Fein säuberlich aufgereiht sind in der St. Georgener Stadtbibliothek zahlreiche Bücher. Foto: Helen Moser

In der St. Georgener Stadtbibliothek kommen Bücherfreunde auf ihre Kosten. Doch was lesen die Nutzer eigentlich gerne? Und wie wird entschieden, welche Bücher es in die Regale schaffen?

Wer Lust zu schmökern hat, ist hier an der richtigen Stelle: Regal um Regal reiht sich in der St. Georgener Stadtbibliothek aneinander. Der Inhalt über weite Strecken: Bücher. Vom Krimi über die Biografie bis hin zum Kinderbuch – hier sind sie fein säuberlich aufgereiht.

 

Den Überblick über den Bestand – und auch darüber, was die Kunden der Stadtbibliothek am liebsten lesen – hat Leiterin Lucia Kienzler. Bei den Erwachsenen, erklärt sie, seien vor allem Krimis und Thriller beliebt, aber auch Familiengeschichten liegen derzeit im Trend – das zeigen auch die Ausleihzahlen des vergangenen Jahres. Thriller von McFaddon sind ebenso hoch im Kurs wie Romanreihen – „Sieben Schwestern“ von Lucinda Riley oder auch „Fräulein Gold“ von Anne Stern.

Doch auch für Bücher fernab der Belletristik interessieren sich die St. Georgener: Gesundheit und Freizeit sind die Bereiche, die bei den Fachbüchern dominieren, erklärt Kienzler.

Und auch viele Schulanfänger nutzen Bücher aus der Stadtbibliothek, um das Lesen zu lernen – erstes Lesealter heißt diese Rubrik. „Ich bin jedes Jahr überrascht, wie schnell die lesen lernen“, freut sich Kienzler. Mit Angeboten wie der Lesezeit tut die Stadtbibliothek einiges, um Kindern den Spaß an Büchern zu vermitteln.

Boom im Bereich New Adult

Zudem spürt man auch in St. Georgen den New-Adult-Boom, der in den vergangenen zwei bis drei Jahren – unter anderem durch die sozialen Medien – Fahrt aufgenommen hat. Weltweit besteht massives Interesse an den Büchern für junge Erwachsene – die Stadtbibliothek empfiehlt sie ab etwa 16 Jahren. Auch in St. Georgen werden sie fleißig ausgeliehen.

Lucia Kienzler leitet die Stadtbibliothek. Foto: Michael Kienzler

Rege Nachfrage verzeichnet die Stadtbibliothek zudem bei Hörbüchern, welche über die Onleihe – also die Online-Ausleihe – angeboten werden. Vor Ort in der Bibliothek sind hingegen kaum noch Hörbücher auf CD zu finden – wegen der geringen Nachfrage. Hoch im Kurs sind die Tonies, die in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden können. CDs hingegen leihe kaum noch jemand aus, sagt Kienzler. Das gilt übrigens auch für DVDs. Doch auch dafür ist man in St. Georgen gerüstet: Nutzer der Stadtbibliothek haben Zugriff auf den Streamingdienst Filmfriend.

Handverlesenes Angebot

Für die Stadtbibliothek ist ein ansprechendes Angebot an Medien das A und O. Umso wichtiger ist es Leiterin Kienzler, dass sich die Medienauswahl an den Lesevorlieben der Nutzer vor Ort orientiert. In St. Georgen hat man deshalb keine sogenannte Standing Order, bei welcher der Stadtbibliothek automatisch Neuerscheinungen aus bestimmten Themenbereichen zugeschickt würden. Stattdessen ist das Angebot handverlesen.

Wie das funktioniert? Mit jeder Menge Arbeit, wie im Gespräch deutlich wird. „Überall, wo ich bin, gehe ich in Buchläden“, berichtet sie – um Neuerscheinungen und beliebte Titel zu sichten, einen Überblick über das große Angebot zu bekommen. Bei der Auswahl helfen zudem Bücher-Blogs, erklärt Kienzler.

Open Library im Rathaus soll kommen

Regelmäßig werden zudem Titel, die weniger gefragt sind, aussortiert. So hat die Stadtbibliothek ihr Angebot in den vergangenen Jahren bereits reduziert – und Karteileichen aussortiert, die kaum oder auch gar nicht entliehen werden. Ein Prozess, der noch weitergehen wird, wie die Leiterin der Stadtbibliothek berichtet – auch vor dem Hintergrund des geplanten Umzugs der Stadtbibliothek ins dann sanierte Rathaus. Dort ist eine moderne Open Library geplant.

