In einem Zeitungsartikel gibt Bürgermeisterin Carolin Holzmüller dem Gemeinderat eine Mitschuld an der Fluktuation im Rathaus. Der reagiert mit einer Stellungnahme.
In der Gemeinderatssitzung am 21. Juli kam Sven Vormann von den Freien Wählern auf einen Artikel, den die Badische Zeitung am 11. Juli veröffentlicht hatte, zu sprechen. Thema ist die hohe Fluktuation an Fachkräften im Rathaus, im Artikel heißt es, „eine Randbemerkung der Bürgermeisterin im Verwaltungsausschuss ließ aufhorchen“: „Einmal mehr wies Holzmüller die Gemeinderäte darauf hin, dass sie die Arbeit von Beschäftigten in der Gemeinde nicht ungerechtfertigt kritisieren sollen, da das dem Arbeitsklima in der Gemeinde abträglich sei und die Fluktuation noch weiter steigen würde. Hier habe der Gemeinderat in ihren Augen in der Vergangenheit immer wieder Schaden angerichtet.“ Vormann las, dies zum Anlass nehmend, eine gemeinsame Stellungnahme der Fraktionen von CDU, SPD, FDP/Freie Bürger und der Freien Wähler (nicht dabei: die drei Räte von Bündnis 90/Die Grünen) vor: „Die Gemeinderatsfraktionen distanzieren sich entschieden von der in dem Artikel genannten Aussage von Frau Bürgermeisterin Holzmüller bezüglich angeblicher ungerechtfertigter Kritik und deren angeblichen Auswirkungen auf das Arbeitsklima in der Gemeindeverwaltung.“
Hat der Gemeinderat Schaden angerichtet?
Besonders die Behauptung, der Gemeinderat habe durch seine Kritik in der Vergangenheit ,Schaden angerichtet’, ist für uns nicht nachvollziehbar und wird von uns ausdrücklich zurückgewiesen.“ Und weiter: „Vielmehr möchten wir darauf hinweisen, dass wir uns dem Thema des Arbeitsklimas in nächster Zeit intensiver annehmen werden, da uns die auffallend hohe Fluktuation nicht erst seit dem Artikel beträchtliche Sorgen bereitet. Es ist unser Ziel, die Ursachen hierfür zu analysieren und gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten. Es liegt uns fern, mit möglichen Anliegen oder Kritik den Betrieb der Verwaltung zu schädigen. Vielmehr sehen wir unsere Aufgabe darin, konstruktiv auf Probleme hinzuweisen und gemeinsam an Lösungen im Sinne unserer Bürgerschaft zu arbeiten.“ Und: „Wir fordern daher eine Richtigstellung der im Artikel geäußerten Aussage in der Öffentlichkeit. Sollte eine konkrete Verfehlung oder ein falsches Handeln seitens des Gremiums oder einzelner Gemeinderäte vorliegen, bitten wir um sachliche Hinweise, um diese Missverständnisse klären zu können. Unser Ziel ist es, das Vertrauen in die Arbeit des Gemeinderats und der Verwaltung zu stärken und ein gutes Arbeitsklima für alle Beschäftigten zu fördern.“
„Es gibt kein Zitat, dass ich das so sage.“
Die Bürgermeisterin antwortete: In der von ihr verfassten, mit den Amtsleitern abgestimmten und der Zeitung zur Verfügung gestellten Auskunft zur Personalsituation sei sie „in keinster Weise auf den Gemeinderat eingegangen.“ Und: „Es gibt kein Zitat, dass ich das so sage.“ Es handle sich um eine „Interpretation“. Dadurch, dass sie am Anfang und am Ende des Artikels zitiert werde, entstehe der Eindruck, „der komplette Inhalt wäre von mir“. Das sei „der Presse geschuldet“. Diese Auskunft stelle sie gerne den Gemeinderäten zur Verfügung, was sie laut Vormann mittlerweile getan hat.
Sie wünsche sich, „dass wir uns bei Missverständnissen austauschen“. Sie versuche stets, „die Wogen zu glätten und beide Seiten zusammenzuführen“. Sie wisse, dass manche Dinge, die gesagt werden, vielleicht nicht so gemeint seien, „aber sie kommen eben anders an“. Sie versuche immer, zu vermitteln.
Personalwechsel ließen niemanden gleichgültig
Daraufhin verwies Vormann darauf, der Artikel beziehe sich auf eine „Randbemerkung“ der Bürgermeisterin im Verwaltungsausschuss und forderte erneut eine Richtigstellung. Holzmüller wiederholte daraufhin, der Artikel reiße ihre Aussagen aus dem Zusammenhang und sie „habe keine Kapazitäten, jeden falschen Pressebericht zu berichtigen“. Zur den Personalwechseln in der Verwaltung sagte die Bürgermeisterin, dass diese niemanden gleichgültig ließen; sie verwies auf einen ganztägigen Workshop mit allen Mitarbeitern des Rathauses. „Wir beschäftigen uns intensiv damit. Wir schauen nach Ursachen und nach Lösungen.“ Sie sei erst seit zwei Jahren im Amt. Manche Dinge wie die Arbeitszeiterfassung könne sie nicht von heute auf morgen ändern. Gemeinderat Kevin Brändlin (FDP) warf Holzmüller am Ende der Sitzung ein „Spiel vor der Presse“ vor. Das sei für ihn fast nicht mehr auszuhalten: „Sie spielen hier in der Öffentlichkeit ein anderes Spiel, um dann unterschwellig rauszuhauen, wir würden hier nicht korrekt umgehen. So geht das nicht.“ Das Thema sei für ihn und seine Fraktion noch nicht abschließend behandelt, betont Vormann im Gespräch mit unsere Zeitung.