David Kuhner vor der Weihnachtskrippe, die 1955 sein Großvater Hubert Kuhner (1931 bis 2013) mit Pfadfinderfreunden baute, in der Sonderausstellung „Mitten drin. Die berührende Kunst der Schramberger Schule“ im Stadtmuseum Schramberg. Foto: Rainer Langenbacher

Der Historiker David Kuhner hat sich in einer Forschungsarbeit mit den Anfängen der Weihnachtskrippe in Schramberg beschäftigt.

Zu den ältesten Bräuchen in Schramberg gehört die Tradition der Weihnachtskrippe. Im 20. Jahrhundert begründete die „Schramberger Schule“ mit ihren von Karl Otto Schimpf (1891 bis 1974) aus Offenburg angeregten Bühnenkastenkrippen sogar den Ruf als „Krippenhauptstadt des Schwarzwaldes“, die sich seit dem ersten Advent wieder einmal besonders eindrucksvoll im Stadtmuseum im Schloss präsentiert.

 

Belegt ist diese Tradition seit der Erwähnung einer Weihnachtskrippe in der alten Pfarrkirche des Marktfleckens Schramberg im Jahr 1703, die damals in der Zeit der Elbfolgekriege von Franzosen geplündert wurde. Der junge Historiker und Krippenfreund David Kuhner fand in diesem Jahr am Rande seiner Masterarbeit über die Bruderschaften in der Herrschaft Schramberg bisher unbekannte Quellen zur Frühgeschichte der einheimischen Krippenkultur. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit hat er in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Der Bayerische Krippenfreund“ veröffentlicht, in der seit bald 100 Jahren Beiträge aus Schramberg erscheinen.

Bericht aus Familie

„Es war immer schon Tradition, dass man vor Weihnachten das Kripple und den Baum aufstellt und das Christuskindle am Heilig Abend nach dem Gottesdienst in die Krippe legt“, berichtet David Kuhner aus seiner Familie. In der Sonderausstellung „Mitten drin. Die berührende Kunst der Schramberger Schule“ ist auch eine Weihnachtskrippe zu sehen, die sein Großvater Hubert Kuhner (1931 bis 2013) im Jahr 1955 zusammen mit Pfadfinderfreunden gebaut hatte. Im Haus seiner Großeltern an der alten Steige wurde sie stets im jährlichen Wechsel mit einer Krippe aus Afrika aufgestellt, die über seine Großtante Consolata Mey als Ordensschwester in Tansania in die Familie kam. „Das hat natürlich für uns Kinder von klein auf eine Riesenanziehungskraft gehabt. Ich finde, dass es eine sehr erstaunliche Tradition ist, die schon seit Hunderten von Jahren gepflegt wird“, erzählt der junge Schramberger, der als Jugendlicher auch Ministrant in der Katholischen Kirchengemeinde seiner Heimatstadt war.

Wie Kuhner auf Thema kam

Nach dem Abitur am Gymnasium Schramberg kam David Kuhner in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur 2021/22 im Stadtmuseum Schramberg in Kontakt mit dessen hochrangiger Krippensammlung und dem ehrenamtlichen Engagement des Arbeitskreises Krippen für dieses wertvolle Erbe seiner Heimatstadt. Mittlerweile ist er das jüngste Mitglied des Arbeitskreises geworden und macht sich mit den „Betriebsgeheimnissen“ der Krippensammlung vertraut.

Bei der Auswertung der Rechnungen der Bruderschaften des Marktfleckens Schramberg aus dem 18. Jahrhundert für seine Masterarbeit fielen ihm auch immer wieder interessante Einträge über Aufträge und Erwerbungen für Weihnachtskrippen auf, die er in einem Aufsatz zusammenstellte, der aufschlussreiche Einblicke in die Anfänge dieser Tradition in Schramberg gibt und welche Bedeutung insbesondere die Rosenkranzbruderschaft für deren Förderung hatte. Leider sind aber auch diese frühen Weihnachtskrippen nicht erhalten geblieben. Die Forschungsergebnisse von David Kuhner zeigen aber, welche lange Linie diese Tradition in Schramberg hat.

Näheres zur Forschung

Die Zeitschrift
„Der Bayerische Krippenfreund“ mit dem Beitrag von David Kuhner ist im Stadtmuseum Schramberg zum Preis von 3 Euro erhältlich.

Geöffnet
ist das Stadtmuseum Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Heilig Abend, Silvester und Neujahr ist es geschlossen.