Im Kirchenbezirk Sulz (hier: die Kilianskirche in Mühlheim) sollen fünf Pfarrstellen wegfallen. Foto: Heidepriem

Fünfeinhalb Pfarrstellen will die evangelische Landeskirche Württemberg im Kirchenbezirk Sulz streichen. Gegner der Pläne sammeln Unterschriften – wollen aber lieber nicht an die Öffentlichkeit.

Unterschriften sammelt man üblicherweise, um sein Anliegen an die Öffentlichkeit zu tragen. Im Kirchenbezirk Sulz aber scheint das ganz anders zu sein.

 

Darum geht es: Die evangelische Kirche in Württemberg habe mit erheblichem Mitgliederschwund zu kämpfen, berichtet Christoph Hofius, stellvertretender Dekan im Kirchenbezirk Sulz. Es gebe weniger Geburten und damit weniger Taufen. „Und die kirchenverbundenen Jahrgänge sterben allmählich aus“, stellt Hofius fest. Außerdem hätten die Kirchenaustritte angezogen. Daher nähmen die Kirchen weniger Steuern ein.

Gleichzeitig fehlt Personal. Allein 2023, rechnet Hofius vor, würden innerhalb der Landeskirche Württemberg 100 Pfarrer in Rente gehen. Ihnen gegenüber stünden nur 46 Absolventen, die Pfarrer werden wollen.

In der Bezirkssynode regt sich Widerstand

Deshalb streiche die Kirche Pfarrstellen und lege Kirchengemeinden zu größeren Einheiten zusammen, erläutert Hofius. Nach dem „Pfarrplan 2030“ soll bis zum Ende des Jahrzehnts jede vierte Pfarrstelle wegfallen. Den Kirchenbezirk Sulz trifft es weniger hart. Hier sollen „nur“ 21,6 Prozent der Stellen gestrichen werden, fünfeinhalb Pfarrstellen.

In der Bezirkssynode hat sich aber gegen den „Pfarrplan 2030“ Widerstand geregt. Die Bezirkssynode ist das Parlament des Kirchenbezirks. In ihm sind die Pfarrer vertreten sowie Laien – Abgesandte der Kirchengemeinderäte. Die Bezirkssynode Sulz hat mehrheitlich entschieden, gegen den „Pfarrplan 2030“ Unterschriften für eine Petition zu sammeln.

„So schafft die Evangelische Kirche sich selbst ab“

Die Begründung findet sich auf der Internetseite des Kirchenbezirks. „Wer überwiegend am Personal vor Ort spart, trägt zur Schwächung der Gemeinden bei“, heißt es darin. Die Steuereinnahmen würden nicht einbrechen, sondern zunehmen. Zudem machten die Kosten für die Pfarrstellen ohnehin nur 15 Prozent aller Aufwendungen aus.

Auch das Argument „Personalmangel“ akzeptieren die Kritiker nicht. Immerhin gebe es in Deutschland mehr als 10.000 Absolventen in evangelischer Theologie, diese gelte es für das Pfarramt zu gewinnen. Sparmaßnahmen seien kontraproduktiv. „So schafft die Evangelische Kirche sich selbst ab“, heißt es wörtlich.

Unhaltbare Rechenspiele und Äpfel mit Birnen

Starke Worte – doch dazu stehen möchte offenbar niemand. Als ein Verfechter der Aktion gilt nach zuverlässigen Quellen der Bergfeldener Pfarrer Oliver Velm. Tatsächlich hat auch die Kirchengemeinde Sulz-Bergfelden den Protest-Text auf ihre Webseite gestellt. Eine E-Mail unserer Redaktion ließ Pfarrer Velm jedoch unbeantwortet. Am Telefon verwies er an den Vorsitzenden der Bezirkssynode Sulz, Rolf Hölle. Auch Hölle war aber für die Redaktion trotz täglicher Versuche über eine Woche bisher nicht zu erreichen.

Der stellvertretende Dekan Christoph Hofius hat den Text der Unterschriftenaktion pflichtgemäß auf die Internetseite des Dekanats gesetzt, das müsse er als Demokrat tun. „Ich stehe aber in keinster Weise dahinter“, sagt Hofius mit allem Nachdruck. In dem Text würden Äpfel mit Birnen verglichen, Rechenbeispiele seien unhaltbar, Kostenpositionen fehlerhaft eingeschätzt. „Die Petition suggeriert, dass da noch irgendwas geändert werden könnte“, kommentiert Hofius. Besser solle man seine Energie dafür aufwenden, den Pfarrplan bestmöglich umzusetzen. „Ein Ort, eine Kirche, ein Pfarrer“, sagt Hofius, „von diesem Bild der heilen Welt muss man sich verabschieden.“

21.000 Stimmen wurden in der Unterschriftenaktion anvisiert. Unterschrieben hatten bis Freitag genau 216.

Im Wortlaut

Kritiker-Text
Die Begründung der Bezirkssynode für die Petition findet sich auf der Seite des Kirchenbezirks Sulz unter kirchenbezirk-sulz.de/bezirkssynode.