Fahrzeug aussuchen, Scheibe einschlagen, Wertsachen stehlen: 20 Taten dieser Art wurden in diesem Jahr im Raum Schwanau gemeldet. Aber auch Schockanrufe haben seit 2023 zugenommen, erklärte Postenleiter Martin Braun dem Gemeinderat.
Straftaten in Schwanau nehmen zu, deren Aufklärung nimmt ab – das wurde bei der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2023 bei der Gemeinderatssitzung deutlich. Konkret waren es im vergangenen Jahr 233 Delikte (16 mehr als im Vorjahr), insgesamt 115 Mal klickten die Handschellen (13 weniger).
Laut Martin Braun, Leiter des Polizeipostens Schwanau, ergibt sich diese Quote durch Betrugstaten, die „massiv zunehmen“. Gemeint sind damit etwa Schockanrufe, bei denen Täter teils bis zu 200 000 Euro von den Opfern – meist Senioren – erbeutet haben. „Das sind richtige Hausnummern“, so Braun. Dieses Geld gehe in vielen Fällen ins Ausland, wodurch es den Schwanauer Beamten nicht möglich sei, den Spuren der Täter zu folgen. „Die EU trennt die Ermittlungszuständigkeit“, begründete der Experte.
Zahl an Diebstählen steigt
Deutlich größere Sorgen mache der Polizei jedoch die steigende Zahl an Diebstählen – besonders aus Autos. „Wir vermuten, dass sich derzeit eine Bande herumtreibt, die Autos ausfindig macht, deren Scheiben einschlägt und Wertsachen entnimmt“, erklärte der Polizist. Der Verdacht wird durch die Statistik bestätigt: Während 2023 kein einziger Fall dieser Art im Raum Schwanau gemeldet wurde, sind es in diesem Jahr bereits 20. Zwar liefen die Ermittlungen, um ein Konzept gegen die mutmaßliche Bande zu erstellen, fehle es jedoch an Personal.
Anders sehe das beim Thema Körperverletzung aus. Auch in diesem Bereich ist die Zahl um drei auf 25 Taten im vergangenen Jahr gestiegen. Um dagegen vorzugehen, wurde laut Braun ein gutes Sicherheitskonzept erarbeitet. „Wer etwa bei einer Fasnachtsveranstaltung auffällt, kann ein saisonübergreifendes Platzverbot erhalten. Das heißt: Wer in diesem Jahr stört, kann auch für das nächste Jahr gesperrt werden“, so der Postenleiter.
Tatverdächtige wurden im vergangenen Jahr insgesamt 109 festgestellt (2022: 121). Davon waren 17 weiblich (23) und 92 männlich (98). Aus Deutschland kommen dabei 68 Verdächtige, das sind 19 weniger als im Vorjahr. Um sieben gestiegen ist dagegen die Zahl der ausländischen Verdächtigen auf 41. Der Fokus liegt jedoch auf jene, die bereits im jungen Alter Auffällig sind. „Im U14-Bereich machen 18 Minderjährige Probleme. Oft sind es die selben – sozusagen ,Stammkunden’“, erklärt Braun. Zwar liege diese Zahl für 2023 noch bei drei, für dieses Jahr werde jedoch ein starker Zuwachs erwartet.
Zigarettenstummel überführt Einbrecher
Obwohl die Zahlen der Kriminalstatistik in manchen Bereichen einen Anstieg verzeichnen, sind diese laut Braun dennoch im unteren Bereich. „Der ländliche Raum ist ein eigener Kosmos, das ist anders als in der Stadt. Wir haben hier eine hohe Lebensqualität.“ Zumal sich die Schwanauer Beamten – trotz Personalmangels – den Ermittlungen voll und ganz annehmen würden. Ein Beispiel dafür ist laut Braun ein Einbruch in Nonnenweier, bei dem es zuletzt zu einer Verurteilung kam. Der ausschlaggebende Beweis: Ein Zigarettenstummel, den der Täter in der Nähe des Tatorts hinterlassen hatte. „Wir haben diesen gesichert und darauf gepocht, ihn untersuchen zu lassen – mit Erfolg. Daran wurde seine DNA sichergestellt, nun sitzt der Kerl ein“, berichtete Braun weiter.
Lob erhielt der Postenleiter aus dem Gremium. Silke Weber (FWV) hob jedoch auch die Wachsamkeit der Anwohner hervor: „Wir haben hier eine gute Nachbarschaft. Man passt aufeinander auf.“
Info – Ärger über Knöllchen
Um für mehr Sicherheit im Ort zu sorgen, erhalten die Schwanauer Beamten Unterstützung von Lahrer Streifen, die ab und an in der Gemeinde nach dem Rechten sehen. „Besonders nachts ist das wichtig, da um diese Zeit nur wenig Polizei bei uns auf den Straßen ist“, erklärte Postenleiter Martin Braun. Zwar sollen die Lahrer Polizisten das Sicherheitsgefühl in Schwanau erhöhen, bei Anwohnern der Nonnenweierer Hauptstraße erhöhen diese jedoch offenbar vor allem den Blutdruck: „Seit 40 Jahren wird dort auf dem Gehweg geparkt und alles hat problemlos funktioniert. Seitdem die Lahrer Beamten dort Knöllchen verteilen und die Autos nun auf der Straße parken, sind mehrere Unfälle passiert“, war aus dem Gremium zu hören. So seien etwa Seitenspiegel abgefahren worden. Verständnis hatte Braun dafür jedoch nur wenig: „Es ist gut, wenn die Lahrer Kollegen bei uns vor Ort sind – auch, wenn sie dann Gehwegparker ins Visier nehmen. Zumal das sowieso verboten ist. Wer sich also über die Strafzettel aufregt, der hat wohl noch nicht ganz verstanden, dass man nicht auf dem Gehweg parken darf.“