Mit seinen Zweifeln am Format des CDU-Spitzenkandidaten steht der Chef der Mittelstandsunion nicht alleine da. Abzulesen ist das auch am Wahlergebnis.
Nun fallen alle über ihn her. Mit seiner Kritik am CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel und dessen Wahlkampf hat sich der Landeschef der Mittelstandsvereinigung, Bastian Atzger, in der Partei gründlich unbeliebt gemacht. Tatsächlich war der Zeitpunkt seiner Attacke, mitten in der schwierigen Sondierung mit den Grünen, für die CDU wenig hilfreich. Und der MIT-Chef muss sich fragen lassen, warum er seine Stimme nicht schon früher und lauter erhoben hat. Doch die Resonanz auf seine Wortmeldung ist auch deshalb so groß, weil sie einen heiklen Punkt trifft: die dahinter stehende Frage, ob Hagel das nötige Format für das Amt des Ministerpräsidenten mitbrachte.
Die örtlichen Kandidaten überzeugten mehr als Hagel
Offiziell wollen die CDU-Oberen nach wie vor nichts von solchen Zweifeln wissen. Vielen CDU-Wählern ging es aber offenbar ähnlich wie Atzger. Während sie den Wahlkreiskandidaten ihr Vertrauen schenkten, taten sie sich mit dem wenig profilierten Vormann der Partei schwerer. Abzulesen ist das an fast fünf Prozentpunkten Differenz zwischen Erst- und Zweitstimmen. Hätte Hagel im gleichen Maße überzeugt wie seine örtlichen Parteifreunde, wäre die Rückeroberung der Macht im Südwesten klar gelungen. Ein Mann mit mehr Erfahrung und Statur wie der Kanzleramtsminister Thorsten Frei, meinen Politologen, hätte das Rennen gemacht. Frei indes stand nicht zur Verfügung. Bei allem Ärger über Atzger: Beim nächsten Anlauf sollte die Südwest-CDU ihr personelles Angebot vielleicht selbstkritischer hinterfragen.