Die Gesamtzahl der Straftaten sowie die Anzahl der Sexualdelikte und Gewaltverbrechen ist 2025 zurückgegangen. Dafür hielten Wohnungseinbrüche die Polizei auf Trab.
„So gute Zahlen hatten wir lange nicht mehr“, erklärte Polizeipräsident Jürgen Rieger am Freitagmorgen. Gemeinsam mit seinem Vize Sigurd Jäger, Leiter des Führungs- und Einsatzstabes, präsentierte er die polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2025. Demnach sank die Gesamtzahl der Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg – Ortenau, Landkreis Rastatt und Baden-Baden – um rund 2800 auf nun etwa 43 000.
Davon entfallen 7113 auf Verstöße gegen das Ausländerrecht (etwa illegale Einreise). Rechnet man diesen Anteil heraus, sank die Zahl der sonstigen Straftaten im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 35 955.
„Das ist knapp über Corona-Niveau – das ist eine hervorragende Entwicklung“, betonte Polizeipräsident Rieger. Konkret im Ortenaukreis sank die Zahl der Straftaten um fast 2000 auf nun rund 23 000. Insgesamt betrug die Aufklärungsquote im Präsidiumsgebiet 57 Prozent.
Drei Menschen werden ermordet: Die Kriminalitätsstatistik weist für das vergangene Jahr insgesamt drei Morde auf – genauso viele, wie 2024. Darüber hinaus verzeichnete die Polizei 13 Mal einen Totschlag (plus acht Fälle). Insgesamt nahm die Gewaltkriminalität um fast 16 Prozent deutlich ab. Sexualdelikte im öffentlichen Raum gingen um knapp 21 Prozent zurück.
Fast ein Drittel weniger Messer-Angriffe: Die Zahl der Angriffe mit Klingen im öffentlich Raum ging um 32 Vorfälle auf 71 Taten zurück. Das entspricht 31 Prozent – landesweit sank die Zahl um elf Prozent. In der Ortenau verzeichnete die Polizei einen Rückgang von 77 auf nur noch 46 Taten. 16 Menschen wurden leicht, vier schwer verletzt – ein Angriff mit dem Messer endete tödlich. „Unter den Tötungsdelikten findet sich der tragische Fall der getöteten Psychotherapeutin in Offenburg“, erklärte Jäger. Sie war im Hinterhof einer Praxis an der Offenburger Union-Rampe getötet worden. Offenburg (15 Angriffe) und Kehl (14) führen die Liste der Städte mit den meisten Messer-Attacken an, Lahr folgt mit zwei Angriffen auf Platz sechs. Unter den 78 Tatverdächtigen befinden sich fast 53 Prozent Nichtdeutsche – jeder Fünfte ist Asylbewerber. Unter den sechs Mehrfachtätern sind vier Nichtdeutsche.
Erneuter Anstieg bei Gewalt gegen Einsatzkräfte: In 419 Fällen richtete sich 2025 Gewalt gegen die Ordnungshüter selbst – rund acht Prozent mehr als 2024. „Im Ortenaukreis ist Gewalt gegen Polizeibeamte ziemlich angestiegen. Hier reden wir von passiver als auch aktiver Gewalt, also nicht nur sperren gegen polizeiliche Maßnahmen, sondern auch Körperverletzung“, erläuterte Jäger. Im Kreis stieg die Zahl der Fälle von Gewalt an Beamten von 270 auf 305 Fälle. Präsidiumsweit wurden 108 Einsatzkräfte leicht verletzt. Rettungskräfte wurden nur in neun Fällen Opfer, das ist die zweitniedrigste Fallzahl landesweit.
Online-Anlage-Betrug legt zu: Die Polizei verzeichnete beinahe eine Verdreifachung des Schadens beim Kapitalanlagebetrug auf circa 14 Millionen Euro. „Eine gesteigerte Gewinnorientierung kann zum Verlust der Besonnenheit führen“, konstatierte Jäger.
Anteil der Ausländer bei Tatverdächtigen sinkt leicht: Stieg der Anteil der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass im vergangenen Jahr erstmals über die 50-Prozent-Marke, so sank dieser nun leicht auf rund 47 Prozent – davon zwölf Prozent Asylbewerber. Der weit überwiegende Teil der Tatverdächtigen 2025 war mit fast 78 Prozent männlich, 83 Prozent waren Erwachsene. Rumänien und Frankreich führen die Nationalitätenrangfolge bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße an, gefolgt von der Türkei, Syrien und der Ukraine.
Immer mehr Wohnungseinbrüche: Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen ist 2025 auf 532 Fälle gestiegen – damit setzt sich der Aufwärtstrend seit einem Tiefpunkt 2021 fort. Allein im Ortenaukreis verzeichnete die Polizei 234 Einbrüche.
Kehl bleibt Kriminalitätshauptstadt der Region: Die Rangfolge der Städte bei der sogenannten Häufigkeitszahl – Straftaten pro 100 000 Einwohner – führt mit 9691 Fällen auch dieses Jahr wieder Kehl an. Offenburg folgt dicht darauf mit 9211 Straftaten. Lahr landet hinter Baden-Baden und Rastatt mit fast 5600 Straftaten pro 100 000 Einwohner auf Platz fünf. Im Schnitt liegt die Häufigkeitszahl für den ganzen Präsidiumsbereich bei rund 4900.
Fokus auf Kokain
Laut Polizeipräsident Jürgen Rieger werden Schwerpunkte der Polizeiarbeit dieses Jahr auf der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen, der Sicherheit im öffentlichen Raum sowie der kommunalen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit liegen. Ein besonderer Fokus sei zudem die Bekämpfung des Kokainhandels. Aufgrund einer regelrechten Schwemme auf dem europäischen Markt müsse sich die Polizei damit befassen.