OB Peter Rosenberger und Bürgermeister Ralph Zimmermann warnen bei der Diskussion um das „City-Schleifle“ vor falschem Geiz. Und Nagolds OB Großmann sagt, was die Verkehrsberuhigungs seiner Stadt gebracht hat und was sie gekostet hat.
Der große Stadtumbau – bereits 2013 wurde der Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben – sowie die Verkehrsführung nach dem Bau der Hochbrücke sind Mega-Themen für 2024. Kann und sollte sich Horb das leisten? Das war das große Thema im Gemeinderat – und wird es wohl bleiben.
Schon bevor Kosten für eine neue Verkehrsführung feststehen, zeigten viele Gemeinderäte Furcht vor der Millionen-Investion. Zu recht?
Rosenberger: Wer im Vorfeld sagt: Die eine Variante will ich nicht, weil sie mir zu teuer ist, der kann das gar nicht mit gutem Gewissen sagen, weil er keinerlei Ansatzpunkt hat, wie teuer sie überhaupt ist. Deshalb ist die getroffene Entscheidung gut. Ein neuer Gemeinderat kann anhand aller dann vorliegenden Fakten und Kostenschätzungen die richtige Entscheidung abwägen.
Aber es gab ja schon deutlichen Gegenwind…
Rosenberger: Das wir vorher Strömungen hatten, die meinten: Ich entscheide, weil ich glaube, dass es richtig ist, fand ich bedenklich. Die Mehrheit hat sich durchgerungen. Wer sagt: Ich will keine Alternativen prüfen, weil herauskommt, das meine Idee nicht richtig sein könnte – auf so jemanden dürfen wir nicht reinfallen.
Ralph Zimmermann: Es wäre für dieses Jahrhundertprojekt das Fatalste, auf Basis von Kosten zu entscheiden, die keinen Bestand in der Realität haben.
Sie haben schon gesagt, dass allein die Umgestaltung der Neckarstraße zwischen Lotzer-Haus und Weinhaus Dörr teuer wird…
Rosenberger: Wenn wir eine Straße neu bauen, müssen wir auch unter dem Boden mitdenken. Wo läuft der Kanal, die Leitungen. Die technischen Betriebe sagen: Das ist hochkomplex. Selbst wenn wir oben alles schön zeichnen, heißt das nicht, dass wir das so machen können.
Was sagen Sie den Skeptikern, die sagen: Der Mini-Abschnitt ist schon so teuer, da können wir uns das City-Schleifle gar nicht mehr leisten…
Jetzt haben wir die Chance, durch eine große, vielleicht auch teure Lösung eine Zukunftslösung zu bekommen. Die gilt für viele, viele Jahrzehnte. Da geht es nicht um die wirtschaftlichste Lösung, sondern die beste. Horb wird ja gerne mit Nagold verglichen. Wenn man zu heutigen Preisen die Summe, die Nagold für die Verkehrsberuhigung ausgeben hat, ausrechnet, dann nehmen wir dieses Paket und stellen es der Kernstadt in Horb zur Verfügung. Wer sagt „In Nagold ist es besser“ und nicht bereit ist, für Horb dasselbe Geld in die Hand zu nehmen, ist für mich ein Heuchler.
Wie teuer war die Verkehrsberuhigung in Nagold?
Jürgen Großmann, OB von Nagold: „ Das war bei uns ein Jahrhundertprojekt. Der Bau der Stadtumfahrung, die Umwidmung der ehemaligen Bundesstraße in die Marktstraße, das dortige Aufstellen auf der Gemeindestraße von Pollern hat 1998 begonnen und bis 2016/17 gedauert. Für die Bauten inklusive der zwei Tunnel haben wir Bundes- und Landesförderung bekommen, so dass der kommunale Eigenanteil 22 Millionen Euro beträgt.“
Was unterscheidet Horb von Nagold?
Horb hat eine Ober- und eine Unterstadt. Zu deren Plänen kann und möchte ich natürlich nichts sagen. Nagold hatte das unheimliche Glück, zwischen den drei Flüssen dort gegründet worden zu sein, wo die größtmögliche ebene Fläche ist. Das Ziel unseres Stadtumbaus war: Den Bürgern und Nutzern die Stadt zurückzugeben. Am Wochenende wird die Stadt vom Durchgangsverkehr befreit, um sie den Bürgern zur Verfügung zu stellen.
Welche Umwege müssen Autofahrer dann in Kauf nehmen?
Keine. Sie erreichen ihr Ziel kernstadtnah über den Stadtring.
Welchen Effekt hat der Stadtumbau gebracht?
Das hat unserer Stadt die entscheidenden Impulse gegeben, um einen anspruchsvollen, öffentlichen Raum für die Bürger und Gäste zu schaffen. Dazu gehört ein Jahresprogramm an Veranstaltungen, um die Innenstadt zu bespielen.