Viele ältere Menschen bleiben bei digitalen Angeboten außen vor, kritisiert der Kreisseniorenrat. Er wünscht sich größere Sensibilität bei den Behörden.
Viele Senioren fühlen sich von der digitalen Transformation des Alltags und dabei vor allem auch der öffentlichen Verwaltung ausgegrenzt.
Nach einer breit angelegten Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) verfügen 16 Prozent der mehr als 2300 befragten Senioren im Alter ab 60 Jahren über kein Internet.
Die öffentliche Verwaltung sorgt für große Probleme
20 Prozent betrachten sich diesbezüglich als Anfänger mit geringen digitalen Kompetenzen, die in vielen Bereichen wie öffentliche Verwaltung/Bürgerdienste in der Kommune, Post- und Bankgeschäfte, Verträge im Haushalt, Einkaufen und Bezahlen auf unüberwindliche Barrieren stoßen.
Die nach der konstituierenden Vorstands- und Ausschusssitzung des Kreisseniorenrats Rottweil personell wieder komplette Projektgruppe Internet will die Studie nun auswerten und sich der Frage widmen, wie hier Defizite bei den Senioren, aber auch bei den Anbietern von Internet-Diensten verringert und beseitigt werden können.
Senioren und ihre Belange wurden schlicht vergessen
Der Vorsitzende der Projektgruppe Internet, Vorstandsmitglied Peter Wolf, wies in der Sitzung auf die BAGSO-Studie und ihr in seinen Augen erschreckendes Ergebnis hin. Gerade die öffentliche Verwaltung mit ihren Internet-Diensten stelle eine Mehrzahl der befragten Senioren – bis zu 90 Prozent in Teilbereichen – vor enorm große Probleme. Wolf nannte in diesem Zusammenhang zwei Internet-Dienste, welche den Senioren kaum lösbare Schwierigkeiten bereitet hätten: die digitale Vereinbarung von Terminen für die Corona-Impfung und die Grundsteuer-Erklärung per Internet.
Aus Wolfs Sicht wurden hier die Senioren und deren Belange einfach nicht berücksichtigt oder vergessen.
Kommunale Verwaltungen müssen sensibilisiert werden
Mit seinem Vorschlag, der Kreisseniorenrat oder die Internet-Projektgruppe möge sich des Themas annehmen und eruieren, wie die Senioren noch besser an das Internet herangeführt werden könnten, stieß er bei den Vorstands- und Ausschussmitgliedern auf offene Ohren.
Auch müssten die kommunalen Verwaltungen im Kreis Rottweil dafür sensibilisiert werden, dass es noch viele ältere Menschen gebe, die überhaupt keinen Internet-Zugang oder große Probleme hätten, beispielsweise digitale Formulare auszufüllen, beziehungsweise entsprechende Informationen per Internet zu erhalten.
Zur konstituierende gemeinsamen Sitzung treffen sich nach den Wahlen die Vorstands- und Ausschussmitglieder des Kreisseniorenrats.