Die Staatsanwaltschaft hat auch viele Altverfahren während des Coronajahres 2020 zum Abschluss gebracht. Foto: © BillionPhotos.com – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Die gute Nachricht wird gleich von einer schrecklichen eingeholt: Die Staatsanwaltschaft Rottweil hatte es im vergangenen Jahr mit weniger Eigentumsdelikten als sonst zu tun, dafür wurde ein "signifikanter Zuwachs" bei bei Verfahren wegen Verbreitung pornografischer Schriften festgestellt.

Kreis Rottweil - Der Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Rottweil umfasst den Bezirk des Landgerichts Rottweil, das heißt die Landkreise Rottweil, Tuttlingen und Freudenstadt. Jetzt wurden die Jahresbilanzen für 2019 und 2020 vorgelegt.

2019 fielen bei der Staatsanwaltschaft Rottweil insgesamt 22 809 Ermittlungsverfahren an. Im Jahr 2020 war wieder ein Anstieg auf 23 753 Ermittlungsverfahren zu verzeichnen. Davon waren  14 038 Verfahren gegen bekannte Täter (Js-Verfahren) mit insgesamt 16 401 Beschuldigten, 8372 Verfahren gegen unbekannte Täter. Es gab 1343 Ordnungswidrigkeitenverfahren, davon 1140 Verkehrsordnungswidrigkeitenverfahren.

Trotz "Corona" habe es bei der Staatsanwaltschaft Rottweil mehr Arbeit zu bewältigen gegeben, heißt es in der Pressemitteilung. Trotz des Verfahrensanstieges und den besonderen Umständen, die die Arbeit unter der Pandemiebedingungen mit sich gebracht hat, sei es jedoch gelungen, den Verfahrensbestand von 2251 Verfahren im Jahr 2019 um 256 Verfahren auf 1995 im Jahr 2020 zu senken. Auch der Bestand an sogenannten Altverfahren, also Verfahren, die bereits über ein Jahr Bearbeitungsdauer aufwiesen, konnte um 65,6 Prozent verringert werden.

Die durchschnittliche Verfahrensbearbeitungsdauer sank von 62 Tagen im vorletzten Jahr auf 51 Tage im Jahr 2020. Hierbei kam den Staatsanwältinnen und Staatsanwälten laut Mitteilung zugute, dass im Frühjahr 2020 weniger Sitzungen bei den Gerichten stattfanden und somit die Zeit zur Bearbeitung auch umfangreicher Akten genutzt werden konnte.

Bei den Delikten wegen Körperverletzung waren keine größeren Veränderungen festzustellen. Sie betrugen 1216 Verfahren im Jahr 2019 und 1204 Verfahren im Jahr 2020. Die Verfahren gegen namentlich ermittelte Täter wurden wie folgt abgeschlossen: 2019 gab es 1014 Anklagen, 2020 erfolgten 1114 Anklagen. Bei Anklagen zum Landgericht ist mit 36 (2019) auf 22 (2020) ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen.

69 Mal ohne Bewährung

Bei den Eigentumsdelikten wie Diebstahl und Unterschlagung wurde eine Abnahme von 225 Verfahren auf 1287 im Jahr 2020 festgestellt, die auch auf die geschlossenen Ladengeschäfte zurückzuführen sein dürften. Dagegen musste ein signifikanter Zuwachs bei Verfahren wegen Verbreitung pornografischer Schriften festgestellt werden, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Waren es im 2019 insgesamt 95 stiegen die Zahlen um 116 Prozent an, so dass die Staatsanwaltschaft es 2020 Jahr bereits mit 205 derartigen Verfahren zu tun hatte. Auch bei den allgemeinen Straftaten, die mit Freiheitsstrafen nicht unter einem Jahr bedroht sind (Verbrechen), gab es eine Verfahrenszunahme von 98 auf 279 Verfahren 2020. Die Zahlen bei Kapitaldelikten (wie Mord und Totschlag) blieben nahezu unverändert mit 19 Verfahren 2019 und 18 Verfahren im Jahr 2020.

Die verhängten Freiheitsstrafen gingen 2020 von 270 auf 236 Verfahren zurück. Bemerkenswert ist hier, dass die Anzahl der Freiheitsstrafen ohne Bewährung auf 69 Verfahren anstieg.

Seit Januar 2020 ist Sabine Mayländer als Leitende Oberstaatsanwältin Behördenleiterin. Seit Juli 2016 ist Oberstaatsanwalt Christoph Kalkschmid ihr ständiger Vertreter. Er verlässt nun nach fast fünfjähriger Tätigkeit in Rottweil die Behörde zum 12. April und wechselt als Hauptabteilungsleiter zur Staatsanwaltschaft Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft Rottweil bedankt sich laut Pressemitteilung für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der vergangenen Jahre.