Wer sich in Freiburg für Einweggeschirr und -besteck entscheidet, zahlt seit dem 1. Januar Verpackungssteuer. Foto: Alexander Heinl/dpa

Neue Preise auf dem Kassenbon, kuriose Schlupflöcher und Debatten im Netz: Die seit dem 1. Januar geltende Verpackungssteuer prägt den Alltag in Freiburg spürbar.

Ob beim Besuch eines Fast-Food-Restaurants, beim Kaffee-to-Go, auf Aushängen in vielen Bäckereien oder einfach nur beim Blick in die Sozialen Medien: An der zum 1. Januar 2026 eingeführten Verpackungssteuer in Freiburg kommt so gut wie niemand vorbei.

 

Die neue Steuer, die der Breisgau-Metropole ab vollständiger Umsetzung laut Stadt pro Jahr Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro bringen soll, gilt „bei Einwegverpackungen, -geschirr und -besteck, sofern Speisen und Getränke darin beziehungsweise damit für den unmittelbaren Verzehr an Ort und Stelle oder als mitnehmbares Take-away-Gericht oder To-go-Getränk verkauft werden“.

So steht es auf der Homepage der Stadt Freiburg, die die Verpackungssteuer nach einem Gemeinderatsbeschluss im Mai zu Jahresbeginn 2026 eingeführt hat. Und die Rückmeldungen ließen nicht lange auf sich warten. „Die Verpackungssteuer ist für viele im Alltag sichtbar. Entsprechend gibt es positives wie negatives Feedback aus der Bevölkerung; und natürlich Fragen zur Verpackungssteuer und Mehrwegnutzung“, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion von der Stadt, die auf ihrer Homepage ausführlich auflistet, welche Verpackungen zu besteuern sind – und welche nicht.

Kuriose Ideen bei Gastronomen

Das führte bereits in den Tagen nach der Einführung der Steuer zu bisweilen kuriosen Ideen. Beispiel gefällig? Ein Standbetreiber auf dem Freiburger Münstermarkt, der dort Desserts anbietet, kürzte die Holzgabeln, die er seinen Kunden zum Verzehr ausgibt, auf unter zehn Zentimeter Länge. Denn: „Besteck einschließlich Trinkhalme kleiner als zehn Zentimeter unterliegt nicht der Verpackungssteuer“, erklärt die Stadt auf ihrer Homepage. Das Video, in dem der Gastronom das Besteck kürzt, ging in Instagram viral, gut 1,8 Millionen Nutzer haben das Video bislang gesehen.

Diskussionen auch in der Politik

Auch das Café Ambrosia im Freiburger Osten machte in den Sozialen Medien auf die Probleme für Gastronomen mit der neuen Verpackungssteuer aufmerksam. In einem Video der Gemeinderatsfraktion der FDP und Bürger für Freiburg (BFF) geht’s um teils skurrile Auswüchse beim Berechnen der Preise inklusive Verpackungs- und Mehrwertsteuer. Die denkbar einfache Lösung des Cafés in Littenweiler: Einwegverpackungen für Getränke, warme Speisen und Eis gibt es seit dem 1. Januar nicht mehr.

Kritik an der Steuer kam und kommt jedoch nicht nur von der Gastronomie. Im Netz wurde eine Online-Petition gestartet und, die – Stand Freitag –schon fast 2000 Mal unterzeichnet wurde. Auch Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) ist bekanntlich kein Freund der Verpackungssteuer. Im Gemeinderat scheiterte er jedoch seinerzeit mit dem Versuch, sie noch zu stoppen.

OB Martin Horn ist kein Fan der neuen Steuer

Beim Neujahrsempfang der Kreisverbände des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) aus Freiburg und Umland erneuerte er seine Kritik. Er hoffe, so Horn, dass der Gemeinderat sich im Laufe des Jahres noch einmal mit der umstrittenen Abgabe beschäftigt.

Ähnlich hatte er sich schon Mitte Dezember in einem Video auf seinen Kanälen in den Sozialen Medien geäußert. „Aus Stadtsauberkeitsgründen kann man das ja gut finden – ich auch. Ich bin auch für mehr Stadtsauberkeit. Aber ich glaube, es ist der falsche Weg und zur falschen Zeit und auf die falsche Art“, sagte er in dem Kurzfilm.

Parallel gestartete Mehrwegoffensive soll für weniger Müll sorgen

Er hätte sich gewünscht, dass zunächst auf Mehrweg gesetzt wird, bevor eine Steuer eingeführt wird, so der OB. Der Gemeinderat hatte jedoch andere Pläne und votierte knapp für die Steuer. Die Verwaltung startete nun parallel zur Verpackungssteuer auch eine Mehrwegoffensive. „Unser Ziel ist es, die Umstellung auf Mehrweg bestmöglich zu unterstützen“, erklärt die Stadt. Und: „Das Ziel unserer Mehrwegoffensive ist eine deutlich höhere Mehrwegquote, weniger Müll und mehr Stadtsauberkeit.“

So viel kostet es

50 Cent werden seit 1. Januar für jede Einwegverpackungen und -geschirr fällig, jedes Einwegbesteck(-set) kostet 20 Cent. Die Preise werden dabei für jede Verpackung einzeln fällig. Wer also bei McDonalds einen Burger, eine Portion Pommes und ein Getränk bestellt, bezahlt dreimal 50 Cent Verpackungssteuer – zuzüglich Mehrwertsteuer. Ab vollständiger Umsetzung rechnet die Stadt mit Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro pro Jahr.