Ersatzverkehr – in Zeiten einer zerbröselnden Infrastruktur für viele Fahrgäste inzwischen Alltag. Foto: dpa/Arne Dedert

Verspätungen, Pannen, Streiks und wacklige Finanzierung – 2024 verheißt für die Nutzer von Bussen und Bahnen in Deutschland nichts Gutes, meint unser Autor Andreas Geldner.

Verlässlichkeit – das war einmal ein Markenzeichen des öffentlichen Verkehrs im Vergleich zu dem von Stau und Parkplatzmangel gebeutelten Auto. Das war zu Zeiten, in denen Fahrpläne keine leeren Versprechen waren. Doch 2024 droht für die Fahrgäste ein unberechenbares Jahr zu werden. Und das geht weit über die inzwischen notorischen Verspätungen hinaus.

 

Streiks sind inzwischen Alltag

Zum Thema Unzuverlässigkeit gehören aktuell vor allem die Streiks, die in Deutschland zu Zuständen führen, die man über Jahrzehnte eher aus Ländern wie Frankreich kannte. Soll man im Januar eine Bahnreise planen, wo die Lokführergewerkschaft GDL vielleicht den Betrieb – wie in dieser Woche - über Tage lahm legen will? Schon 2023 streikte bereits die Konkurrenzgewerkschaft EVG. Harte Tarifkämpfe, die sich aus Fahrgastsicht dummerweise auch noch ablösen, dienen hier der gegenseitigen Profilierung.

Auch die Gewerkschaft Verdi spielt mit dem Gedanken, Busse und Bahnen wie schon im vergangenen Jahr während anstehender Tarifverhandlungen zu bestreiken. Darin zeigt sich, was für ein sensibles Druckmittel der öffentliche Verkehr ist. Wenn Verkäufer oder Pflegekräfte nicht arbeiten, nimmt das die Öffentlichkeit weniger wahr, als wenn die Räder stillstehen.

Zurzeit scheint sich alles gegen den öffentlichen Verkehr zu verschwören, der eigentlich im Zeichen der CO2-Reduktion vor goldenen Zeiten stehen müsste. Und so ist es bezeichnend, dass gleich zu Jahresanfang der bei der sogenannten Mobilitätswende besonders ehrgeizige Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) einen wichtigen Baustein seines geplanten Mobilitätsgesetzes auf die lange Bank geschoben hat: eine Angebotsgarantie überall im Land. Abgesehen von der Frage, ob sie bezahlbar ist, fehlen für einen solchen Ausbau ganz schlicht die Fahrer und Lokführer.

Bus und Bahn als Wackelkandidaten

Nichts ist zurzeit für diejenigen sicher, die vielleicht sogar ihren Wohnort auf die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgerichtet haben. Wacklig ist zuallererst die wichtigste Säule der Finanzierung. Das Deutschlandticket ist inzwischen zum politischen Spielball geworden. Angefangen vom Bundesverkehrsminister rühmen sich viele für dessen Einführung.

Doch keiner will nun für die Kosten dauerhaft geradestehen. Die Bundesrepublik finanziert ihre seit Langem größte und chancenreichste Innovation im öffentlichen Verkehr zurzeit im Stil eines Hasardeurs. Motto: Irgendwie wird das Geld schon zusammenkommen. Zur Not von den frisch mit einem niedrigen Einführungstarif geworbenen Fahrgästen.

Und da ist ja noch die nach einer dreißig Jahre lang verkorksten Bahnreform dringend notwendige Generalsanierung bei der Deutschen Bahn, die in den Strudel des Karlsruher Urteils zur Staatsfinanzierung geraten ist. Zwar will die Ampelkoalition dafür nun zusätzliche Privatisierungserlöse einsetzen. Doch solange nichts verkauft ist, bleibt das nicht mehr als eine Luftbuchung.

Stößt die Erfolgsstory an Grenzen?

Bisher war öffentliche Mobilität über viele Jahre eine Wachstumsstory. Unterbrochen wurde die Erfolgsgeschichte nur durch die Coronakrise. Und dieser Einbruch ist bisher immer noch nicht wettgemacht. 2024 könnte zu einem neuen, negativen Kipppunkt werden: Der Bereich kommt nämlich einfach nicht zur Ruhe.

Ewige Streitereien zwischen Bund, Ländern und Kommunen ums Geld oder eine wachsende Polarisierung zwischen den Tarifpartnern im öffentlichen Verkehr haben das Potenzial, diesen Bereich dauerhaft zu beschädigen und am Ende das Auto attraktiver zu machen. Doch zurzeit hat man leider nicht den Eindruck, als hätten die von einem jahrelangen Erfolgstrend verwöhnten Beteiligten den Schuss gehört.