Die Anzahl der Straftaten in Oberndorf ist zurückgegangen, bei den Rohheitsdelikten verzeichnet die Polizei jedoch einen Höchststand. Vor allem eine Entwicklung bereitet Sorgen.
Von Schulhofpornografie über (häusliche) Gewalt bis zum Schockanruf: 525 Straftaten haben sich 2025 in Oberndorf ereignet. Wie diese Zahl einzuordnen ist, bei welchen Delikten es einen Anstieg gibt, und wo die Erfolgsquote gering, der Schaden aber sehr hoch ist, legte der Oberndorfer Polizeirevierleiter Timo von Au dem Gemeinderat dar.
Insgesamt ist die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 21,9 Prozent zurückgegangen. Sie liege damit nahezu auf dem Niveau des Corona-Jahres 2020 und unter dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre, so von Au.
Hohe Aufklärungsquote
283 der Taten (rund 17,7 Prozent weniger als im Vorjahr) ereigneten sich in der Kernstadt, 101 davon in der Oberstadt. Noch stärker ist der Rückgang in den Stadtteilen - um 22,7 Prozent auf 201 Taten. Die restlichen 41 Taten betrafen unter anderem die A81.
Während Aistaig den stärksten Rückgang zu verzeichnen hat (um 53 Fälle auf 46), gab es den stärksten Anstieg in Altoberndorf und Hochmössingen (um jeweils fünf Fälle auf 16 beziehungsweise 18).
Den zweithöchsten Wert der vergangenen zehn Jahre erreicht die Polizei in Oberndorf bei der Aufklärungsquote: 74,1 Prozent (Vorjahr: 71,9 Prozent). Diese liege um zwölf Prozent über der Quote des Landes und um sieben Prozent über der des Polizeipräsidiums Konstanz, so von Au.
Weniger Sexualdelikte
Von den 364 Tatverdächtigen im Jahr 2025 in Oberndorf waren 224 Deutsche. Insgesamt waren 288 erwachsen, 36 jugendlich, 29 heranwachsend (18 bis 21 Jahre alt) und elf Kinder. Mehr als 77 Prozent waren männlich.
Bei den Delikten gebe es einen deutlichen Rückgang bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Zahl sank von 35 auf 13 Fälle. Schwankungen erklärte der Revierleiter mit unterschiedlichem Anzeigeverhalten, aber auch damit, dass es sich bei der sogenannten Schulhofpornografie, also der Verbreitung pornografischen Materials von Mitschülern, oftmals gleich um mehrere Fälle handle.
In diesem Fall seien es zwölf Fälle weniger bei der Verbreitung pornografischer Inhalte gewesen und fünf Fälle weniger im Bereich sexuelle Belästigung.
Gut fürs Sicherheitsempfinden
Was für das Sicherheitsgefühl wichtig sei, so von Au: In Oberndorf habe es 2025 keine Wohnungseinbruchsdiebstähle gegeben. Die Zahl sei seit 2022 (acht Fälle) stetig gesunken – entgegen dem landesweiten Trend. Die Fälle von Diebstahl sind außerdem von 139 auf 120 gesunken, jedoch habe es einen leichten Zuwachs im Bereich der schweren Diebstähle gegeben (von 28 auf 30 Fälle).
Einen deutlichen Rückgang um 54,5 Prozent, vor allem aufgrund der Cannabis-Legalisierung, gab es im Bereich Rauschgiftkriminalität. Auf Nachfrage aus dem Gremium erklärt der Polizeirevierleiter, dass insbesondere Kokain und Amphetamine Probleme bereiteten.
Weniger Körperverletzungen in der Öffentlichkeit
Eine besorgniserregende Entwicklung: Die Zahl der Rohheitsdelikte, zu denen unter anderem Raub, Körperverletzung, Bedrohung und Freiheitsberaubung zählen, ist mit 130 Fällen auf dem höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. 87 davon entfallen auf Körperverletzungen. Trotz des Anstiegs um 7,4 Prozent in diesem Bereich, sei die Anzahl der Körperverletzungen zumindest im öffentlichen Raum um 21 Fälle (47,7 Prozent) zurückgegangen.
