Die Schutterzeller Unternehmer Franz Schönhoff-Eichner (rechts), Sarah Moser und Sören Ehret sehen durch die Vollsperrung ihren Geschäftsbetrieb stark beeinträchtigt. Foto: Wolf

Wer nach Schutterzell möchte, muss Umwege fahren. Die Straßen vom südlichen Ortsausgang nach Kürzell und Schuttern sind gesperrt. Unternehmer üben Kritik.

Die Fahrt von Kürzell oder Schuttern ins benachbarte Schutterzell dauert mit dem Auto normalerweise nur wenige Minuten. Seit Anfang der Woche ist das anders. Die nächste Bauphase des Radwegeneubaus entlang der K 5339 hat begonnen. Die Umfahrung führt nun über Ichenheim oder über Friesenheim nach Niederschopfheim und von dort nach Schutterzell. Lokale Unternehmer sehen sich besonders betroffen und beklagen schlechte Kommunikation seitens der Gemeinde und des Landratsamts.

 

Franz Schönhoff-Eichner kommt aus Neuried und ist seit Jahren als Unternehmer in Schutterzell tätig. Zusammen mit seinem Mann vermietet er Wohnungen, darunter auch Ferienappartements, und betreibt einen Friseursalon. Die Sperrungen, berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion, würden schon jetzt für Probleme sorgen. „Unser Friseursalon ist auf Kundschaft aus dem Umland angewiesen“, erklärt Schönhoff-Eichner. Wer nicht ortskundig sei, habe Schwierigkeiten, in den Ortsteil zu finden. Zudem dauere es schlicht deutlich länger, es komme zu Verspätungen.

Schönhoff-Eichners Ferienwohnungsgäste hätten ebenfalls Probleme, die Umfahrung zu finden, erklärt er bei einem Besuch unserer Redaktion vor Ort in Schutterzell. Seine Gäste kämen oft auch aus dem Ausland, insbesondere wegen des Europa-Parks. Die Fahrt von Schutterzell nach Rust ist nun umständlicher. Der Unternehmer sieht durch diesen temporären Standortnachteil eine Gefahr für seine wirtschaftliche Grundlage.

Betriebsgelände ist nur umständlich zu erreichen

Unmittelbar betroffen ist auch Sarah Moser. Sie führt zusammen mit ihrem Bruder das Unternehmen Kopf Landmaschinen. Die Fahrt zum Betriebsgelände zeigt die Problematik. Es liegt zwar auf der Gemarkung Schutterzell, aber schon hinter dem Ortsausgang. Eine Absperrung der vorbeiführenden Straße (Richtung Kürzell) ist bereits vorher zu sehen. Wer zu dem Landmaschinenunternehmen fahren will, hat die Wahl, einen Wirtschaftsweg, der bis auf Ausnahmen eigentlich nicht befahren werden darf, zu nutzen oder an der Absperrung vorbei zu fahren. Gerade für die tonnenschweren Laster, von denen mehrere jede Woche auf das Gelände fahren, sei das ein Problem, berichtet Moser. Sie bemängelt wie auch Schönhoff-Eichner die aus ihrer Sicht unzureichende Beschilderung. So stünde am südlichen Ortsausgang „frei bis Baustelle“, nicht aber bis zum Firmengelände.

In unmittelbarer Nachbarschaft betreibt auch Sören Ehret ein Unternehmen: den Pflegedienst Pflegebrüder Ambulant. „Wir haben den Dienst nach vorne verlegen müssen“, berichtet er. Seine sechs Mitarbeiter sind ständig unterwegs, ihr Zeitplan getaktet – und nun durch die Sperrung und Umleitungen durcheinandergewirbelt. Gerade bei den älteren Menschen seien feste Zeiten und Routinen wichtig, erklärt Ehret. Alle drei jungen Unternehmer bemängeln die Kommunikation seitens Gemeinde und Kreis. Die Sperrung sei kurzfristig angekündigt worden – ohne eine Vorlaufzeit, kritisiert Schönhoff-Eichner. Sie hätten sich gewünscht, dass die Gemeinde frühzeitig auf die lokalen Unternehmer zugegangen wäre, erklären Schönhoff-Eichner, Moser und Ehret.

Neurieds Bürgermeister Tobias Uhrich erklärt auf Anfrage unserer Redaktion: „Bereits im vergangenen Jahr wurde in einer öffentlichen Ortschaftsratssitzung durch die Straßenbaumeisterei klar kommuniziert, dass es zu einer Sperrung kommen wird.“ Das jetzige Vorgehen bei den Baumaßnahmen sei aus Sicht der Gemeinde Neuried sinnvoll, um die Maßnahmen effizient und zügig umzusetzen. „Auch wenn die zeitgleiche Sperrung von zwei Verbindungen eine Belastung darstellt, ist sie aufgrund der technischen Notwendigkeiten nachvollziehbar“, begründet Uhrich.

Landratsamt begründet Sperrung

Schönhoff-Eichner bezweifelt das: „Da gibt es zu 100 Prozent eine bessere Lösung.“ Zunächst eine der beiden Straßen zu sperren, halte er für sinnvoller. Er habe sich auch selbst an das Landratsamt gewandt und nachgehakt.

In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, erklärt der Kreis: „Die Maßnahme umfasst neben der Erneuerung der Fahrbahn und dem Neubau des Gehweges auch die Verlegung von Leitungen und die Aufweitung der Straße.“ Hierfür müsse die Straße in weiten Teilen vollständig geöffnet werden. „Von der bisherigen Fahrbahn bleibt nur sehr wenig erhalten, weshalb ein Durchfahren nicht vertretbar wäre“, begründet das Landratsamt die Vollsperrung.

Wie lange die Menschen in der Region mit der Sperrung leben müssen, ist noch offen. Das Landratsamt erklärte in einer Pressemitteilung vom 27 August, dass die Sperrung bis voraussichtlich Ende des Jahres andauern werde. Oder geht es doch schneller? Bürgermeister Uhrich erklärt auf Anfrage: „Die ursprünglich bis Ende 2025 angekündigte Sperrzeit war bewusst großzügig bemessen, um Spielräume für unvorhersehbare Verzögerungen zu berücksichtigen. Wir arbeiten jedoch mit Nachdruck daran, die Vollsperrung deutlich kürzer zu halten.“

Zusätzliche Arbeitskolonne wird eingesetzt

So sieht es auch das Landratsamt: „Unser Ziel ist es, die Arbeiten an der Ortseinfahrt Schutterzell so zu beschleunigen, dass die Sperrung zwischen Schutterzell und Kürzell nach rund neun Wochen wieder aufgehoben werden kann“, so Pressesprecher Florian Würth auf Anfrage. Dieser Zeitrahmen sei realistisch – vorausgesetzt, es komme nicht zu größeren Verzögerungen durch Witterung oder unvorhersehbare Ereignisse. Um das zu erreichen, werde zusätzlich eine weitere Arbeitskolonne eingesetzt, die parallel arbeitet, so Würth.