In diesem Bereich der Hauptstraße – bei Woolworth, Kunststube und dem Modegeschäft Kaoos – gab es Diebstähle. Foto: Dold

Die Schramberger Geschäftsleute müssen sich immer häufiger mit einem Problem herumschlagen: Ladendiebstähle.

Vor kurzem erwischte es die Kunststube, nun waren Langfinger bei Lederwaren Krön am Werk. Eine Nachfrage bei mehreren Einzelhändlern ergab: Das Problem gibt es in steigender Zahl in vielen Geschäften. Insbesondere die Vorweihnachtszeit ist mit viel Betrieb geradezu prädestiniert für die Diebe.

 

Jens Krön, Geschäftsführer von Lederwaren Krön, berichtet von einem dreisten Fall vor wenigen Tagen: So sei eine Mitarbeiterin abgelenkt worden. Eine weitere Person sei derweil zum Eingang an der Hauptstraße hereingekommen, durch den Laden gegangen und habe einen hochwertigen Einkaufswagen mitgenommen.

Einen solchen Einkaufswagen wollten Diebe bei Lederwaren Krön entwenden. Foto: Dold

„Das habe ich auf der Überwachungskamera gesehen“, so der Geschäftsführer. Er sei dem Dieb hinterher, der den Einkaufswagen auf dem seitlichen Rathausplatz fallengelassen habe und geflüchtet sei.

Viel Bargeld gestohlen

Auch die Kunststube wurde vor wenigen Tagen heimgesucht. „Die gesamten Bareinnahmen der Woche waren futsch“, erzählt Inhaberin Sabine Schell. Sie habe das Geld – ein niedriger vierstelliger Betrag – in einen Kosmetikbeutel deponiert, der in einer Tasche gestanden habe. Der oder die Täter machten den Beutel auf und nahmen das Bargeld mit, als die Mitarbeiter gerade im Untergeschoss waren. „Damit wurden auch die 50 Aussteller geschädigt, deren Arbeiten in der Kunststube verkauft werden“, beklagt Sabine Schell.

Dieb im Park der Zeiten gestellt

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Polizei, der nun zeitweise im Einzelhandel arbeitet, hat sich um das Problem gekümmert: Er beobachtete schon mehrfach verdächtige Personen. Einmal steckte sich eine solche ein Kleidungsstück beim benachbarten „Kaoos“ unter die Jacke. Der ehemalige Polizist verfolgte die Person und stellte sie im Park der Zeiten.

Hoffen auf Polizeipräsenz

Auch bei Woolworth kommt es immer wieder zu Vorfällen. „Diebstähle sind schon ein Stück weit einkalkuliert“, bedauert ein Angestellter des Marktes. „Etwas mehr Polizeipräsenz in der Fußgängerzone würde sicher helfen“, hofft er. Ähnlich sieht es in der Drogerie Müller aus, die immer wieder von Diebstählen geplagt wird.

Bei der Drogerie Müller und Lederwaren Krön gab es ebenfalls Vorfälle. Foto: Dold

Im Modegeschäft Kaoos gibt es einen anderen Trick, vor dem die Verkäuferinnen warnen: So kommen dort – wie auch in anderen Geschäften – geklaute EC-Karten zum Einsatz. „Die Leute hoffen darauf, dass sie keinen PIN eingeben müssen“, sagt eine Verkäuferin. Manchmal funktioniert dieser Trick, da die Angestellten nicht zu jeder EC-Karte den Ausweis fordern dürfen. Hier warnen sich Geschäftsinhaber gegenseitig.

Diebstähle sind sowohl bei Kaoos als auch bei anderen Modegeschäften ein Thema: „Wir finden immer wieder leere Kleiderbügel“, heißt es.

Zahlen steigen an

Fabian Herkommer, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Konstanz, bestätigt einen deutlichen Anstieg von Ladendiebstählen in Schramberg in den vergangenen Jahren. So waren 2021 noch 25 solcher Delikte zu verzeichnen. Nach Corona waren es im Jahr 2023 bereits 65 Diebstähle, im vergangenen Jahr schon deren 87. Die Zahlen für 2025 seien noch nicht freigegeben, so Herkommer.

Angebote für Ladenbesitzer

Die Polizei könne Ladenbesitzer mit Beratungsangeboten unterstützen, um präventiv tätig zu werden. Dabei kann auf typische Vorgehensweisen von Dieben hingewiesen werden und wie sich die Besitzer schützen können.

Herkommer rät: „Wenn Bürger während ihrem Einkauf verdächtige Beobachtungen machen, sollten sich diese an das Verkaufspersonal wenden. Ist dies nicht unmittelbar möglich gilt: Merken oder notieren Sie sich die Beschreibung verdächtiger Personen oder Autos und verständigen Sie unverzüglich die Polizei. Im Notfall wählen Sie den Polizei-Notruf 110“.

Wird ein Täter überführt, läuft es wie folgt: „Repressiv führt die Polizei, gegebenenfalls in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft, erforderliche strafprozessuale Maßnahmen durch. Über den Ausgang des Verfahrens entscheidet die Staatsanwaltschaft. Diebstahl wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Eine Strafverschärfung liegt bei einem Diebstahl mit Waffen oder einem Bandendiebstahl vor“.

Studie des EHI

Ladendiebstähle
 wurden in einer Studie des EHI Retail Institute (ehemals EuroHandelsinstitut) untersucht und bewertet. Dort heißt es: „Der organisierte und gewerbsmäßige Ladendiebstahl hat dem Einzelhandel zum Teil schmerzliche Verluste beschert. Im Jahr 2023 ist das hohe Niveau in Deutschland nochmals um 15 Prozent gestiegen“.

Deutschlandweit
beläuft sich der Schaden durch Diebstähle auf 4,1 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 2,82 Milliarden Euro auf die „Kundschaft“, 910 Millionen Euro auf die eigenen Angestellten und 370 Millionen Euro auf das Personal von Lieferanten und Servicefirmen.