Die Zahl der Straftaten im Kreis Freudenstadt ist im vergangenen Jahr laut polizeilicher Kriminalstatistik leicht zurückgegangen. Doch gerade in Deliktbereichen, die für das öffentliche Sicherheitsgefühl relevant sind, verzeichnet die Polizei teils deutlich gestiegene Fallzahlen.
Die gute Nachricht vorweg: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der von der Polizei erfassten Straftaten im Kreis Freudenstadt im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken – nämlich um 2,4 Prozent. 2024 wurden 3438 Straftaten registriert, 86 weniger als noch 2023.
Allerdings sind die Fallzahlen ausgerechnet in jenen Deliktbereichen deutlich gestiegen, die für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung relevant sein dürften. So ist die Zahl der Raubdelikte um 26,3 Prozent gestiegen – von 19 Fällen im Jahr 2023 auf 24 Fälle im Jahr 2024.
Im Bereich Körperverletzung hat die Polizei einen Anstieg um 12 Prozent registriert – von 483 Fällen auf 544. Besonders stark ist hier mit 15,5 Prozent die Zahl gefährlicher und schwerer Körperverletzungsdelikte gewachsen.
Immer mehr Vandalismus
Auffällig ist auch die Entwicklung im Bereich der Sachbeschädigungen. Dort sind die Fallzahlen um 27,5 Prozent gestiegen. 2024 wurden 598 Sachbeschädigungen gezählt und damit 129 mehr als noch im Vorjahr. Einen besonders extremen Anstieg gibt es bei Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen und Plätzen. Hier hat die Polizei 137 Fälle registriert, was einen Anstieg um 163,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Allerdings war die Fallzahl im Jahr 2023 mit 52 Fällen auch besonders niedrig.
Auf den ersten Blick extrem wirkt die Entwicklung bei den Straftaten gegen das Leben – also zum Beispiel Mord oder Totschlag. Hier hat die Polizei eine Steigerung von 150 Prozent registriert.
Allerdings gibt es im Kreis Freudenstadt glücklicherweise nur sehr wenige Tötungsdelikte, so dass schon einzelne Fälle für eine starke prozentuale Steigerung sorgen können. So gab es im vergangenen Jahr im Kreis fünf Straftaten gegen das Leben, darunter zwei Morde.
Gefährlicher wird aber nicht nur der öffentliche Raum, sondern auch das eigenen Zuhause. So sind die Fälle häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr um 24,4 Prozent gestiegen – von 164 im Jahr 2023 auf 204 Fälle im Jahr 2024. Damit liegt die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt auch deutlich über dem Fünfjahresschnitt von 134 Fällen.
Es gibt aber auch erfreuliche Entwicklungen. So ist die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – worunter zum Beispiel auch Vergewaltigungen und Belästigungen fallen – um 4,9 Prozent gesunken. Und die Zahl der Diebstähle sank sogar um 12,8 Prozent.
Legalisierung wirkt
Die deutlichste Verbesserung ist allerdings bei den Drogendelikten zu verzeichnen. Diese sind laut der Statistik um 40,1 Prozent zurückgegangen. Die Fallzahlen im Bereich Drogenhandel und Drogenschmuggel sind sogar um 73,2 Prozent eingebrochen. Eine Erklärung dafür dürfte die Legalisierung von Marihuana sein. So schreibt dann auch die Polizei in einer Mitteilung: „Die Cannabislegalisierung führte erwartungsgemäß zu einem drastischen Rückgang der Fallzahlen.“
Etwas zurückgegangen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche. Diese waren im Jahr 2023 sprunghaft auf 34 Fälle angestiegen, nachdem in den Jahren zuvor der Kreis Freudenstadt im Vergleich zu anderen Regionen relativ wenige Einbrüche zu verzeichnen hatte. 2024 blieb die Zahl der Einbrüche auf einem für die Region hohen Niveau mit 32 Fällen, was aber immerhin einem Rückgang um 5,9 Prozent entspricht.
Eine besonders erschreckende Entwicklung gibt es dafür diesmal in einem anderen Bereich: Die Fälle von Wirtschaftskriminalität sind um 41,9 Prozent gestiegen. 2024 wurden 44 Fälle von Wirtschaftskriminalität registriert. Das sind 13 mehr als noch im Vorjahr. Denn 2023 hatte die Polizei nur 31 entsprechende Fälle registriert.
Wer sind die Tatverdächtigen im Kreis?
Grund zur Vorsicht
Interessant ist die Statistik der Polizei darüber hinaus mit Blick auf die Tatverdächtigen, auch wenn diese Werte immer mit Vorsichtig zu genießen sind. Denn die Zahlen geben nur wieder, wie viele Personen einer Gruppe verdächtigt wurden – und nicht, wie viele später tatsächlich verurteilt wurden. Mögliche Vorurteile von Zeugen und Ermittlern können somit Einfluss auf die Statistik haben.
Nichtdeutsche Verdächtige
Der Anteil von Personen ohne deutschen Pass unter allen Verdächtigen lag im vergangenen Jahr bei 37,7 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig ist aber die absolute Zahl von nichtdeutschen Tatverdächtigen leicht gesunken – um 1,4 Prozent auf 765 Tatverdächtige ohne deutschen Pass.
Flüchtlinge
Zu beachten ist dabei, dass Flüchtlinge in dieser Gruppe nur einen Bruchteil darstellen. So waren laut der Statistik im vergangenen Jahr 150 Tatverdächtige Flüchtlinge – also nur rund 20 Prozent der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass. Unter allen im vergangenen Jahr registrierten Tatverdächtigen, deren Zahl bei 2030 liegt, machen Flüchtlinge somit nur rund sieben Prozent aus.
Kinder
Schlüsselt man alle Tatverdächtigen nach Altersgruppen auf, gibt es nur eine Gruppe, die im vergangenen Jahr kräftig zugelegt hat: Kinder. Während im vergangenen Jahr deutlich weniger Jugendliche und Heranwachsende einer Straftat verdächtigt wurden, stieg die Zahl tatverdächtiger Kinder um satte 42 Prozent – von 76 Tatverdächtigen Kindern im Jahr 2023 auf 108 im Jahr 2024. Damit liegt das vergangene Jahr auch deutlich über dem Fünfjahresschnitt von 77 tatverdächtigen Kindern.
Männer
Nach wie vor stark überrepräsentiert unter den Tatverdächtigen bleiben Männer. Im vergangenen Jahr gab es 1578 männliche Tatverdächtige. Dem gegenüber stehen nur 452 tatverdächtige Frauen. 77,7 Prozent aller Tatverdächtigen im Kreis waren damit Männer.