Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder stellte vor, wie sein Ministerium die Kosten für den Führerschein senken will. Was der Fahrschullehrer René Bender dazu sagt.
„Dass wir eine Reform brauchen, ist schon lange klar, sagt René Bender, Fahrschullehrer und Inhaber der Fahrschule Renés Drive Academy in Horb. Doch die vom Bundesverkehrsministerium veröffentlichten Pläne für die Kostensenkung beim Führerscheinerwerb entsprechen nicht den Vorstellungen der Fachwelt – im Gegenteil, sie kritisiert Minister Patrick Schnieder stark.
Doch nicht allen von Schnieders Plänen widerspricht Bender. „Änderungen vorzunehmen, die den Einsatz eines Simulators möglich machen und man diese dann als Schaltersatz abnehmen darf, ist meiner Meinung nach sinnvoll“, erklärt er.
Derzeit ist dies nicht möglich: Simulatorfahrten gelten nicht als gleichwertig. „Zusätzlich ist ein Simulator für die Fahrschule günstiger, als ein Fahrzeug mit Fahrlehrer zu stellen. Somit wäre es auch möglich ,dem extremen Personalmangel in unserer Branche entgegenzuwirken“, so der Fahrlehrer.
Doch hier enden die Gemeinsamkeiten auch schon wieder. „Die Milchmädchenrechnung, welche der Verkehrsminister vorgeschlagen hat, den Theorieunterricht digital stattfinden zu lassen, macht absolut keinen Sinn“, meint Bender. Es fehle die Diskussion.
Themen, die elementar für die Gesellschaft sind
„Wie soll in digitaler Form Gefahrenbewusstsein wahrgenommen werden, wenn dies nicht mehr präsent ist?“, fragt er sich. Im Präsenzunterricht würden Dinge besprochen, die elementar für die Gesellschaft seien – allen voran die Themen Vorfahrt und Technik.
Auch, dass durch digitalen Unterricht Kosten für Räumlichkeiten wegfallen, sieht er nicht: „Leider hat er (Patrick Schnieder, Anmerkung d. Red.) hierbei vergessen, dass die Fahrschulen Räumlichkeiten für den Simulator brauchen.“
Pro Preistransparenz, contra Durchfallquote
Weiter hat Bundesverkehrsminister Schnieder geplant, dass Fahrschulen ihre Preise online veröffentlichen müssen. Bisher besteht diese Pflicht nur für die Unterrichtsräume. Sowohl der Landesfahrlehrerverband Baden-Württemberg als auch die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) begrüßen diese Änderung. Wo beide Verbände mehr Probleme sehen, ist bei der Veröffentlichung der Bestehensquote. „Hinsichtlich unterschiedlicher Gebiete (Großstadt/Land) und der jeweiligen Klientel der Fahrschulen (Schüler/Abiturienten/Jugendliche aus sozialen Brennpunkten) sind die Voraussetzungen, die Prüfung auf Anhieb zu bestehen, nicht oder zumindest nur schwer vergleichbar“, sagt der Landesverband.
Der BVF führt aus: „Die Folge ist eine zunehmende Ungleichbehandlung der Fahrerlaubnisbewerber. Weniger bildungsaffine Personen oder Bewerber ohne Fahrerlaubnisvorbesitz werden schwer eine Fahrschule finden oder mehr bezahlen müssen.“ Schließlich müsse sich jeder Fahrlehrer zukünftig sehr gut überlegen müssen, wen er aufnehmen will.
Wissenschaftliche Konzepte liegen auf dem Tisch
Am Ende bleibt eine Einladung an das Bundesverkehrsministerium: „Unsere Konzepte, die wissenschaftlich basiert sind, um die Fahrausbildung effizienter zu machen, liegen auf dem Tisch. Schauen Sie sich diese an und gehen Sie mit uns diesen Weg! Professionelle Fahrausbildung bedeutet weniger Fahrstunden und damit eine wirkliche Kostenreduzierung“, schreibt der BVF in der Mitteilung.
Wie die Änderungen für den Führerscheinerwerb auch kommen möchten, Bender sieht seine Fahrschule gut aufgestellt: „Wir sind schon sehr digital unterwegs, bei uns würden keine großen Änderungen bevorstehen. Lediglich der Einsatz eines Simulators wird dann erforderlich.“ Und dafür ist in den Räumen der Fahrschule noch genug Platz.
Die Pläne des Bundesverkehrsministeriums im Detail
Bei der theoretische Fahrausbildung
soll die Pflicht zum Präsenzunterricht verfallen und die Wissensvermittlung vollständig digital ermöglicht werden. Zu Räumen und Unterrichtsstruktur soll es keine Vorgaben mehr geben und der Fragenkatalog soll um ein Drittel reduziert und verständlicher formuliert werden.
Für die praktische Ausbildung
soll der Einsatz von Fahrsimulatoren erweitert werden, beispielsweise um das Fahren mit einem Schalter zu Lernen. Die Nacht- und Autobahnfahrten sollen reduziert werden und können ebenfalls teilweise im Simulator stattfinden. Zugleich will das Ministerium die Zeit für die praktische Prüfung auf das EU-Mindestmaß von 25 Minuten senken. Auch Bürokratieabbau durch einfachere Dokumentationspflichten und Vorgaben ist geplant. Zudem soll noch geprüft werden ob Laien, beispielsweise Eltern, bei der Ausbildung helfen könnten.
Mehr Transparenz
will das Bundesverkehrsministerium dadurch erreichen, dass die Fahrschulen ihre Preise nicht mehr nur vor Ort, sondern auch online veröffentlichen müssen. Zudem sollen die Durchfallquoten der Fahrschulen online sichtbar sein, damit Interessierte diese vergleichen können.