Die von der Narrengilde Lörrach erprobte Streckenführung mit doppeltem Umzugsstart stößt wegen längeren Staus auf Kritik. Indes: Es gibt Gründe für die Verzögerungen.
Die Fasnacht liegt vielen Menschen in der Region am Herzen. Das zeigen auch die Reaktionen in den Sozialen Medien: Allein auf dem Facebook-Auftritt unserer Zeitung gab es bis Montagnachmittag knapp 50 Kommentare zum Sonntagsumzug, der tags zuvor Tausende Besucher in die Innenstadt gelockt hatte.
Gestartet wurde am Sonntag an zwei Standorten – gleichzeitig: in der Palmstraße und auf dem Neuen Marktplatz. Kritik bezog sich vor allem auf Phasen des längeren Stillstands auf der neuen Streckenführung.
Unmut und Verständnis in Facebook-Kommentaren
Dazu meint ein Facebook-Nutzer: „Die neue Routenführung hat nicht funktioniert. Am Senigallia Platz war die meiste Zeit Stillstand. Als dann die Sonne ging, gingen wir auch.“ Verständnis gibt es für die Fasnächtler im Zug: „Mir taten die Aktiven leid. Ewig in die selben Gesichter schauen. Der Jubel ebbt auch irgendwann ab, wenn der Zug nicht zieht, sondern steht.“
Einige Kommentatoren werben für Verständnis mit der Narrengilde: „Ich habe mit den armen Leuten der Gilde gesprochen, die teils übelst angefeindet wurden“, schreibt einer. Und weiter: „Ja ich versteh die Narren... ich versteh die Zuschauer... aber bitte den Shitstorm an die richtigen Stellen bringen.“
Die Lörracher Narrengilde solle aus dem Umzug lernen, heißt es an anderer Stelle: „Denn Frohsinn und Spaß wäre Balsam für manch geschundene Seele.“
Die Überlegungen der Narrengilde
Es gibt aber auch positive Stimmen. Ein Kommentator schreibt: „Ja, manchmal hat es gestockt... einmal echt ewig, aber sonst ok, besser als ewig lange Lücken. Sollte man dran arbeiten. Trotzdem war es toll und den Pin alle mal wert.“
Diesen Gedanken griff Obergildenmeister Michael Lindemer am Montagabend im Gespräch mit unserer Zeitung auf. Es sei ein zentrales Anliegen der Gilde gewesen, den Umzug kompakter und zügiger durch die Innenstadt zu führen. Beides sei im Grundsatz gelungen – leider mit den Einschränkungen, die nun in der öffentlichen Debatte kritisch wahrgenommen werden.
Das sagt der Obergildenmeister
Der Umzug zählte rund 2600 Teilnehmer, die die Strecke in zweieinhalb Stunden absolvierten. Größere Lücken, die gelegentlich bei früheren Umzügen ein Problem waren, habe es diesmal nicht gegeben, stattdessen den – ebenfalls ungewollten – Stillstand. Dieser sei insbesondere durch zwei Problemlagen verursacht worden, so Lindemer. Zum einen durch einen Poller beim Burghof, der zunächst nicht abgesenkt war. Zum andern durch einen Traktor, der im Bereich der Sparkasse irrtümlich, offenbar aus einem Missverständnis heraus, eine Lücke nicht schloss, sondern zunächst Halt machte. Hierdurch, erklärt der Obergildenmeister, hätten sich Rückstaus gebildet, die den großen Zug letztlich länger aufhielten als die eigentliche Ursache der Verzögerung.
Er bat auch insofern um Verständnis, als die Narrengilde gerade bei der Umsetzung neuer Ideen für Großereignisse wie den Sonntagsumzug diese nicht in einem Übungsszenario austesten könne: „Man kann so etwas nicht auf dem Papier bis ins Detail durchspielen. Wir haben bei Veranstaltungen wie dem Umzug nur einen Versuch.“ Die Narrengilde werde sich die Zusammenhänge mit Blick auf den Fasnachtsumzug im kommenden Jahr nochmal genau anschauen, versicherte er abschließend.