Auch wenn der Umzug noch Zukunftsmusik ist – die Vorüberlegungen und Vorbereitungen laufen schon. Ein Baustein: Alle Medien, die mit ins Rathaus umziehen, werden mit einem RFID-Etikett ausgestattet. Diese Technologie dient als Grundlage für die Open Library, die umfassende Öffnungszeiten anbieten kann, da eine Ausleihe von Medien auch ohne Personal möglich sein wird.

Die Hitlisten 2025

Belletristik
18 Mal ausgeliehen wurden sowohl „Fräulein Gold Band 7 – Nacht über der Havel“ von Anne Stern als auch „Das Mädchen aus Yorkshire“ von Lucinda Riley. Dahinter bestimmen vor allem Krimis und Thriller das Bild: Jeweils 16 Nutzer schnappten sich „Leonore Askers besondere Fälle Band 2 – Eisiges Glas“ von Anders de la Motte, „The Hike“ von Lucy Clarke, „Nach uns der Himmel“ von Simone Buchholz, „Trust me“ von T. M. Morgan sowie „Das Fräulein muss sterben“ von Christine Grän und Marianne von Wadenfels.

Bilderbuch
„Du Mama... wie weit ist die Welt“ von Sabine Bohlmann nahmen 15 Bücherfreunde mit nach Hause. 14 Mal wurde „Dinosaurier auf dem Bauernhof Band 4“ von Dominik Hochwald entliehen.

Sachbuch
14 Nutzer der Stadtbibliothek wollten wohl wissen, wie „Nähen mit Jersey für Kinder“ funktioniert – sie entliehen das entsprechende Buch von Pauline Dohmen. Zehn Mal wurde das Buch „Gesund über 90 werden“ von Claus Leitzmann und Hilka de Groot mit nach Hause genommen, neun Mal „Wie gesund wollen wir sein?“ von Sven Jungmann und Thomas Lindemann.

Heimat
Beliebt waren 2025 „Es geschah im Schwarzwald“ von Rolf Schlenker mit elf Ausleihen, der Almanach 2025 mit zehn Ausleihen sowie „Als Oma noch lebte“ von Elmar Langenbacher, „Die Schwarzwaldbäuerin“ von Anni Hettich und „Schwarzwald – meine kulinarische Heimat“ von Hannes Finkbeiner mit je acht Ausleihen.

Reiseberichte
Auch Reiseberichte lasen die Nutzer der Stadtbibliothek: Wavewalker“ von Suzanne Heywood wurde 13 Mal ausgeliehen, „Windstärke 15“ von Thomas Bickhardt zwölf Mal und „Der Untergang der Wager“ acht Mal.

Biografien
Besonders beliebt war Walter Isaacsons Elon-Musk-Biografie, die elf Mal mit nach Hause genommen wurde. Ebenso oft ausgeliehen wurde die Biografie „Patriot – meine Geschichte“, die Julija Nawalnaja über ihren verstorbenen Ehemann Alexej Nawalny geschrieben hat. Die Angela-Merkel-Biografie „Freiheit – Erinnerungen 1954-2021“ von Angela Merkel und Beate Baumann verzeichnete zehn Ausleihen.

Junge Erwachsene (ab 14 Jahren)
Bücher von Karen McManus sind hoch im Kurs: „One of us is lying“ wurde elf Mal ausgeliehen, „One of us is next“ acht Mal. Zudem interessierten sich sieben Nutzer für „Vergiss mein nicht 3 – was die Welt zusammenhält“ von Kerstin Gier.

New Adult (ab 16 Jahren)
Beliebt war neben „Durch das große Feuer“ von Alice Winn auch die Maxton-Hall-Reihe von Mona Kasten: „Save you“ und „Save us“ mit je sieben Ausleihen sowie „Save me“ mit sieben Ausleihen.

Erstes Lesealter
Begehrte Buchreihen bei Erstlesern sind Ostwind – die Bücher „Eine zauberhafte Begegnung“ und „Das Turnier“ aus dieser Reihe wurden 31 und 29 Mal ausgeliehen –, „Die Schule der magischen Tiere ermittelt“, „Die drei !!!“, „Die drei ??? Kids“, Minecraft, Ninjago und „Das magische Baumhaus“.