Vor der Landtagswahl wächst der Druck auf die Politik: Trotz leicht steigender Umsätze steckt die Bauwirtschaft in der Krise. Braucht es einen „Aufbau-Ost“?
Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg zeigt nach mehreren Krisenjahren erste Anzeichen einer leichten Erholung. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes stiegen die Umsätze von Januar bis November 2025 nominal um 2,6 Prozent. Richtig Schwung kommt jedoch noch nicht auf. „Wir kommen nur langsam aus der Krise“, sagt Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg und selbst Bauunternehmer aus Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis). Die Situation sei „weiterhin äußerst unbefriedigend“, so Böll mit Verweis auf Zahlen. Er spricht von einer „Durststrecke“, die nach wie vor anhalte.
Vor allem im privaten Wohnungsbau klafften Angebot und Nachfrage weiterhin deutlich auseinander. „Der Wohnungsbau bleibt ein Sorgenkind“, sagt Böll. Trotz zuletzt gestiegener Baugenehmigungen bleibe das Niveau deutlich unter dem des Vorkrisenjahres 2021.
Zur Ankurbelung des Wohnungsbaus fordert die Bauwirtschaft entschlossene politische Maßnahmen. „Damit mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht, muss das Land die soziale Wohnraumförderung auf das Niveau der Bundesförderung anheben“, verlangt Böll. Darüber hinaus seien steuerliche Anreize für mehr Wohnungsbau „unabdingbar“, so der Verband.
Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl drängt der Verband auf konkrete Reformen, insbesondere auf eine Senkung der Grunderwerbsteuer. Gespräche mit CDU und Grünen hätten gezeigt, dass beide derzeitigen Regierungsparteien grundsätzlich offen für die Forderungen der Bauwirtschaft seien. Nun komme es jedoch entscheidend darauf an, tatsächlich auch Steuersenkungen – etwa für selbst genutztes Eigentum – umzusetzen, betont Böll.
Verband beklagt „Verfall unserer Verkehrswege“
Neben dem Wohnungsbau sieht die Bauwirtschaft wachsende Probleme bei der Infrastruktur. Rund ein Drittel der Landstraßen sei sanierungsbedürftig, fast jede zehnte Brücke an Bundes- und Landstraßen „schadhaft“. Vizepräsidentin Sabine Schmucker spricht von einem „Verfall unserer Verkehrswege“.
Hauptgeschäftsführer Thomas Möller mahnt ein gemeinsames Handeln von Politik und Wirtschaft an. Beide müssten nun den „Motor in Schwung bringen“. Entscheidend seien dabei vor allem „Mut und Durchhaltevermögen“. Angesichts der schwierigen Lage zieht er einen historischen Vergleich und fordert ein Programm in der Größenordnung des „Aufbau Ost“, das nach dem Ende der DDR in den 1990er Jahren getätigt wurde, um Bauwirtschaft und Infrastruktur nachhaltig zu stärken.