Die hohe Aufklärungsquote spricht für die Arbeit der Polizei in Oberndorf. Foto: Cools

Die Anzahl der Straftaten war 2024 in Oberndorf so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Ein massiver Anstieg ist bei den Sexualdelikten festzustellen.

Landesweit und im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Konstanz war die Anzahl der Straftaten 2024 rückläufig. In Oberndorf steigt sie bereits seit 2021 an – zuletzt um rund elf Prozent auf 672 Straftaten. Revierleiter Timo von Au und sein Vize Ulrich Müller zogen im Gemeinderat Bilanz und gaben ihre Einschätzung zur Sicherheitslage ab.

 

Allein 344 der Oberndorfer Straftaten – und damit 13,5 Prozent mehr als im Vorjahr – wurden in der Kernstadt begangen, ein neuer Höchstwert im Fünf-Jahres-Vergleich. Und davon wiederum 150 in der Oberstadt.

68 Straftaten (Vorjahr: 63) werden der Bundesautobahn und anderen Orten rund um Oberndorf zugeordnet.

Aistaig ist trauriger Spitzenreiter

In den Stadtteilen steigt die Anzahl der Straftaten ebenfalls an, diesmal um 8,3 Prozent auf 260 Fälle. Während die Fallzahlen auf dem Lindenhof um 25 Fälle und in Altoberndorf und Hochmössingen geringfügig zurückgehen, gibt es Anstiege in Boll, Beffendorf und Bochingen.

Aistaig sticht mit einem Mehr von 37 Fällen im Vergleich zu 2023 hervor. 99 Straftaten wurden dort im vergangenen Jahr begangen. Oftmals seien einzelne Personen, die mehrere Straftaten begingen, ausschlaggebend für einen solchen Anstieg, erklärte von Au.

Die Hemmschwelle sinkt

Von 394 Straftätern im vergangenen Jahr waren 37 Prozent Nicht-Deutsche. 277 Tatverdächtige waren über 21 Jahre alt. Was ins Auge sticht: Die Anzahl der Straftäter bis 14 Jahre hat sich deutlich erhöht (von 16 auf 28) ebenso wie die Anzahl der jugendlichen Straftäter unter 18 Jahren (von 28 auf 60).

Das sei eine Entwicklung, die sich bundes- und landesweit zeige und nachdenklich mache, bekannte von Au. Eine konkrete Ursache lasse sich nicht ausmachen, jedoch sei ein Erklärungsversuch, dass der generelle Trend zur sinkenden Hemmschwelle nun auch bei den Jüngsten angekommen sei. „Die Fähigkeit, Konflikte kommunikativ zu lösen, schwindet. Stattdessen wird zu Gewalt gegriffen“, meinte er. Auch etwaige Entwicklungsdefizite in Folge der Corona-Pandemie seien eine mögliche Ursache.

„Schulhofpornografie“ ist ein Faktor

Dabei handle es sich um ganz unterschiedliche Straftatbestände – von Gewaltdelikten über Beleidigungen bis zu Sexualdelikten. Dazu zählt auch das Verbreiten pornografischer Inhalte mit Minderjährigen per Smartphone, Stichwort „Schulhofpornografie“.

Letzteres sei auch einer der Faktoren, der den insgesamt deutlichen Anstieg bei den Sexualstraftaten beeinflusse. In diesem Bereich stieg die Fallzahl 2024 von 13 auf 35.

Mehr Körperverletzung, weniger Partnergewalt

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr zudem drei Straftaten gegen das Leben, ein Höchststand im Fünf-Jahres-Vergleich. Auffällig in der Statistik: Die Anzahl der Körperverletzungen erreichte – bei einem Anstieg um rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr – 2024 mit 81 Delikten den Zehn-Jahres-Höchststand.

Immerhin: Die Anzahl der gefährlichen Körperverletzungen ging leicht zurück, außerdem die Anzahl der angezeigten Fälle häuslicher Gewalt (von 29 auf 21 Fälle).

Hier steigen die Zahlen an

Einen Anstieg verzeichnet die Polizei bei Ladendiebstählen (von 29 auf 39 Fälle), Sachbeschädigungen an Autos (von 19 auf 26), Cybercrime (von acht auf zwölf), Vermögens- und Fälschungsdelikten (von 85 auf 103) und Betrugsdelikten (von 53 auf 70 Fälle).

Tragisch seien die Fälle, in denen Bürger wegen des Enkeltricks, falschen Polizeibeamten oder Schockanrufen um ihr Erspartes gebracht wurden. Hier gebe es präsidiumsweit einen Anstieg, die Dunkelziffer wegen des Schamgefühls der Opfer sei ebenfalls hoch. Mancher Bürger habe enorme Vermögenswerte zu Hause gelagert. In einem Fall seien Gegenstände im Wert von 120 000 Euro an der Haustür übergeben worden, schilderten die Reviervertreter.

Hohe Aufklärungsquote in Oberndorf

Positives zu vermelden gibt es im Bereich Einbrüche: Diese Zahl hat sich von 2022 auf 2023 halbiert und ist 2024 auf drei Fälle gesunken. Ein Rückgang um 25 Prozent – in Teilen auch aufgrund der Teil-Legalisierung von Cannabis – wird bei der Rauschgiftkriminalität verzeichnet.

Allerdings stelle man eine gewisse Verharmlosung des Cannabiskonsums fest, meinte Timo von Au. So gebe es bereits deutlich mehr Autofahrten unter Cannabiseinfluss als im vergangenen Jahr zu dieser Zeit.

Erfreulich: Die Aufklärungsquote in Oberndorf hat sich leicht erhöht und lag 2024 nun bei 71,9 Prozent (Land: 62,6 Prozent, Landkreis: 70 Prozent). Das spreche für die Arbeit der Polizei in Oberndorf, stellte von Au zufrieden fest.