf

Etwas mehr als 500 Tiere hätten die Helfer in diesem Jahr schon über die L 75 getragen, zieht Schaub im Gespräch mit unserer Redaktion eine erste Bilanz. Es gibt ein eingespieltes Unterstützerteam. BUND-Mitglied Jürgen Stude organisiere und koordiniere seit mehr als zehn Jahren die Einsätze der Ehrenamtlichen und auch die Gemeinde und Förster Gunter Hepfer helfen.

Die Amphibien sind bei dem L 75-Abschnitt zwischen Altenheim und Goldscheuer mit einer Barriere konfrontiert. Das Straßenbauamt der Gemeinde hat wie auch in den vergangenen Jahren einen Krötenschutzzaun aufgestellt. Die Tiere kommen aus dem Altenheimer Wald und sammeln sich bei der künstlichen Barriere.

Von dort werden sie von den Ehrenamtlichen mit Eimern auf die andere Straßenseite befördert. Nur so gelangen sie zu ihrem Laichgewässer. Die Zahl der eingesammelten Tiere wird noch anwachsen. „Wir erwarten einen Schub“, erzählt Schaub mit Blick auf die kommenden Tage und Wochen. Bis etwa Ende März dauere die Wanderzeit der Amphibien. Wenn die Temperaturen weiter steigen und noch Regen hinzukommt, ziehen die Tiere in Scharen vom Altenheimer Wald Richtung Wassergraben.

Der Laichplatz „Schütterle“ wurde über die Jahre immer populärer

Aber weshalb wandern die Amphibien hier überhaupt in so großer Zahl aus dem Waldstück zum Gewässer jenseits der L 75? Schließlich gibt es auch westlich der Straße reichlich Wasserflächen. „Das hat sich sukzessiv entwickelt“, erklärt Schaub. Der Graben ist ein Überlauf der Schutter, der später in den Mühlbach führt – ein Hochwasserschutzprojekt. „Die Flora und Fauna dort stimmt“, so Schaub mit Blick auf die Amphibien. „Frösche und Kröten laichen dort, wo sie geboren sind“, erklärt er. So wurde der Laichplatz über die Jahre immer populärer. Ersatzleichgewässer anzulegen, das sei nicht immer erfolgreich.

Und so braucht es jedes Jahr wieder Freiwillige, die den Tieren über die Straße helfen. 20 bis 25 Helfer seien sie momentan, berichtet Schaub. Da in den kommenden Wochen die Zahl der auf Wanderschaft gehenden Frösche und Kröten weiter zunehmen wird, sind noch Helfer gesucht (siehe Info). Zweimal am Tag rücken die Ehrenamtlichen an und sammeln die Amphibien ein – morgens vor der Dämmerung und am späten Abend. „Viele Tierschützer sind mit Hingabe dabei“, freut sich Schaub und hofft, dass es noch mehr werden.

Trotzdem gibt es auch Sorgen. Die Erdkröte hat einen Lebensraum im Altenheimer Wald. Voraussetzung ist, dass es feucht genug ist. Heiße und trockene Sommer setzen der Art zu. Früher hätten die Kröten den Großteil der über die Straße transportierten Tiere ausgemacht, erinnert sich Schaub. Auch in anderen Regionen sei das der Fall gewesen. Das habe sich vor fünf bis acht Jahren umgekehrt, so seine Beobachtung im Ried. Inzwischen seien es zum großen Teilen Frösche, die sich am Amphibienzaun ansammeln.

„Aber nicht jedes Jahr ist ein Krötenjahr“, erklärt Schaub. Viele Faktoren können dabei eine Rolle spielen. Nicht nur die Autos auf den Straßen sind eine Gefahr für die Tiere. Viele der Nachkommen werden auch Opfer ihrer zahlreichen Fressfeinde. Die Kröten stehen unter anderem auf der Speisekarte des Graureihers.

Helfer gesucht

Wer sich an den Amphibienrettungsaktionen beteiligen möchte, darf sich bei Jürgen Stude vom BUND-Neuried melden. Er ist unter Telefon 07807/ 95 76 12 und per E-Mail an die Adresse juergen.stude@t-online.de zu erreichen. Er koordiniert die Einsätze – auch mit dem Onlineplaner „Doodle“. Auch mit Hilfe einer Whatsapp-Gruppe koordinieren sich die Helfer. Willkommen sind auch Mitstreiter, die nur an einzelnen Tagen oder nur unregelmäßig beim Amphibienschutz unterstützen können.