Das Polizeirevier Freudenstadt hat die Kriminalitätsstatistik für 2022 vorgelegt. In vielen Deliktbereichen sind die Fallzahlen gestiegen. Drastische Entwicklungen bleiben aber die Ausnahme. Vor allem das Thema häusliche Gewalt bereitet Sorge.
Knapp ein Jahr ist es nun her: Mitten im Trubel des Freudenstädter Wochenmarkts stach ein junger Mann mit einem Messer auf einen anderen Mann ein. Blutend saß das Opfer zwischen den Marktständen, während der Täter die Flucht ergriff. Wenig später wurde er gefasst. Der Vorfall sorgte für Schlagzeilen. Schnell stand die Frage im Raum: Wie sicher ist Freudenstadt noch?
Auf diese Frage gibt es nun eine Antwort. Denn im Gemeinderat wurde am Dienstagabend die städtische Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Gerold Schumacher, Leiter des Polizeireviers Freudenstadt, übernahm die Präsentation. Konkrete Zahlen nannte er dabei praktisch nicht. Wo die Fallzahlen gestiegen oder gesunken sind, ließ er größtenteils offen.
Mehr Straßenkriminalität
Unsere Redaktion hat sich die Statistik daher noch mal genauer angeschaut. Dabei zeigt sich schnell, dass die Kriminalität in der Stadt tatsächlich zugenommen hat. Zu einem Kriminalitätshotspot wird Freudenstadt aber nicht.
So ist die Kriminalitätsbelastung im Vergleich zum Vorjahr um rund 16 Prozent gestiegen. Das klingt zunächst nach viel, allerdings liegt Freudenstadt damit fast genau im Landesschnitt – mit Blick auf die Fallzahlen, aber auch hinsichtlich der prozentualen Steigerung. Zudem ist von 2016 bis 2021 die Kriminalitätsbelastung in Freudenstadt kontinuierlich gesunken.
Für das Sicherheitsempfinden der Bürger von zentraler Bedeutung ist aber vor allem die Straßenkriminalität, wie auch Schumacher in der Gemeinderatssitzung betonte. Denn als Straßenkriminalität werden alle Taten bezeichnet, die im öffentlichen Raum begangen werden.
Und hier ist die Entwicklung alarmierend. Im Vergleich zum Vorjahr ist Straßenkriminalität um 67 Prozent gestiegen. Schumacher verwies im Gemeinderat zwar darauf, dass es zuvor wegen der Corona-Pandemie einen deutlichen Einbruch der Fallzahlen gab. Doch auch im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ist die Zahl der Fälle mehr als 15 Prozent höher. Nur 2018 gab es noch mehr Straßenkriminalität.
Zumindest die Zahl der Körperverletzungsdelikte ist leicht gesunken. Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen ist aber nun schon das zweite Jahr in Folge gestiegen – um mehr als 58 Prozent von 2020 bis 2022. Aber auch hier ist ein gewisser Corona-Effekt zu vermuten. Darüber hinaus schwankten die Zahlen in den vergangenen Jahren mal nach oben und mal nach unten. Eine echte Eskalation ist also nicht festzustellen.
Alarmierende Entwicklung
Äußerst bedenklich ist hingegen die Entwicklung der Häuslichen Gewalt. Denn hier gibt es im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von rund 167 Prozent. Die Zahlen haben sich also mehr als verdoppelt. Schumacher wies allerdings darauf hin, dass diese Zahlen nicht unbedingt widerspiegeln, wie viele Fälle häuslicher Gewalt es tatsächlich gibt. Denn das Dunkelfeld sei groß, und nur Fälle, die auch zur Anzeige gebracht werden, tauchen in der Statistik auf.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Denn die Aufklärungsquote der Polizei in Freudenstadt liegt seit Jahren über dem Landes- und Bundesschnitt. Gegenüber 2021 ist sie noch mal um fünf Prozent gestiegen und liegt damit rund 16 Prozent über dem Landesschnitt.