Mit teils brachialen Methoden – etwa Sprengstoff – machen sich Kriminelle an Geldautomaten zu schaffen (Symbolfoto). Foto: dpa/René Priebe

Im Juli sprengen Unbekannte ein Gerät Liebelsberg, im November knacken Kriminelle eines in Oberkollbach. Sind die Täter inzwischen gefasst? Oder gibt es zumindest eine heiße Spur? Das wissen Polizei und Landeskriminalamt.

Gleich zweimal innerhalb weniger Monate haben unbekannte Täter Geldautomaten im Kreis Calw ausgeraubt. Die Methoden der Verbrecher waren gänzlich unterschiedlich. Allerdings weisen die Fälle auch eine Gemeinsamkeit auf: Die Ermittlungen laufen noch.

 

Fall 1 Es war ein Sonntagabend wie kein anderer in Oberkollbach. Bemerkt hat dies aber offenbar niemand – bis es passiert war.

In dem Ortsteil von Oberreichenbach gibt es eine kleine Raiffeisenbankfiliale in der Alten Badstraße. Am 10. November zwischen 18.30 und 19.30 Uhr wurde sie Ziel von Einbrechern. Der oder die Täter hatten sich über ein Fenster an der Gebäuderückseite Zugang verschafft, wie die Polizei kurz nach der Tat mitteilte.

Im Innern machten sich die Unbekannten am Geldautomaten zu schaffen. Es gelang ihnen, diesen zu knacken. Laut Polizei erbeuteten sie dann „einen mittleren fünfstelligen Betrag“. Ähnlich hoch war der Sachschaden, der bei dem Einbruch und vor allem dem Aufbrechen des Automaten entstand. Bemerkt worden war die Tat erst am Montagmorgen.

Keine neuen Hinweise auf mögliche Täter

„Die Ermittlungen dauern noch an“, erklärt Emily Meier, Sprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim nun auf Nachfrage. Und, nach Rücksprache mit dem zuständigen Sachbearbeiter bei der Kriminalpolizei: Derzeit gebe es „leider keine neuen Hinweise“ zu einer möglichen Täterschaft.

Derweil ist die Raiffeisenbank im Kreis Calw dabei, den aufgebrochenen Automaten zu ersetzen. Markus Wiech, der Leiter Betriebsorganisation bei der Raiffeisenbank im Kreis Calw, hatte gleich nach dem Einbruch betont, dass das Institut die Tat nicht nutze, um den Automaten aus Oberkollbach abzuziehen. Derzeit wartet Wiech auf einen Installationstermin für das neue Gerät.

Fall 2 Nicht einmal 20 Kilometer entfernt von Oberkollbach, in Liebelsberg, war es bereits wenige Monate zuvor zu einem Geldautomatenraub gekommen.

In der Nacht auf den 29. Juli, ein Montag, hatten Unbekannte offenbar kurz nach 3 Uhr einen Bankautomaten im Edeka auf Gemarkung des Neubulacher Ortsteils gesprengt. Damals war nicht nur das Gebäude, sondern auch die im Gebäude angrenzende Bäckerei schwer beschädigt worden.

Die Beute, die die Automatensprenger machten, lag im niedrigen sechsstelligen Bereich, wie es im Sommer geheißen hatte. Zur Höhe des Sachschadens am Gebäude äußerte sich das Landeskriminalamt (LKA), das in der Sache ermittelt, bisher nicht. Und hält sich weiterhin bedeckt: Die Fragen unserer Redaktion zum Stand der Dinge in dem Fall bleiben unbeantwortet. „Aufgrund des nach wie vor laufenden Ermittlungsverfahren können wir Ihnen zum Fall keine Auskünfte erteilen“, teilt Nadine Hell von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit im LKA mit.

Internationale Zusammenarbeit ist erforderlich

Allgemein erklärt sie aber, dass, „da die Täter häufig überregional oder international operieren“, eine enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern erforderlich sei. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg kooperiere dabei „eng mit anderen Behörden, um grenzüberschreitende Tätergruppen zu identifizieren und zu verfolgen“.

Erst Anfang Dezember hatte sich die Polizei in Baden-Württemberg so an länderübergreifenden Aktionstagen zur Bekämpfung von Geldautomatensprengungen beteiligt.

Und auch Innenminister Thomas Strobl (CDU) erklärt immer wieder, dass die Banden, die hinter den Sprengungen stecken, auch über Landesgrenzen hinweg agieren.

In Baden-Württemberg laufen „alle wichtigen Informationen zu diesen Straftaten“ beim Landeskriminalamt zusammen, erklärt Nadine Hell. „Durch die zentrale Bündelung können Muster erkannt und die Ermittlungen effizienter gestaltet werden.“ Geldautomatensprengungen seien häufig komplex und erforderten spezielles Fachwissen – das sei beim LKA BW vorhanden.