Der Burladinger Pflegeunternehmer Kaspar Pfister bemängelt den neuen Gesetzentwurf zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung. Foto: Steffen Roth

Kaspar Pfister, Burladinger Gründer der BeneVit Gruppe und Initiator des Pflegekonzepts Stambulant, übt scharfe Kritik am jüngsten Gesetzentwurf.

In dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP), das eigentlich schon 2026 in Kraft treten soll geht es darum, Pflegefachkräften mehr Kompetenzen zu erteilen. So sollen sie unter anderem eigenverantwortlich Leistungen erbringen und Pflegehilfsmittel verordnen könne. Damit einhergehen soll eine Entbürokratisierung, damit sich für die Pflegenden der Aufwand reduziert.

 

Der Gesetzentwurf ist nach Meinung des aus Burladingen stammenden BeneVit-Gründers Kaspar Pfister aber alles andere als ein großer Wurf. In einer Pressemitteilung übt der scharfe Kritik und erläutert das Problem aus seiner Sicht.

Mal wieder eine Kommission eingesetzt

Der Entwurf, so Pfister, schaffe für Pflegeanbieter keine Sicherheit für Investitionen und gefährde damit die dringend notwendige Weiterentwicklung der Pflege in Deutschland. Dafür werde mal wieder eine Kommission eingesetzt, die weitere zwölf Monate Zeit vergeude, um die Details zu definieren. Details, die nach Pfisters Meinung seit über neun Jahren erprobt und mehrfach wissenschaftlich evaluiert wurden, sollen nun von den Spitzenverbänden geprüft, vielleicht übernommen oder neu erfunden werden. Pfister schimpft über „eine Endlosschleife“.

„Ohne klare gesetzliche Regelung bleibt alles eine ‚Kann‘-Bestimmung – und wird zum Investitionsverhinderungsgesetz“, warnt der engagierte Pflegeunternehmer. Seit neun Jahren werde das Modell Stambulant erfolgreich in der Praxis erprobt, es sei mehrfach wissenschaftlich evaluiert worden und das mit klaren Ergebnissen.

Es bringe 30 Prozent geringere Kosten für Pflegekassen, bis zu 1 000 Euro weniger Eigenanteil für Pflegebedürftige und nachweislich höhere Zufriedenheit bei Mitarbeitenden und Bewohnern.

Hundert Millionen Euro Investitionen liegen auf Eis

Pfister betont, dass die BeneVit Gruppe sofort über 100 Millionen Euro privat investieren würde – ohne Fördermittel. Doch die fehlende Rechtssicherheit halte ihn und viele andere Träger zurück. In einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon, die auf Pflegeunternehmen spezialisiert ist, werde von der Altenpflegebranche das Konzept Stambulant an die erste Stelle der Lösungen der Herausforderungen heute und in der Zukunft gesetzt. Die Politik greife diese Chance aber nicht auf. „Was uns fehlt, ist Verlässlichkeit. Die Altenpflege muss modernisiert werden, deshalb dürfen Investitionen nicht länger blockiert werden“, so Pfister.

Mehr als 30 Kommunen in vier Bundesländern fordern seit über fünf Jahren die gesetzliche Verankerung als Regelleistung und stehen bereit, Stambulant einzuführen. Rund 600 Plätze könnten neu entstehen – doch ohne klare gesetzliche Grundlage bleibt alles auf Eis. „Gute Ideen setzen sich durch – aber nicht, wenn sie in Paragrafen stecken bleiben oder in Kommissionen zu Tode diskutiert werden“, fasst Pfister zusammen.