„Das ist der Gradmesser für gute Ermittlungsarbeit“, benennt Timo von Au die hohe Ermittlungsquote am Polizeiposten Sulz. Foto: Schneider

Erschreckend: In Sulz gab es 2024 fast 82 Prozent mehr Fälle von Partnergewalt als im Vorjahr.

Die Zahlen der Straftaten sind bedenklich – sind sie doch im Vergleich zum Vorjahr in Rottweil (1621), Schramberg (884) und Oberndorf (672) gestiegen.

 

Doch wie sieht die Situation in Sulz aus? Im Gemeinderat blicken der Leiter des Polizeireviers Oberndorf, Timo von Au, sein Stellvertreter Ulrich Müller und der neue Leiter des Polizeiposten Sulz, Achim Haag, auf die Zahlen von 2024.

Rückgang um 22,4 Prozent

Und die sind wirklich gut. „In Sulz ist die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Prozent gesunken“, erklärt von Au. Das heißt: 43 Fälle weniger, so dass man nun bei 339 Taten ist – deutlich weniger als in den anderen Kommunen.

So habe es etwa in der Kernstadt 56 Fälle weniger gegeben, was einen Rückgang von über einem Fünftel (22,4 Prozent) auf 194 Fälle bedeutet. Blickt man auf die vergangenen fünf Jahre, waren die Zahlen nur im Jahr 2020 niedriger (162), als zu Anfang der Corona-Pandemie das öffentliche Leben durch Lockdowns sowieso stark heruntergefahren wurde.

91,7 Prozent mehr Straftaten

Einen leichten Anstieg um 8,3 Prozent (16 Straftaten) auf insgesamt 109 Straftaten im Jahr 2024 habe es hingegen in den Stadtteilen gegeben. In Glatt ist ein Rückgang von einem Fall (11,1 Prozent) auf neun Taten im Jahr, in Holzhausen von sechs (30 Prozent) auf 14 Fälle zu beobachten. In Renfrizhausen gab es hingegen einen Zuwachs von drei Fällen auf insgesamt sechs Straftaten – eine Steigerung von 100 Prozent.

Quantitativer Spitzenreiter ist jedoch Sulz’ größter Stadtteil Bergfelden, bei dem elf Straftaten mehr als im Vorjahr zu verzeichnen sind. Das bedeutet einen Zuwachs von 91,7 Prozent: Die Statistik weist für das zurückliegende Jahr 23 Fälle aus.

Die häusliche Gewalt steigt

Doch welche Taten werden in Sulz begangen? Die Statistik listet 17 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung auf, worunter auch das Verschicken pornografischer Bilder, sexuelle Belästigung oder Vergewaltigung fallen. Das bedeutet einen Anstieg um sechs Fälle im Vergleich zum Vorjahr.

Ein leichter Anstieg um zwei Fälle auf 70 Vorkommnisse ist bei Rohheitsdelikten zu verzeichnen, also Bedrohung oder Körperverletzung. Darunter fällt auch Partnergewalt/Häusliche Gewalt, die einen Anstieg von 81,8 Prozent zu verzeichnen hat. Statt elf Fällen im Jahr 2023 sind es 20 in 2024.

Weniger Vermögensdelikte

Stark verringert haben sich hingegen die Fälle von Diebstahl – und zwar von 113 Fällen im Jahr 2023 auf 75 in 2024, also stolze 33,6 Prozent weniger. „Das ist ein starker Rückgang“, bilanziert von Au.

Spürbar zurückgegangen ist auch die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte. Gab es 2023 noch 58 solcher Fälle, verzeichnet die Polizei 2024 nur noch 45.

„Höchste Aufklärungsquote seit Jahren“

Bei „Warenkreditbetrug“ sind die Fälle um vier Sachverhalte im Jahr – und somit 30,8 Prozent – auf 17 Stück angestiegen. Das bedeutet pro Quartal ein zusätzlicher Fall. „Das ist nicht wirklich dramatisch“, rückt der Revierleiter die Zahlen in einen Gesamtkontext.

Und wie viele Fälle landen vor Gericht? Auch da hat der Revierleiter eine frohe Botschaft zu verkünden. „Wir haben die höchste Aufklärungsquote seit zehn Jahren“, erklärt er. Diese liege mit 72,9 Prozent deutlich über dem landesweiten Durchschnitt in Baden-Württemberg von 62,6 Prozent.

Jugendkriminalität sinkt massiv

„Das ist der Gradmesser für gute Ermittlungsarbeit“, hält er fest. Doch wer sind die Tatverdächtigen? Zum Großteil handelt es sich dabei um deutsche Staatsbürger, bei denen es sogar einen leichten Anstieg auf 140 Personen (2023: 138) gab.

Ein deutlicher Rückgang ist hingegen bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen zu bemerken. Waren dies 2023 noch 89 Personen, sank die Zahl 2024 auf 67.

Eine andere positive Entwicklung ist im Bereich der Jugendkriminalität zu verzeichnen. Denn sowohl bei den Jugendlichen wie auch den Heranwachsenden ist ein Rückgang von mehr 50 Prozent zu beobachten.

„Bundesweit geht der Trend in eine andere Richtung“, betont von Au die Situation in Sulz.