Mehr als 1000 Menschen aus der Region haben am Mittwochabend in Rangendingen protestiert. Der Zuspruch zur Veranstaltung der „Rangendinger Bauern“ war größer als erwartet. Einige Eindrücke von vor Ort.
„Die Veranstaltung haben wir aus einem Jux heraus geplant“, erzählt Florian Dieringer, der zusammen mit Frank Haug, Wendelin Schimminger, Bettina Haug und Peter Widmaier von der Vereinigung „Rangendinger Bauern“ den Protest gegen die Politik der Bundesregierung mitorganisiert hat. Er und seine Mitstreiter rechneten ursprünglich mit etwa 60 Schleppern aus der näheren Umgebung. Doch gekommen sind mehr. Kolossal mehr.
Mehr als 500 Traktoren, Schlepper, Lastwagen und Unimogs stehen in mehreren Reihen gestaffelt auf den Wiesen neben der Ortsausfahrt in Richtung Hirrlingen – alleine aus Balingen sind gut 100 Fahrzeuge nach Rangendingen angefahren. Dazu haben gut 1500 Personen mit ihrer Teilnahme ihrer Solidarität mit den Landwirten friedlich Ausdruck verliehen.
Teilnehmer aus Rangendingen, Hechingen, Balingen
Darunter waren nicht nur Landwirte, sondern auch Handwerker, Lastwagenfahrer, Altenpfleger, Menschen, die an Schulen und in der Gastronomie arbeiten, Gemeinderäte auch aus der Umgebung, kurzum: Versammelt hat sich die Mitte der Gesellschaft.
Die Besucher kamen nicht nur aus Rangendingen, sondern auch aus der weiteren Umgebung, auch aus Hechingen. Die weiteste Anfahrt hatte wohl ein Teilnehmer aus dem Kreis Tuttlingen.
Sie alle eint, was die „Rangendinger Bauern“ zuvor auf ihrem Ankündigungsflyer festgehalten haben: „Zu viel ist zu viel.“ Und sie machten ihrem Unmut über die Politik der Ampel-Koalition Luft. Norbert Neumann aus Dusslingen: „Ich habe die Schnauze voll von der Regierung.“ Diese investiere das Geld ins Ausland, während seiner Ansicht nach Straßen und Kindergartengebäude in Deutschland immer sanierungsbedürftiger würden.
„Landwirte die ärmsten Schweine, die es gibt"
Timo Brenner aus Rottenburg über die Politik der Ampel: „Man kann anfangen und aufhören, wo man will“, es gebe viel zu kritisieren.
Petra, Jana, Nicole und Andrea aus Rangendingen, die sich gemeinsam äußern wollten, bringen ihre Solidarität zum Ausdruck: „Wir sind hier, weil die Landwirte die ärmsten Schweine sind, die es gibt. Es ist genug. Wir machen unsere heimische Landwirtschaft kaputt und holen stattdessen Produkte aus dem Ausland“, die unter deutlich schlechteren Bedingungen hergestellt würden. Und weiter: „Wenn die Landwirte nicht mehr arbeiten, haben wir nichts mehr zum Essen.“
Ein in Rangendingen bekannter Bürger, der seinen Namen lieber nicht im Artikel lesen will, bringt seine Kritik so auf den Punkt: „Die, die nix schaffen, kriegen das Geld, für das ich arbeiten muss und von denen, die schaffen, holt man immer mehr.“ Eine neben ihm stehende Frau befürchtet: „Der Mittelstand stirbt aus.“
Die Abschaffung des Steuerprivilegs auf Agrardiesel, die neue Kfz-Steuer auf landwirtschaftliche Fahrzeuge und die Anhebung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie haben Reiner Plocher aus Sulz nach Rangendingen zur Protestaktion gebracht. Man müsse es sich mal überlegen, meint er im Hinblick auf die Finanzpolitik der Bundesregierung: „Man kann gar nicht mehr erwirtschaften, was die Geld ausgeben.“ Und dann sollten Landwirte und andere Teile der Bevölkerung die Zeche zahlen?
Bauernprotest: Besucher bleiben trotz strömenden Regens
Wie ernst es den Besuchern der Protestaktion ist, hat sich bei der Rede des promovierten Agrarwissenschaftlers, Markus Saile, gezeigt.
Während der Regen immer stärker vom Himmel strömte, blieben die Besucher im Wortsinne standhaft, packten Schirme aus, zogen Mützen über den Kopf – und sparten nicht mit Applaus für die Worte des Rangendingers, der in Hirrlingen eine Landwirtschaft hat.
Jeder kann am Protest am 8. Januar teilnehmen
„Die Politik der Ampel trifft die Landwirtschaft ins Mark“, schmettert Saile im Gespräch mit der Redaktion. Und das insbesondere im Hinblick auf Agrardiesel, Kfz-Steuer und steigende CO2-Abgaben. Für ihn und die Besucher erscheinen nicht nur diese Maßnahmen widersinnig.
Weitere Protestaktionen sind für den kommenden Montag, 8. Januar, geplant. Wer sich mit den Landwirten solidarisieren wolle, könne den Warnblinker anschalten und sich dem Korso anschließen, rief ein Landwirt auf.