Markus Haug (von links), Bernd Pfaff, Ralf Broß und Christian Ruf sehen trotz der Zahlen keinen Grund zur Sorge. Foto: Reimer

Trotz Corona verzeichnete die Polizei 2020 das zweite Mal in Folge einen Anstieg der erfassten Straftaten in Rottweil. Ein Grund zur Besorgnis ist das aber nicht, wie Revierleiter Markus Haug bei der Vorstellung des Kriminalitätsberichts erklärt.

Rottweil - Insgesamt 1330 Straftaten wurden im vergangenen Jahr erfasst. Das sind 139 Fälle mehr als noch 2019. Das bedeutet einen Anstieg von 11,7 Prozent. Erst 2018 wurde mit 1065 Fällen der tiefste Stand der vergangenen 10 Jahre erreicht. Schwankungen und somit auch ein Anstieg der Fälle war somit zu erwarten, so Haug. Die Höchststände aus den Jahren 2010 (1403 Fälle) und 2014 (1523 Fälle) wurden nicht erreicht. "Jede Straftat ist eine Straftat zu viel. Von daher sind wir mit der Entwicklung nicht zufrieden", so Haug. "Doch in Rottweil sind wir nach wie vor sicher. Es gibt keinen Grund zur Sorge."

Insbesondere drei Faktoren haben im Jahr 2020 die Anzahl der Fälle nach oben getrieben. Die Anzahl der Ladendiebstähle ist um 50 auf insgesamt 107 Fälle gestiegen. Hierbei werden Diebe durch das Personal, beispielsweise durch Ladendetektive, gefasst. Zusätzliches Personal oder bessere Warensicherung, könnte dazu geführt haben, dass mehr Diebe ertappt wurden und die Fallzahl gestiegen ist. Haug geht daher davon aus, dass durch den Anstieg ein statistisches Dunkelfeld aufgehellt wurde.

Weiterer Faktor ist Drogenkriminalität

Ein weiterer Faktor war die Drogenkriminalität. In diesem Bereich wurden 43 Fälle mehr erfasst. Insgesamt waren es 171. "Das ist ein Zeichen, dass wir was machen", sagt Haug. Akribische Ermittlung würde für vergleichsweise hohe Fallzahlen sorgen. Ebenso verstärkte Kontrollen, wie Fachbereichsleiter Bernd Pfaff sagt: "Wenn mehr kontrolliert wird, gibt es mehr Fälle."

Einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen erfasste die Polizei auch bei den Betrugsdelikten, dem dritten wesentlichen Faktor, der zu den höheren Gesamtfallzahlen führte. Besonders auffällig ist der Bereich des sogenannten Waren- und Warenkreditbetrugs. Hier gab es insgesamt 78 Fälle. 46 mehr, als im Jahr 2019. Diese Entwicklung dürfte auf die Corona-Krise zurückzuführen sein, so Haug. Denn zu diesem Bereich zählt auch der Betrug im Online-Handel. "Durch die Schließungen hat sich der Handel zunehmend ins Internet verlagert. Dementsprechen verzeichnen wir da auch mehr Betrugsfälle."

Die Straftaten im öffentlichen Raum sind hingegen deutlich zurückgegangen. Insgesamt gab es 176 Fälle und damit 51 weniger als im Vorjahr. Das sei überwiegend auf Corona zurückzuführen. Nach einem Anstieg im Jahr 2018 setzt sich hier weiter ein Abwärtstrend fort. Seit 2014 zeigt hier die Kurve nach unten. Niedrige Fallzahlen in diesem Bereich sind entscheidend dafür, dass die Bevölkerung sich sicher fühle, erklärt Haug. Die Präsenz der Polizei trage ebenfalls zum Sicherheitsgefühl bei. Hier habe die Polizei gute Arbeit geleistet, meint Bürgermeister Christian Ruf. Als positive Entwicklung sieht Haug den Anstieg der Aufklärungsquote von 63,4 auf 70,4 Prozent. Der Höchstwert der vergangenen zehn Jahre. Der Landesdurchschnitt liegt hier bei 64 Prozent. Oberbürgermeister Ralf Broß sieht darin ein deutliches Signal an die Täter: "Wenn etwas passiert, wird es auch aufgeklärt."

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