Messerangriffe habe es in Oberndorf keine gegeben, was sich sicherlich auch positiv auf das Sicherheitsempfinden auswirke, meinte von Au. 2024 waren es noch drei Fälle, 2023 fünf.
Mehr häusliche Gewalt
Um ein Drittel gestiegen ist die Anzahl an Fällen häuslicher Gewalt. Nachdem die Zahlen von 29 Fällen 2023 auf 21 im Jahr 2024 gesunken waren, gab es nun wieder einen Anstieg um rund 33,3 Prozent auf 28 Fälle. In 75 Prozent davon handelte es sich um einfache Körperverletzungen, bilanziert die Polizei. Insbesondere seit dem Dreifachmord in Villingendorf aus dem Jahr 2017 sei dieses Thema besonders in den Fokus gerückt. So sei mit den Ermittlungen in diesen Fällen auch stets eine Risikoanalyse zur künftigen Gefährdung der Opfer verbunden.
Auch Gewalt gegen Polizei- und Rettungskräfte bleibt ein Problem. Acht beziehungsweise zwei Fälle dieser Art ereigneten sich 2025.
Im Bereich Cybercrime waren in Oberndorf zwölf Fälle zu verzeichnen, wobei mancher Fall aufgrund des Tatortprinzips in anderen Orten in die Statistik einfließe, erklärte Timo von Au.
Eine enorme Zunahme um rund 80 Prozent auf 380 Fälle (Schadenssumme: 15,8 Millionen Euro) ist präsidiumsweit beim Thema Anlagebetrug festzustellen – auch wenn es in Oberndorf 2025 keinen solchen Fall gab. Dabei wollen Täter ihre Opfer zu vermeintlichen Investitionen in Finanzprodukte im Internet verleiten und erwecken durch Einsatz von Künstlicher Intelligenz oftmals den Eindruck, ein Prominenter würde dafür werben.
Erfolgreiche Betrugsmaschen
Eine recht geringe Erfolgsquote (etwa fünf Prozent), aber hohe Schäden, wenn sie erfolgreich sind, kennzeichnet Betrugsmaschen wie Schockanrufe. Aus dem Ausland heraus wurden für das Polizeipräsidium Konstanz 431 Anrufstraftaten mit einer Schadenssumme von rund zwei Millionen Euro registriert – immerhin 31,3 Prozent weniger Taten als im Vorjahr. Anrufstraftaten aus dem Inland gab es 52 (Vorjahr: 53) mit einer Gesamtschadenssumme von 1,7 Millionen Euro.
Bei 329 der insgesamt 483 Anrufstraftaten handelte es sich um sogenannte Schockanrufe, beim Rest gaben die Anrufer an, Polizeibeamte zu sein. Die Dunkelziffer beim Thema Betrugsmaschen sei aber sicherlich erheblich höher, meinte der Polizeirevierleiter.
In Oberndorf zog ein Schockanruf 2025 einen Schaden in Höhe von 14.000 Euro nach sich. In einem anderen Fall machte ein falscher Polizeibeamter insgesamt 100.000 Euro Beute.
Bürger hätten ihm unangenehme Entwicklungen im Bereich der Ordnungsstörung – Stichwort: Lärm und Missachtung von Polizeiverordnungen von jüngeren Mitbürgern – zugetragen, berichtete FWV-Stadtrat Dieter Rinker.
Tendenzen dieser Art konnte der Polizeirevierleiter nicht bestätigen. Man sei in diesem Bereich jedoch auch gut aufgestellt. Die zuständige Kollegin sei bei den Jugendlichen bekannt und zeige regelmäßig Präsenz, so Timo von Au.