Für Ausnahmesituationen, wie der Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und DRK am Bildungszentrum in Friesenheim am 6. Juli, will die Gemeinde mit einem Krisenplan vorbereitet sein. Foto: Bohnert-Seidel

Was geschieht, wenn der Strom ausfällt, das Wasser nicht mehr fließt oder ein Amokläufer unterwegs ist? Die Gemeinde Friesenheim hat für den Ernstfall einen Krisenplan verabschiedet.

Friesenheim - Friesenheim hat für den Ernstfall einen Krisenplan verabschiedet. Die Gemeinde will sich mit einem Krisenplan für den Fall der Fälle wappnen. Damit einhergehen soll eine schnelle, planvolle und koordinierte Alarmierung der Einsatzkräfte, wie Feuerwehr und DRK. Hinzu komme ein Informationsfluss für die Bevölkerung und die Einleitung von Schutzmaßnahmen. Hauptamtsleiterin Anja Reichert stellte in der Sitzung am Montag einen Krisenplan, auf die Gemeinde zugeschnitten, vor.

Prinzipiell gehe es um Verantwortlichkeiten und ein Regelwerk, das koordiniert und Sicherheit gewährleistet. Neu ist das Thema für Andreas Bix (FW) nicht. Dienstvorschriften für einen Krisenplan gebe es schon lange. Bix erinnert an einen Leitfaden aus dem Jahr 2014, der eine Dienstvereinbarung der Feuerwehr umfasse. Auf diesen Grundlagen basierten seit Jahrzehnten mögliche Vorgehen. Der ausgearbeitete Krisenplan sei ein Schritt in die richtige Richtung. "Jetzt wird der Krisenplan mit Leben gefüllt und das ist gut", so Bix. Ganz gleich ob es sich um einen Flugzeugabsturz im Wald handelt oder eine Amoklage an einer Schule, schnellstmöglich müsse ein Krisenstab eingerichtet werden. Schließlich habe die Gemeinde Friesenheim damit bereits im Sommer ihre Erfahrung an der Schule gemacht, führt Bix aus. Am 6. Juli hat sich eine potenzielle Bedrohungslage im innerfamiliären Bereich auf das Bildungszentrum Friesenheim ausgeweitet. Ein Großaufgebot an Polizei, Feuerwehr und DRK war vor Ort.

Früherer Bürgermeister Armin Roesner hat einen Krisenplan angeregt

Dietmar Kairies (GLU) hob hervor, dass die Warnungen seiner Fraktion vor Stromausfall, schlechtem Wasser oder insgesamt negativen Entwicklungen häufig milde belächelt wurden. Friede in Europa schien selbstverständlich. All diese habe sich binnen kurzer Zeit umgekehrt. Eine große Anzahl Flüchtlinge macht sich auf den Weg, die Corona-Pandemie wirkt, wirtschaftliche Probleme entwickelten sich und die Inflation treibt die Bürger um, so Kairies. Gemessen daran sowie vieler Umweltkatastrophen, sei ein Krisenplan nur folgerichtig. "Bereits der ehemalige Bürgermeister Armin Roesner hat einen Krisenplan angeregt. Jetzt wird dieser endlich mit Leben gefüllt", erklärte Fred Kletzin (SPD). Hochwasserereignisse im Ahrtal oder der Krieg in der Ukraine hätten dafür gesorgt, dass niemand mehr sorglos in den Tag hineinlebe. Sichergestellt müsse auf jeden Fall in Friesenheim die Wasserversorgung, mahnte Kletzin an. Zur Sicherheit gehöre auch, dass die Bevölkerung gewisse Sirenen einzuschätzen wissen. Aber der Bürger sei auch in der Eigenversorgung gefordert. Kletzin erinnerte an die 50er-Jahre und rückte die Bevorratung von Konservendosen wieder in den Blickpunkt.

Bauamtsleiter Markus Reinbold erinnerte daran, dass die Schließvorrichtung für die Hochbehälter lediglich verhindere, dass das Wasser bei einem Stromausfall aus den Becken laufe. Je nach Dauer eines Stromausfalls wäre auch die Wasserversorgung nicht mehr garantiert. Wer größere Sicherheit wünsche, um die Gemeinde mit einer Notstromversorgung auszustatten, benötige viel Geld. Vor zehn Jahren lagen die Kosten hier bei 850 000 Euro. Heute dürfte dieser Betrag um ein Vielfaches höher sein. Ein Fachbüro soll die Gemeinde für die kommenden Jahre begleiten.

Finanzierung

Zur Finanzierung des Krisenplans sollen Haushaltsmittel in Höhe von 30 000 Euro im Haushalt 2023 eingestellt werden. Vorgesehen ist eine Ausschreibung zur Gewinnung eines Fachbüros, um die Umsetzung des Krisenplans mittels Schulung der Verwaltungsstäbe und Mitarbeiter, sowie die Weiterentwicklung des Krisenplans für die Zukunft umsetzen zu können.